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Das Naturrecht: Grundlage der Menschenrechte

Redet man vom Naturrecht, bezieht man sich auf die Quellen des Rechts. Es geht also um ein Recht, das nicht kodifiziert, also nicht schriftlich verfasst ist. Aus der unterschiedlichen Deutung der Wirklichkeit ergeben sich zwei aus der griechischen Antike kommende Formeln darüber, was eine Naturrechtslehre ist.

Naturrecht: Das, was gemäß der Vernunft ist

Die erste lautet: secundum naturam vivere – gemäß der Natur leben und kommt von Heraklit, diese bildet die Grundlage der Stoa und bestimmt bedeutend die neuscholastische Naturrechtslehre. Hierbei wird eine durchwaltende Ordnung, eine überzeitlich und allgemein gültige objektive Ordnung angenommen.

Die zweite Formel sieht Natur stärker der Veränderlichkeit unterworfen und lautet: secundum rationem esse vivendum – gemäß der Vernunft ist zu leben. Diese Formel geht vor allem auf Aristoteles zurück. Dieser sah das Naturrecht nur in einer vernünftigen Ordnung wie der Polis gegeben. Damit meint Naturrecht also keine losgelöste Seinsordnung, sondern etwas, das sich in der konkreten geschichtlichen Vernunft findet. Thomas von Aquin hat den stoischen und augustinischen Gedanken von der Teilhabe der menschlichen Vernunft an der göttlichen Vernunft umgeformt. Thomas sah den Menschen als aktiven Teilnehmer an der göttlichen Vorsehung, daher ist für ihn das Naturrecht Teilhabe an der normsetzenden Aktivität des Menschen, also nicht eine Ableitung aus einer Ordnung, sondern ähnlich wie bei Aristoteles, etwas, das eine konkrete Gestalt angenommen hat. Der Aquinat schuf daher den Ausdruck für Naturrecht als secundum rationem – das, was gemäß der Vernunft ist.

Nach Thomas von Aquin gewinnt die Naturordnung erst über die Vernunft sittlichen Charakter. Gut ist damit das, was vernunftgemäß ist. Sittlichkeit kann bei Thomas daher nicht einfach durch Ableitung der natürlichen Gegebenheiten gewonnen werden.

Die Vernunft ist das normierende Prinzip der Schöpfungsordnung. Doch beide Ordnungen, die der Schöpfung und die des Glaubens, gehen auf Gott zurück.

Legitime Menschenrechte: Kodifizierung des Naturrechts

Das Verhältnis von Natur- und Menschenrechen hat besonders Pius XII. besonders deutlich in seiner Weihnachtsansprache 1944. beschrieben, Nach diesem Papst besteht die Würde des Menschen in dessen Gottebenbildlichkeit. Die Kirche habe die Aufgabe „die größte und wichtigste Botschaft zu verkünden, die es nur gibt: die Würde des Menschen, seine Berufung zur Gotteskindschaft.“

Der Papst geht von einer „absolute[n] Ordnung des Seins und Sollens“ aus. Für Die Soziallehre heißt das in den Worten des Papstes: „Das Naturgesetz! [„la legge naturale“] Dies ist das Fundament auf dem die Soziallehre der Kirche ruht.“ (Pius XII. Ansprache an die Teilnehmer des Internationalen Kongresses für humanistische Studien vom 25. September 1949). Die Kirche führe mit diesem Fundament Kämpfe „für die wahre und für die Grundrechte des Menschen.“ Pius XII. geht weiterhin von einem „kollektive[n] Schicksal der Menschheit“ aus, das „den absoluten Wert jeder einzelnen Persönlichkeit als Aufbauelement vorrausetzt“ (Pius XII. Ansprache an die Teilnehmer der XI. Vollversammlung der ‚Pax Romana‘ vom 25. April 1957).

Vor allem die Familie sei der Ort, der „als erster Gemeinwesen für die Entfaltung der menschlichen Person gegründet wurde“ (Päpstlicher Brief Giovanni Montinis an den Kardinal-Erzbischof Siri von Genu vom 10. September 1954).

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