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Die Theologie des Leibes: #2 – Der Leib

Der Begriff "Leib" ist in der „Theologie des Leibes“ (TdL) so zentral wie das Herz für den Menschen! Darum ist es wichtig zu wissen und zu erkennen, welche ganzheitliche Bedeutung der Begriff „Leib“ hat.

Bild: melancholiaphotograph / pixabay.com

1. Der Körper

Wir alle kennen die Zahlen und Fakten: die Blutwerte, die Leberwerte, das Körpergewicht, die Körpergröße  nicht zu vergessen die Körbchengröße bei Frauen ;-).  Die Werte definieren, wie wir aussehen, wie gesund und fit wir sind. Wir haben uns daran gewöhnt, mit Daten und Parametern zu arbeiten, auch mit unserem Körper. Es gibt unzählige Apps, die jede Sekunde messen, aufzeichnen und analysieren, was wir gerade tun – oder eben nicht tun. Der Körper ist zur Ware geworden. Es gibt ganze Lagerhallen voller Ersatzteile für uns! Ja, wirklich!

Ein neues Knie- oder Hüftgelenk einzusetzen ist mittlerweile eine Standard-Operation. Wissenschaft, Forschung und Medizin haben uns körperlich auf einen Level gehoben, sodass es schier nichts mehr gibt, was wir nicht machen lassen könnten. Wenn es darum geht, ein Leben zu retten, hat diese Art von „Macht“ der Ärzte sicher ihre Berechtigung. Aber sie darf nicht überschritten werden!

Der Körper, der menschliche Körper, ist von seinem Schöpfer dermaßen genial und einzigartig erdacht und erschaffen worden, sodass wir Menschen als Krönung der Schöpfung bezeichnet werden!

Warum? Tiere haben doch auch einen Körper? Sind sie nicht auch wunderbare Geschöpfe? Ja, das sind sie. Wer kennt nicht eine dieser Dokumentationen, wo in Superzeitlupe ein Kolibri im Flug zu sehen ist, ein Gepard mit 80 km/h durch die Steppe rast oder ein Wal majestätisch durch die Fluten gleitet? Man kann einfach nur staunen! Und doch fehlen diesen wunderbaren Geschöpfen noch zwei Merkmale, die uns Menschen so besonders machen.

2. Der Geist

Wieviel ist 777 mal 777? Okay, ich kann das auch nicht im Kopf rechnen, aber es gibt Menschen, die das können. Ich kann den Taschenrechner so bedienen, dass dabei 603.729 rauskommt. Haben Sie schon einmal Shakespeare oder Thomas von Aquin gelesen? Spielen Sie ein Musikinstrument oder waren Sie vielleicht schon in der Oper – okay, vielleicht bei einem Livekonzert von U2? All diese Ausdrucksformen haben eines gemeinsam: Sie entspringen geistiger Schaffenskraft!

Wir Menschen können dichten, schreiben, lesen und komponieren, ohne dabei nur einen Laut von uns zu geben bzw. irgendeine Hilfe von außen zu bekommen. Das Gehirn eröffnet uns eine neue Dimension. Kein Tier, keine Pflanze, kein Smartphone (und wenn es noch so einen double-mega-hyper-hipen Prozessor hat) und kein Computer auf der Welt kann dorthin. Ich habe es geliebt, meinen kleinen Kindern beim Malen zuzusehen. Keine noch so geniale Maschine auf der Welt könnte solche Bilder malen!

Unser Geist ist kein messbares Organ. Wenn, dann könnte man jetzt anführen, dass wir das menschliche Gehirn erforschen. Aber erstens wissen wir darüber noch sehr, sehr wenig – und zweitens ist das Gehirn „nur“ das Organ, aber nicht der Geist. Ich meine hier die geistigen Eigenschaften wie beispielsweise das Gewissen.  Wieviel wiegt Ihr Gewissen – haben Sie es schon einmal gewogen? Hat es die Gehirnforschung schon gefunden? Wir erschließen hier eine Dimension, mit der uns wir modernen Menschen anscheinend sehr schwertun. Ich wiederhole mich: Heutzutage sind wir es dermaßen gewohnt, mit Daten, Fakten und Beweisen zu argumentieren, sodass es uns richtig schwerfällt, über eine geistige Dimension zu sprechen.

Darin liegt ein großes Problem unserer Zeit! Nur noch Fakten zählen, aber die geistige Ebene – das nicht Messbare – wird belächelt und als altmodisch abgestempelt! Darum können viele Menschen mit dem Gebet nichts mehr anfangen. Was bringt es, sich an Gott zu wenden? Die transzendente Dimension unseres Geistes wurde durch einen Mix aus Wissenschaft, Psychologie, Philosophie und Forschung als „unnötig“ eingestuft und die werten Herren Freud und Nietzsche haben uns dann noch den Schlüssel für das eigene Glück und die „Erlösung“ in die Hand gegeben – DANKESCHÖN!

