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Die Tradition ist die Antwort auf die Generation Y

Generation Y sind alle, die in 80ern bis frühen 2000ern zur Welt kamen. Diese Generation wurde in einer Zeit groß, in der religiöse Lebensvollzüge und ideologische Kämpfe bereits passé waren. Es ist die Generation des Nachdem. Sie wurde ins Nachdem hineingeboren, nachdem als alles schon ausgekämpft und erprobt worden war. Post-ideologisch, post-religiös, post-feministisch und post-modern. Worum geht es?

„Ich weiß nicht, wen ich heirate. Ich weiß auch nicht, was ich eigentlich genau arbeiten möchte. Ich kann mir für mich alles oder nichts vorstellen, und eigentlich will ich es auch gar nicht so genau wissen. Mal will ich einen Bauernhof, mal eine Wannseevilla. Meine Berufswünsche pendeln zwischen Nobelpreisträgerin und Hausfrau und erfassen jede Nuance dazwischen.“ – Tabea Mussgnug

Pragmatismus statt Idealismus

Mussgnug schreibt das im FAZ Artikel „Das Jetzt ist eine Wartehalle“, in dem sie ihr Buch „Nächstes Semester wird alles anders“ vorstellt. „In uns paart sich Unverbindlichkeit mit Fatalismus und einem Schuss abenteuerlustigem Tanz-am-Abgrund-Gefühl. Heraus kommen dabei entweder BWL-Studenten mit 60-Stunden-Praktika oder solche wie ich“, schreibt sie weiter. Das also gilt als neue Leitwissenschaft: Betriebswirtschaftslehre. BWL ist Pragmatismus als Studium. Was zählt sind nicht Werte, nicht hohe Ideale oder Sinnfragen, sondern Zahlen. Schlichte „facts“, d. h. finanziell nutzbringende Produktionen und Ergebnisse. Es geht um Performanz. Die Leitfrage der Generation Y scheint zu lauten: „was nützt?“

Aber was, wenn man sich der finanzwirtschaftlichen Direktive nicht beugen will? Die Kunstgeschichtsstudentin Mussgnug, die sich von den BWLern abgrenzt, wird in den Amazonrezensionen ihres Buches als linker Gutmensch, der mit der Realität nicht klarkomme kritisiert oder gelobt als mutige Geisteswissenschaftlerin.

Die ihr vorgeworfene Larmoyanz muss nicht im Widerspruch zu ihren Idealen stehen. Denn es macht gerade diese Generation aus, dass sich beides nicht ausschließen muss. Dabei wird man das „Tanz-im-Abgrund-Gefühl“, nicht los, denn die Generation Y ist permanenter Desillusion ausgesetzt. Sie kann nicht mehr Halt in einem Gott finden, denn Religion gehört für sie der Vergangenheit an.

Desillusionierte Träumer und Ex-Studenten, die im Zuge der 68er- Bewegung die Welt retten wollten, sind heute mahnende Negativbeispiele, die die Kurve nicht gekriegt haben. Ansonsten sind sie zur anderen Seite übergelaufen und arbeiten fürs ehemalige „Schweinesystem“. Man tut halt, was man tun muss.

Wo sind die Visionen und Hoffnungsszenarien?

Die so genannten Befreiungsbewegungen der letzten Jahrzehnte haben vieles auff den Kopf gestellt und nichts befreit. Die sexuelle Revolution, wie die feministische Bewegung und die Gender-Ideologie brachten keinen Himmel auf Erden, aber viel kaputtes Porzellan. Nicht die Freiheit ist Gewachsen, sondern Konkurrenzkämpfe und Individualismus in einer Welt ohne Orientierung.

Die Band „Herrenmagazin“, deren Mitglieder zur Generation Y gehören, singt darüber. Das Lied „In den dunkelsten Stunden“ thematisiert den unerlöstenExistenzialismus, das Erleben einer Welt voller Widersprüche, die nie eine Antwort finden:

„Und in den dunkelsten Stunden wirft der Schatten das Licht / Löscht das Feuer die Brände / Schweigt man sich aus über Dich / Spendet Streit seinen Trost / Führt Dich der Sturm in den Hafen / In den dunkelsten Stunden schlaflos erwachen“

Wird das Leben damit im Letzten als „absurd“ gedeutet? Im Absurden gibt es aber noch eine Aufgabe. Es ist der Kampf des modernen Sisyphos. Das Streben nach Selbstbestimmung, Freiheit, Reichtum und Glück – durch eigene Leistung und Ermächtigung, in Konkurrenz gegen andere Mitbewerber. Es ist etwas, das man im Konkurrenzkampf gewinnt. Und wenn das nicht klappt oder man verliert? Auch Mussgnug stellt diese Frage:

„Wohin geht man denn dann? Wenn man wie ich keine Ahnung hat, weil man weder eine bevorstehende Hochzeit noch ein Wahnsinns-Jobangebot hat“? Eine Antwort bleibt aus und sie schließt: „wenn das Telefon klingelt, geh ich nicht ran. Die letzte Woche war voller solcher Tage.“

Es braucht wieder klare Werte und Ziele

Mussgnugs Selbstverwirklichung endet in der Resignation. Es ist eine Illusion zu glauben, jeder könne sein eigenes Glück schmieden, sich selbst erfinden und sich an die erste Stelle setzen. Ohne Ordnung, Wahrheit, Gemeinschaft und tragende Strukturen landet man im Nirgendwo.

Werte wie Familie, Heimat, Selbstlosigkeit und Hingabe wurden für eine scheinbare Selbstverwirklichung über Bord geworfen. Doch was den 68ern als Ballast galt, war und ist in Wirklichkeit die Nahrung, die jede Gesellschaft und jedes Individuum am Leben hält. Es ist also an der Zeit, wieder das zu bergen, was weggeworfen wurde: Religion, Mission und Tradition.

Ein Kommentar

  1. D(e)r Feingold 22. November 2018

    Hinter dem Artikel steht der Wunsch als Vater des Gedankens
    den die Resonanz der Generation auf das was in dem Artikel als „Tradition“ bezeichnet wird liegt hinter der Wachstumsrate der Zeugen Jehovas

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