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Pius XII.: Ein Papst für Deutschland, Europa und die Welt? – Michael Feldkamps Papstbiographie

Eine Rezension der neuen Pius-Biographie von Michael Feldkamp – anlässlich des 50. Todestags von Pius XII. am 9. Oktober 1958.

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Pius XII.: Kein Papst des 20. Jahrhunderts ist so umstritten, über keinen anderen gibt es mehr Biographien und Literatur, von denen nicht wenige das Bekenntnis der Autoren zum Pacelli-Papst schon im Titel offenbaren.

Auf der einen Seite gibt es apologetische Werke wie „Der Papst, der Hitler trotzte“ und auf der anderen solche, in denen sich Antipathien finden, die sich manchmal bis zum Hass steigern. Als Beispiele für Anti-Pius-Bücher und Hass-Literatur können gelten: „Hitler’s Pope“, „Die Politik der Päpste“, „Hitler’s Willing Executioners: Ordinary Germans and the Holocaust“ und natürlich das Urwerk aller Schelte: „Der Stellvertreter“, in dem Hochhuth Pius XII. zum „Verbrecher“ erklärt und moralisch verurteilt.

Wie verhält es sich nun mit der neuen Pius-Biographie von Michael Feldkamp: „Pius XII. Ein Papst für Deutschland, Europa und die Welt“?

Die Biographie von Feldkamp befasst sich mit dem ganzen Leben des Papstes, von seinem Elternhaus angefangen, über seine frühen Jahre, bis zu seinem Tod. Schaut man in das Literatur-Verzeichnis merkt man, dass hier jemand über den Papst schreibt, der sich auskennt und nicht nur die ältere Standard-Biographie von CHENAUX, sondern auch neue wissenschaftliche Werke wie die von COPPA, ERNESTI und WOLF berücksichtigt. Wir haben es beim Autor also mit einem Pius-Experten zu tun, dem es nicht um eine Hagiographie oder um Hass geht, sondern um eine faire Auseinandersetzung, wenn auch Sympathie für den Papst mitschwingt. Das ist aber nicht als Kritik zu verstehen, denn jeder hat irgendwelche Positionen und bringt sie ein. Daher kann man gespannt sein, wie Feldkamp Leben und Pontifikat des Papa Angelicus bewertet.

Vom papsttreuen Elternhaus zum papsttreuen Priester

Feldkamp macht deutlich, dass Pius XII., mit bürgerlichem Namen Eugenio Pacelli, aus einem Elternhaus kam, das in päpstlichen Diensten stand. Pacelli hatte drei Geschwister. Als Theologiestudent galt er als „ausnehmend hochbegabt“, aber kränklich. Kardinal Gasparri wurde sein Mentor und förderte den jungen Theologen.

1903 kam Pacelli an die päpstliche Kurie und lernte dort auch den fanatischen Modernisten-Jäger Umberto Benigni kennen. Es gibt Pius-Biographen, die meinen, Pacelli und Benigni seien gute Freunde gewesen. Feldkamp hält diese These für „abwegig“.

1917 wurde Pacelli Nuntius, also Vatikan-Botschafter, in Deutschland. Aus dieser Zeit berichtet Feldkamp über eine Begegnung von Pacellis Sekretär Schioppa in München 1919 mit den Anführern der Räterepublik. Die revolutionären Männer und Frauen werden mit schlechten Charaktereigenschaften beschrieben, in diesem Zusammenhang fällt auch das Wort „ebree“ – jüdisch. Eine exzellente wissenschaftliche Aufarbeitung der Nuntiaturberichte Pacellis wird am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte der Universität Münster geleistet (www.pacelli-edition.de).

Cornwell will in der Bemerkung „jüdisch“ einen Beweis für Pacellis Antisemitismus sehen. Feldkamp weist dies zurück, denn Cornwells Übersetzungen verfälschen die Original-Aussagen.

Hat Pius XII. zu wenig für die Rettung der Juden getan?

Der Papst habe zum Holocaust geschwiegen oder zu wenig getan, um Juden zu retten. Diese Aussagen hört man immer wieder. Feldkamp bemerkt dazu, dass der Papst sich der Diplomatie bediente, um die Juden zu retten. Dies passt ja auch zu seiner Ausbildung als Kirchendiplomat. Die päpstliche Diplomatie war erfolgreich: „der von Pius XII. erwirkte ‚besondere‘ Status Roms (trug) mit dazu bei, dass die Judenverfolgung in Rom eingestellt wurde.“ (Feldkamp, 129). Aber hätte der Papst auch auf die Judenverfolgung außerhalb Roms Einfluss nehmen können? Hätte ein Protest des Papstes Leben gerettet? Diese Fragen werden wohl ewig im Dunkel bleiben und als Historiker ist Feldkamp gut bedient, sich an Spekulationen nicht zu beteiligen.

Pius XII. und der Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg

Pius XII. war der erste Papst, der sich umfassend mit der Frage der Demokratie befasste, wie Feldkamp konstatiert. Der Unterschied zwischen der liberalen Demokratie und den Vorstellungen Pius XII., zum Beispiel in Fragen der Religionsfreiheit, wird in den Reden des Papstes deutlich. Diese zu erwähnen und ideengeschichtlich zu betrachten, hätte hier einige Spannungen aufzeigen können, die erst auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu Ende gingen – ob zum Schaden oder zum Wohl der Kirche kann hier nicht entschieden werden. Feldkamp legt den Schwerpunkt aber auf die Diplomatiegeschichte und Konkordatspolitik des Papstes, was auch notwendig ist, um Pius XII. verstehen zu können. Er zeigt, wie sich der Papst um Europa bemühte und bei seinem Tod bei allen beliebt war – außer bei den Kommunisten.

Das Buch gibt einen sehr guten Überblick in das Leben des bisher letzten Papstes in der „Pius-Tradition“ und behandelt am Ende auch die kontroversen Stimmen.

 

Hier kann das Buch erworben werden: Pius XII.: Ein Papst für Deutschland, Europa und die Welt

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