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Außerordentlich schön: Eine Betrachtung zur Alten Messe

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Von Thorsten Paprotny

Am 19. Februar 2019 besuchte der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer die hannoversche Hauptkirche von Hannover. Die St. Clemens-Basilika diente an diesem Abend als eine Art „Mehrzweckraum“ – für die Veranstaltungsreihe: Gläubige und Interessierte fragen, der Bischof antwortet. Das Thema des Abends lautete: „Wie können wir heute das Evangelium bezeugen?“ Wir denken an: Neuevangelisierung, ein wichtiges Thema … und einige denken möglicherweise auch an die Antwort der heiligen Mutter Teresa auf die Frage eines Journalisten: „Was muss sich als Erstes an der Kirche ändern?“ – „Sie und ich!“

Graue kirchenkritische Nostalgiker

Wer wissen möchte, worüber in Hannover und in anderen Kirchen des Bistums diskutiert wurde, kann das nachlesen. Lokal aktive Gruppen wie „Wir sind Kirche e. V.“ zeigten Präsenz und wurden in ihrem Engagement bestärkt. Das Durchschnittsalter der Besucher in der Basilika lag an diesem Abend geschätzt bei circa 65 bis 70 Jahren oder darüber – und die im Internet zugänglichen Bildergalerien bestätigen das.

Als Leser dieser Beiträge, einfach nur römisch-katholisch, denke ich: Das war eine vorzügliche Veranstaltung, perfekt inszeniert, ein Festival für kirchenkritische Nostalgiker. Oder ein wichtiges Ereignis für den modernen, aufgeklärten Christenmenschen von heute? Oder bin ich von gestern? Möglicherweise ist das so, denn ich möchte noch immer in einer katholischen Kirche beten und nicht diskutieren. Manchmal sitze ich auch nur ratlos und schweigend vor dem Tabernakel. Es geht um den Dialog in der Kirche, ja, aber es geht doch eigentlich nur um den Dialog mit Gott, oder? Das katholische Gotteshaus ist kein profaner Ort. Das ewige Licht vor dem Tabernakel flackert auch nicht aus Gründen der ästhetischen Illumination und Dekoration. Vor den Altar gehört meiner unmaßgeblichen Meinung nach auch nicht ein portabler Stehtisch für Debatten, sondern eine Kniebank für alle, die noch immer kniend den Leib Christi empfangen möchten.

Erstaunlicherweise werden Nostalgiker eher in den heiligen Messen vermutet, die in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus gefeiert werden, Katholiken also, die irgendwie „von gestern“ oder „vorgestern“ zu sein scheinen. Das Ordinarium der heiligen Messe wird auf Latein gesungen – und nicht nur das: Die Schola in Hannover etwa gibt sich nicht nur Mühe, die Mitglieder singen den gregorianischen Choral vorzüglich und geistlich wahrhaft erhebend. Ein ehemaliger Kollege sagte zu mir, als ich davon berichtete: „So eine Männerschola muss sich schon gut anhören.“ Ich hatte die Freude, ihn korrigieren zu dürfen: Die Schola besteht ausschließlich aus Damen. „Ach – ist das in der tridentinischen Messe denn erlaubt? Eine Schola – und mit Frauen? Ich wusste ja gar nicht, dass erlaubt ist.“

Die nächsten Fragen schließen sich in Gesprächen wie diesen meist trotzdem an: Das Durchschnittsalter in einer solchen Messe liegt sicherlich bei achtzig Jahren oder deutlich darüber, oder? Und: Dauert die Messe nicht auch deutlich länger als normal? Muss man nicht ständig knien? Wird das Ordinarium der heiligen Messe nicht auf Latein gebetet? Oder gesungen?

Alte Messe – nur was für Ewiggestrige und Fundamentalisten?

Ich fasse zusammen: „Das interessiert doch sicher nur Gläubige, die von gestern, vorgestern und nicht ganz auf der Höhe der Zeit sind.“ Es mag schon sein, dass viele Gläubige, gleich welchen Alters, fundamentalistisch gesinnt sind, aber nur in einem, im besten Sinne: Sie stehen radikal zum Credo der Kirche, und sie glaubten etwa auch, dass Gott gesprochen hat durch die Propheten des Alten Testaments – nicht durch Häretiker, Apostaten oder Schismatiker oder durch die verkannten Propheten der Neuzeit.

Meinungen, dass die Gläubigen, die der „forma extraordinaria“ sich von innen her verbunden wissen, Nostalgiker sind, halten sich hartnäckig. Und wissen Sie was? Das macht eigentlich gar nichts, denn die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Irren ist menschlich und auch verfassungsrechtlich erlaubt. Zulässig ist natürlich, manchmal sogar geboten, Irrtümer zu korrigieren. Bedauerlich ist zudem: Noch immer bitten vielerorts Gläubige vergeblich darum, dass heilige Messen in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus gefeiert werden können. Warum das so ist? Ich weiß es nicht, und ich werde das auch nie begreifen können. Faktisch wird so die in der Liturgie wirkende Kraft der Neuevangelisierung eingeschränkt. Warum nur? Dankenswerterweise – und der Verband „Pro Missa Tridentina“ berichtet regelmäßig darüber – steigt die Zahl der Messorte kontinuierlich an. Der Zuspruch wächst – und nicht deswegen, weil immer mehr hochbetagte Katholiken spontan entdecken würden, dass sie im Grunde ihres Herzens doch liturgische Nostalgiker sind.