Ich frage mich nur, sollte die Welt dann nicht viel besser und die Menschheit viel glücklicher sein? Geht es wirklich nur um Spaß und Lustbefriedigung – und war es das? Gibt es für uns Menschen nur ein Ziel: Mit minimalstem Aufwand das Maximum an Spaß zu erreichen? Der Soziologe Philipp Rieff bringt es auf den Punkt:

„Der religiöse Mensch war dazu geboren, erlöst zu werden. Der psychologisierte Mensch ist dazu geboren, befriedigt zu werden.“

Wir Menschen haben aber so viel mehr an Würde und Potenzial bekommen. Genau darum geht es: sich nach dem göttlichen auszurichten – unser Geist befähigt uns dazu! Wir können Dinge erfassen, die jenseits von messbaren Größen liegen und nicht mit Fakten zu belegen sind! Erst durch das Einlassen auf diese Dimension kommen wir zum dritten Punkt.

3. Die Seele

Die Seele – unsere menschliche Festplatte! Hier wird alles gespeichert und gesammelt, ob wir wollen oder nicht. Sie ist von sich aus auf ihren göttlichen Ursprung ausgerichtet und daher nicht an unseren Willen geknüpft! Die Persönlichkeit kann man von ihr nicht trennen, auch wenn man das beabsichtigt: Die Einheit bleibt bestehen! In unzähligen Schlagern, Redewendungen und Gedichten kommt die Seele noch vor: Das ist Balsam auf meiner Seele … die gute Seele im Haus … Wir zwei sind ein Herz und eine Seele … usw.

Dennoch haben wir ihre Realexistenz weitgehend abgeschafft! Das ist schon wieder ein Ergebnis dieses besonderen Mix, den ich zuvor erwähnt habe. Wir haben uns in der Sprache von vielen Wörtern getrennt, die uns lästig geworden sind: die Seele, der Himmel, die Sünde, die Hölle, usw., sodass es sich für Kinder und junge Menschen sehr komisch anfühlt, wenn diese Begriffe verwendet werden. Wo sich früher noch Eltern um das Seelenheil ihrer Kinder sorgten, sind heute der Notendurchschnitt oder andere Leistungsparameter Gründe für deren Kopfzerbrechen – aber doch nicht der Konsum von Pornografie oder satanistischer Musik!

Ich meine hier nicht unbedingt eine Absicht dahinter zu erkennen, sondern vielmehr Unwissenheit und Naivität. Deshalb ist es mir so wichtig, über diese Begriffe wie Geist und Seele verständlich zu schreiben und sie zu thematisieren. Zugegeben, die in Gottes Augen so unendlich kostbare Seele mit einer Festplatte zu vergleichen, ist schon grenzwertig. Aber ich vertraue darauf, dass Sie den Sinn dahinter längst erkannt haben.

Die Einheit – der Leib

Der Leib ist die Ganzheit dieser so einzigartigen menschlichen Struktur von Körper, Geist und Seele! Er ist der ultimative Ausdruck der göttlichen Schöpfung – die Krönung! Niemand sonst auf diesem Planeten kann sich dessen rühmen! Aber verstehen wir noch die große Bedeutung, die darin enthalten ist?

Der hl. Johannes Paul II. führt es uns vor Augen:

Gott selbst bedient sich der Leiblichkeit! Wie hat er sein Volk Israel aus Ägypten herausgeführt? Durch Mose. Wie konnte er seinen eigenen Sohn in Sicherheit wissen? Durch Josef. Wie konnte er, was sein Sohn Jesus vollbrachte und lehrte, weitergeben? Durch die Apostel. Personen, die ihren LEIB – also ihre ganze Einheit – dem Ruf Gottes und der Nachfolge Jesu zur Verfügung gestellt haben, konnten Unglaubliches wie Faszinierendes bewerkstelligen! Kein Geist zog mit den Israeliten aus, kein Geist trug das Jesuskind fort, um es vor dem sicheren Tod zu bewahren! Zudem lebte der Sohn Gottes die meiste Zeit bei keinem Geist, sondern in einer Familie! Und richtig: Es waren keine Geistgestalten, die mutig und selbstlos das Evangelium in der ganzen Welt verkündeten, sondern Männer und Frauen wie Sie und ich! Doch wie schaffen wir das?

Indem wir jeden dieser drei Bestandteile unserer Leiblichkeit ganz neu auf Gott ausrichten. Erst wenn hier eine Dynamik entsteht, weil immer mehr in die eigentliche göttliche Ordnung (die es einmal gegeben hat …) zurückkommt, können wir uneingeschränkt unserer eigentlichen Berufung dienen!

 

GOTT braucht Sie – ja, genau Sie!

Sie sind so unvorstellbar kostbar und wertvoll für Gott!

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Hier gehts zu Teil 1: 

Die Theologie des Leibes Reihe: #1 – Der Horizont

 

2 Kommentare

  1. D(e)r Feingold 11. November 2018

    Der Modernist schlechthin (Redemptor hominis, Assisi ut unum sint usw) auf einen „Anti Modernistischen“ Blog
    lächerlich

  2. Jens Freiling 11. November 2018

    Genau das meine ich! Passt denn die TdL Johannes Pauls II. noch zur neuen Linie des Antimodernismus von The Cathwalk? Wer die Phänomenologie und deren Gegensatz zum Thomismus kennt und versteht, wird das verneinen. Ebensowenig antimodernistisch – vielmehr im Gegenteil äußerst modernistisch – hätte Pius X. den Personalismus Johannes Pauls II. gefunden.

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