Glaube und Moderne: Die Suche nach der Orientierung

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Bild: pexels – pixabay.com
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Heute hat sich bei vielen die Vorstellung etabliert, dass der Glaube nicht vollständig vertreten und verteidigt werden soll. Vielmehr solle man in einen „Dialogprozess“ eintreten und auch vom Unglauben lernen.

Der Dialogprozess ist aber insofern ein unnützes Unterfangen, als man Widersprüche und Gegensätze nicht durch einen Dialog vereinen kann. Gegensätze kann man nur aushalten, ertragen, also „tolerieren“. Und es ist wohl niemals überzeugend, wenn man seine eigenen Prinzipien aufgibt, um anderen zu gefallen.

Es kann der Kirche am Ende des Tages nicht um Dialog gehen, sondern um Mission. Es geht um die Rettung der Seelen, nicht um den Austausch von Meinungen.

Jede Zeit hat ihre neuen und eigenen Herausforderungen, die es zu missionarisch zu meistern gilt. Unsere Zeit, das 21. Jahrhundert bietet eine Fülle an Entfaltungsmöglichkeiten, die von traditionellen und echten Normen abweichen – in Bereichen der Sexualität, Familie, Lebensführung, Identität usw. – aber dennoch gesellschaftlich vollkommen akzeptiert werden. Das ist so, weil sich die abweichenden Positionen auf eine neue „Säkular-Religion“ berufen können,  die so genannte „Autonomie“ oder „Selbstverwirklichung“.

Hier wird die Kirche niemals mit „Dialog“ etwas erreichen, sondern nur mit der Mission durch die Gegenposition: Hingabe statt Egomane.

Die zeitgenössische Selbstverwirklichung ist eine Ideologie, in der die Erfüllung der eigenen Träume und Sehnsüchte gleichsam zum göttlichen Gebot wird. Hier verbittet sich der postmodern Denkende einen Verweis auf Gott, Kirche und Familie, weil damit äußere Größen ins Spiel kommen. Diese sind für einen Postmodernen aber ein unberechtigter, weil äußerer Eingriff gegen die eigene Entfaltung und das eigene Glück. Die letzte Richtschnur ist man selbst.

Der Glaube argumentiert zwar damit, dass seine Lehren letztlich die einzigen sind, die zum Heil führen, können aber nicht überzeugen, wenn sie nur als bloße Überzeugungen in den Raum geworfen werden.

Dann bleiben die Argumentationen des Glaubens Thesen, die nach der Geschichte fragen.

Glaube braucht Orientierung

Es ist daher für den Glauben unverzichtbar, dass seine Wirkung erfahren wird und eine kulturelle Einbettung stattfindet. Glaube braucht Gestalt und Geschichte, Liturgien, Feste und Traditionen. Die katholische Kirche hat das mit der dezidierten Betonung der Tradition immer klar gemacht. Glaube ist kein abstraktes Konstrukt abwegiger Menschen, sondern ein lebendiges Vertrauen in die Größe Gottes. Die Tradition als lebendiger Organismus gibt dem Glauben die notwendige kulturell-historische Einbettung.

Die Tradition trägt den Glauben und der Glaube trägt die Tradition. Was in der Tradition vorhanden ist, ist eine Theologie, die den Glauben vernünftig macht, die ihn einbettet in einen Lebensweg. Die Tradition hat jene Metaphysik und Frömmigkeit vorzuweisen, die ein intellektuell vertretbarer Glaube braucht.

Die Tradition hat die Heiligen der Jahrhunderte vorzuweisen, sie hat Glaubensvorbilder für die Ewigkeit, Weisheit und Sinn für alle Zeit.

Und das ist genau das Problem der modernen Theologie. Sie ist in vielerlei Hinsicht mangelhaft. Ihr fehlt dieser Reichtum. Sie beruht nicht auf jahrhundertealten Erfolgskonzepten, sondern auf Wunschvorstellungen oder sensiblen Träumen.

Glaube muss aber philosophisch, theologisch und biblisch verantwortbar sein, man muss sich getragen und gehalten wissen. Und dieses Kritierium wird nicht durch die Larmoyanz von Gefühlstheologen oder durch „gendersensiblen“ Wahnsinn erfüllt – sondern von Thomas von Aquin und der Tradition.

Glaube und Theologie sind empfindliche Bereiche und nicht beliebig änderbar. Sie stürzen ins bodenlose, wenn ihre tragenden Säulen wegbrechen. Brechen die Säulen, bleibt vom Glauben nicht viel mehr als eine gutgemeinte Aufheiterung für Zukurzgekommene.

Glaube will aber nicht Gefühl für sich selbst sein, sondern Vertrauen auf den Gott, der Grund und Ziel alles menschlichen Lebens ist. Es ist aber nur dann vernünftig an Gott zu glauben, wenn es ihn auch gibt. Um das klar zu haben, brauchen wir eine Orientierung. Und die Kirche hat klargemacht, was die Orientierung ist: Schrift und Tradition.

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