Deswegen sei noch einmal an die Basilika St. Clemens in Hannover erinnert. Wenige Tage nach der Dialogveranstaltung vom 19. Februar 2019 wurde in der Kirche eine heilige Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus gefeiert, nämlich an dem kommenden Sonntag – so wie an jedem Sonntag im Kirchenjahr.

Wer wirklich die Alte Messe besucht

Ich bin von Haus aus zwar kein Mathematiker, aber auch nicht blind: Das Durchschnittsalter in der sehr gut besuchten Messe, etwa 120 Gläubige, die am Nachmittag um 15.30 h die Messe besuchten, betrug am 24. Februar 2019 meiner Schätzung nach etwa 45 Jahre.

Wurden so viele junge Nostalgiker von der heiligen Messe angelockt? Junggebliebene Vorgestrige? In Hannover wie andernorts in Deutschland sehen wir vielleicht doch die ersten Ansätze einer Neuen Liturgischen Bewegung, natürlich auch – viele junge Gesichter. Warum das so ist? Die Ernsthaftigkeit der Liturgie ist spürbar. Niemand muss fürchten, dass demnächst ein liturgisch gemeinter Tanz um den Altar stattfindet oder dass eine engagierte Bastelgruppe zu einer Aktion einlädt. Die heilige Liturgie ist eine Feier, kein Event.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. sagte in der heiligen Messe zur Amtseinführung in der Homilie: „Die Kirche lebt. Und die Kirche ist jung. Sie trägt die Zukunft der Welt in sich und zeigt daher auch jedem einzelnen den Weg in die Zukunft. Die Kirche lebt – wir sehen es, und wir spüren die Freude, die der Auferstandene den Seinen verheißen hat. Die Kirche lebt – sie lebt, weil Christus lebt, weil er wirklich auferstanden ist.“

Ja, die Kirche ist jung – und wenn Sie das sehen, spüren und erfahren möchten, dann treten Sie doch einfach hinzu, anders gesagt: Kommt und seht, habt keine Angst! Die heilige Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus ist einfach außerordentlich schön und ganz und gar: römisch-katholisch. Und so ist es würdig und recht.

5 Kommentare

  1. Ich wünsche den Besuchern der Alten Messe von ganzem Herzen, daß sie Christum begegnen.
    Das ästhetisch Schöne sollte nebensächlich sein.

  2. Naja: ob Gott an der liturgischen Pracht auch Gefallen hat?
    Immerhin offenbarte er sich uns durch Jesus Christus in Armut.

  3. @ Melani

    Ja wollen sie denn, dass Pfarrer (und gar Freuen!) im schwarzen Talar und in deutscher Sprache das Wort Gottes verkündigen? Haben Sie denn kein Gefühl für die Schönheit des alt-messlichen Drumherum und für die lateinische Sprache?

  4. Bei der Diskussion geht es um zwei Dinge: Erstens darum, ob die sog. „Alte Messe“ „schön“ ist. Die Betreiber dieses Blogs gehen davon aus. Nun ist Schönheit etwas sehr Subjektives. Nach meiner Erfahrung löst die sog.“Alte Messe“ bei den meisten heutigen Menschen eher Befremden und Abwehrhaltung aus. Die zweite Frage ist ob ein „schöner“ Gottesdienst auch gleichzeitig „richtig“ ist. Es gibt bei den Propheten im AT durchaus drastische Kritik an „schönen“ Tempelgottesdiensten, bei gleichzeitigem unsozialen Verhalten der Menschen, mal neuzeitlich ausgedrückt. Die Gottesdienste der ersten Christengemeinden waren nicht nur äußerst schlicht, sondern sehr turbulent. Paulus forderte deshalb aber nicht „Schönheit“, sondern gesittetes Verhalten, so z.B. nicht angesäuselt erscheinen, sich beim Agapemahl nicht aufs Essen zu stürzen, nicht durcheinander zu reden, sondern sich mit den verschiedenen Beiträgen an eine Reihenfolge zu halten … Mit der sog. „Alten Messe“ hatte dies damals herzlich wenig zu tun. Aber die Gläubigen dieser „unschönen“ Feiern waren vielfach zum Martyrium bereit. Ebenso haben wir Berichte von Menschen, meist Intellektuelle aus dem Kulturbereich, die von der „Alten Messe“ rein ästhetisch angetan waren, ohne deshalb im mindesten gläubig zu sein. Und selbst wenn man die „Alte Messe“ für schön und richtig hält, so ist zu fragen, ob nicht andere Formen, sogar ganz andere, auf ihre Art genauso „schön“ und richtig sein können. Ich habe kein Problem mit Menschen, für die die „Alte Messe“, warum auch immer, erste Wahl ist. Nur, warum muss dann alles andere in derart gehässiger, oft auch unwissender Weise heruntergemacht werden? Christlicher Geist ist das m.E. nicht.

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