Gaudium et Spes: „Geschrieben von Klerikern, die die Welt nicht kennen“

Gaudium et Spes: „Geschrieben von Klerikern, die die Welt nicht kennen“

„Gaudium et Spes“ – „Freude und Hoffnung über die Kirche in der Welt von heute“, ist die Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils. Was am 7. Dezember 1965 von Bischöfen über die Welt von heute veröffentlicht wurde, ist in der Welt von heute eher peinlich.

John Kardinal Heenan, Erzbischof von Westminster, hat das gleich erkannt. Deswegen stellte er der Konstitution ein hartes Urteil aus: „written by clerics with no knowledge of the world“ – geschrieben von Klerikern, die die Welt nicht kennen.

Was Kardinal Heenan sah, war, dass Gaudium et Spes ein unwissendes Schwärmen über die Welt verkündet. Das folgt wohl vor allem daraus, dass zu viele Geistliche zu viel Zeit in der Sakristei verbracht haben – und zu wenig Zeit in der Welt. Die Welt wird naiv verklärt, während die Erlösung Christi zu wenig Raum erhält.

Die „Welt“ kommt nahezu 150-mal vor, Erlösung hingegen wird nur 10-mal thematisiert. Im 21. Jahrhundert ist es nur schwer vorstellbar, aber in den 60ern glaubte man an Fortschritt und Modernisierung. Man glaubte tatsächlich an ein zweites Pfingsten, an ein Aufblühen der Kirche – wenn man die Zügel lockere. Verkündet wurde Fortschrittsgläubigkeit, gekommen ist der größte Niedergang.

Wenn man Gaudium et Spes als Gegen-Syllabus lesen will, wie es das Time Magazine seinerzeit tat, als „mutiges Schema“, das die Kirche mit der modernen Welt versöhne, dann hat niemand mehr verloren als die Apologeten der Versöhnung und niemand mehr gewonnen als die Propheten des Antimodernismus. Die These, dass die moderne Welt die Kirche prinzipiell ablehne und lehramtliche Zugeständnisse nur in der Selbstzerstörung enden würden, hat sich voll bewahrheitet.

Niemand hat sich bekehrt, weil die Kirche Zugeständnisse gemacht hat. Im Gegenteil. Man hat die verwirrt, die da waren und sich bei denen lächerlich gemacht, die die noch nicht kamen. Man überzeugt niemanden, indem man seine Prinzipien aufweicht. Strenge ist ein Zeichen von Liebe, Liberalismus von Gleichgültigkeit. Egal, ob man glaubt oder nicht, jeder weiß: die Kirche muss für Gott stehen, nicht für weltliche Schwärmerei. Und Gott zu verkünden ist der größte Dienst, den die Kirche der Welt leisten kann.

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