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Das Spiel The Witcher 3: Heidentum und schöne Frauen

Ob auf der Playstation 4, der XBox One oder dem PC: „The Witcher 3“ von der polnischen Spieleschmiede „CD Project Red“ ist ein Bestseller. Man spielt einen „Witcher“ – einen Hexer, der in seiner magisch-mythischen Welt Dämonen und andere Unkreaturen jagt. Heidnische Weltvorstellungen, Lebensführungen und Mythen erwachen in einer mittelalterlichen Umgebung zum Leben. Hinzu kommen Gesellschafts- und Religionskritik.

„The Witcher 3“ ist ein Rollenspiel mit europäischer Prägung. Ähnlich wie bei der Gothic-Reihe des deutschen Entwicklers Piranha Bytes gibt es deftige Dialoge und eine düstere Atmosphäre. Spiele aus den USA sind sowohl sprachlich als auch inhaltlich zurückhaltender. Die optimistische amerikanische Mentalität spiegelt sich auch in den meisten Spielen wider. Das kanadische Unternehmen „BioWare“, das „Dragon Age“-Reihe und „Baldur’s Gate“ Serie entwickelte, ist eine Ausnahme. Was bei der Witcher-Serie ebenfalls hervorsticht, ist die vergleichsweise offene Darstellung sexueller Inhalte.

In „The Witcher“ spielt man den Hexer Gerald von Riva. Hexer sind Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Gleichzeitig gelten sie auch als Außenseiter, die oft verachtet, ausgestoßen und angefeindet werden. Man kann eine mediale Gesellschaftskritik darin sehen, weil Hexer all das verkörpern, was auch in der realen Welt Mobbing und Vorurteile erzeugt: Die Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten und ganz anderen.

Der Hexer Gerald ist kein heller „Superman“. Er ist eher wie „Batman“, ein düsterer Held. Nicht im Jubel, sondern im Schatten und Hintergrund agiert er – oft Verachtung und Verfolgung ausgesetzt. Das Spiel basiert auf den Fantasy-Romanen des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski, der darin slawische Märchen, Mythen und Legenden zum Leben erweckt. Als Hexer kämpft Gerald nun gegen fantastische Wesen: Monster, Mumen, Ungeheuer. Es geht darum die „Weiße Kälte“, mit der das Ende der Welt beginnt, aufzuhalten. Wegen der expliziten Sprache und Inhalte ist das Spiel ab 18.

Die Faszination des Spiels

Das Spiel ist für Fans von Rollenspielen, für Freunde von Mythen und Fantasy gemacht. Grafisch ist das Spiel großartig, auch atmosphärisch und musikalisch ist es Champions-League. Es entführt einen in eine Art heidnische, das heißt nicht-christliche dunkle Fantasywelt, in der Magie wirksam ist. Die spirituelle Dimension ist in der Welt selbst zu finden, die voller Zauber und Unglaublichkeiten steckt. Das Göttliche ist in diesem Spiel in einem gewissen Sinne pantheistisch. Die heidnisch-pantheistische Sicht gibt Platz für gottähnliche Wesen, die oft als Gegner zu besiegen sind. Als gewöhnlicher Mensch in „The Witcher 3“ ist man der Willkür der Natur- und Magiekräfte ausgeliefert.

Digitale Religionskritik

Besonders dieses Ausgeliefertsein, das Geworfensein in eine Welt der dunklen Kräfte, die keinen guten Schöpfer und Erlöser kennt, passt so gar nicht zur Frohbotschaft des Christentums. Erlösung kann man in „The Witcher 3“ nur im Kampf gegen das Chaos der Welt finden und nicht im Vertrauen auf Gott, den es dort nicht gibt. Die Fantasywelt in „The Witcher“ kennt das Christentum nicht. Aber die Architektur des Mittelalters dient als Kulisse für Religions- und Gesellschaftskritik. Dort gibt es etwas Ähnliches wie eine Kirche, die organisierte Religion nennt sich „Kult des ewigen Feuers“. Geglaubt wird an die ewige Flamme als Weg aus der Dunkelheit.

Es gibt in diesem Kult Kleriker, Orden und Tempel. Die Kleriker dieses Kultes ist oft korrupt und benutzen andere für eigene Interessen. Zauberinnen werden von „Hexenjägern“, einer Art Inquisition gejagt und auf den Marktplätzen der großen Städte verbrannt. Hier zeigen sich Projektionen der zeitgenössischen Kirchenkritik in der Bildschirmkultur. Man überträgt Gesellschafts- und Religionskritik in eine mittelalterliche Fantasywelt, mit der aber auch die Gegenwart getroffen wird.

Heidentum statt Christentum

Das Spiel ist finster, dunkel, grausam – aber auch schön. Es gibt Sonnenaufgänge, wunderschöne Landschaften und gleichzeitig Enthauptungen, gefährliche Affären, Abenteuer in verborgenen Winkeln sowie eine riesige Spielwelt. Jeder, der an Fantasywelten interessiert ist, hat in „The Witcher“ einen Spielplatz gefunden, auf dem es nie langweilig wird.

Und hier ist der Anknüpfungspunkt zum heutigen Christentum. Unter dem Druck der Moderne, der Rationalisierung und Vernaturwissenschaftlichung der Welt, verschwanden Mystik und  Zauberhaftes aus dem Glauben. Romantisches und Wundersames muss woanders gesucht werden. Das hat natürlich gute Gründe, aber übrig bleibt oft nur eine langweilige kalte Religion. In „The Witcher“ wird aufs Heidentum zurückgegriffen, um das Spiel interessant zu machen.

Die Vormoderne wird zum Abenteuer, da dort Zauber und melancholische Weltverklärung lebendig sind. Natürlich ist so ein Spiel immer auch eine Flucht in eine Scheinwelt, eine Welt, die eben gerade deshalb ihren Reiz hat, weil sie nicht real ist. Was der Erfolg dieses Spiels zeigen kann, ist, dass viele Menschen eine Sehnsucht nach Fantasy haben, nach dem Zauberhaften, nach etwas, das irgendwie überschreitend-transzendent ist. So bedient die Spieleserie die Sehnsüchte der Menschen.

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