Josef: Eine Geschichte über Liebe, Hass, Sklaverei, Macht und Vergebung

Josef: Eine Geschichte über Liebe, Hass, Sklaverei, Macht und Vergebung

„Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt“ (Gen. 45,4) – der verworfene Sohn, der verkaufte Sklave, wird Stellvertreter des Pharao und rettet das Volk Israel. Keine Prüfung ist zu hart, kein Leid zu groß, wenn Gott mit einem ist: Seine Brüder hatten Böses im Sinn, Gott aber hatte Gutes im Sinn und wandelte das Böse zur Rettung seiner Familie: „Gott aber hat mich vor euch hergeschickt, um euch im Land einen Rest zu erhalten und euch für eine große Rettungstat am Leben zu lassen“ (Genesis 45,7).

Die Josefsgeschichte ist die letzte große Erzählung im Buch Genesis. Mit ihr enden die Vätergeschichten und viele Generationen nach seinem Tod beginnt der Exodus: der Auszug aus Ägypten.

Mathematikprofessor John C. Lennox hat ein Buch über die Josefsgeschichte geschrieben, in dem er der alttestamentlichen Heilsgeschichte nachgeht: im Kontext des Buches Genesis und in der theologischen Deutung der Geschichte.

Josefs Vater ist Jakob, der nach dem Kampf mit einem mysteriösen Mann am Jabbok humpelt und von nun an Israel – Gottesstreiter – heißt. Jakob bekommt zwölf Söhne und wird der Stammvater des Gottesvolkes Israel.

Aber Jakob beraubte seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht. Kein Vergehen bleibt ungesühnt. Als er die schöne Rachel heiraten will, muss er zuerst ihre ältere Schwester Lea ehelichen, die als unattraktiv beschrieben wird. Erst nach sieben Jahren bekommt er Rachel zur Frau, die ihm Josef und Benjamin gebiert.

Josef ist der Lieblingssohn Jakobs, ein Träumer und Schönling. Weil sein Vater ihn mehr liebt und er besser gekleidet ist, zieht er den Hass und Neid seiner Brüder auf sich. Sie entscheiden, ihren Bruder zu töten. Doch die Intervention seines Bruders Ruben verhinderte es: „Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da in der Steppe, aber legt nicht Hand an ihn! Das sagte er, um ihn aus ihrer Hand zu retten und zu seinem Vater zurückzubringen“ (Genesis 37, 22).

So wird Josef als Sklave nach Ägypten verkauft. Er verliert nicht seinen Glauben und sein Vertrauen auf Gott. Josef ist gerecht und gottesfürchtig. Seine Gabe Träume zu deuten und sein Organisationstalent bringen ihn in die höchsten Positionen. Selbst als er ungerecht im Gefängnis landet, gibt er die Hoffnung nicht auf, denn er weiß: Gott ist mit ihm und Gott hat einen Plan.

Als die Zeit gekommen war, deutet Josef den Traum des Pharao richtig. Er wird damit betraut die Kornkammern Ägyptens zu verwalten und Stellvertreter des Pharao. Dann bricht eine Hungersnot aus, die seine Brüder in Israel trifft.

Sie ziehen nach Ägypten hinab und bitten um Nahrung. Sie verneigen sich vor Josef und erkennen ihn nicht. Josef aber erkennt seine Brüder und es beginnt der Prozess der Versöhnung. Versöhnung ist kein einfacher Prozess. Sie gelingt nicht einfach so, sie gelingt nie ohne Umkehr und Reue und sie bedarf eines Opfers.

Josef will wissen, ob seine Brüder bereuen, ob sie umgekehrt sind, ob er sich ihnen wieder als ihr Bruder offenbaren kann. Er muss sie testen und bis ans Äußerste gehen. Er will keine Rache, er braucht Gewissheit. Alle seine Brüder kommen – bis auf Benjamin. Sein jüngster Bruder ist beim Vater geblieben. An Benjamin wird sich zeigen, ob das Herz seiner Brüder geläutert wurde.

Josef verdächtigt seine Brüder der Spionage und sie landen im Gefängnis – ungerecht eingekehrt, wie einst Josef und ungewiss, wie es weitergeht, warten sie im Dunkeln. Dann lässt er sie frei, bis auf Simeon. Erst wenn die neun Brüder mit Benjamin zurückkehren, kommt er auch frei. Es ist ein Test: Kann Josef seinen Brüder vergeben? Sind sie umgekehrt?

Es bricht ein Streit aus. Sie wollen nicht Benjamin verlieren, Ruben sieht die ganze Situation als Strafe: „Sie sagten zueinander: Ach ja, wir sind an unserem Bruder schuldig geworden. Wir haben zugesehen, wie er sich um sein Leben ängstigte. Als er uns um Erbarmen anflehte, haben wir nicht auf ihn gehört. Darum ist nun diese Angst über uns gekommen. Ruben entgegnete ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Versündigt euch nicht an dem Kind! Ihr aber habt nicht gehört. Seht, nun wird sein Blut von uns gefordert. Sie aber wussten nicht, dass Josef zuhörte, denn zwischen ihnen vermittelte ein Dolmetscher. Er wandte sich von ihnen ab und weinte (Genesis 42).

Josefs Brüder kommen mit Benjamin zurück und er schickt seine Brüder mit Getreide heim, doch in Benjamins Sack lässt Josef einen Silberbecher verstecken. Als die Säcke geprüft werden, wird Benjamin des Diebstahls beschuldigt und Josef droht, ihn zu versklaven. Wie reagieren seine Brüder?

„Da trat Juda an (Josef) heran und sagte: Bitte, mein Herr, darf dein Knecht etwas zu meinem Herrn sagen? Dein Zorn entbrenne deswegen nicht gegen deinen Knecht; denn du bist wie der Pharao … dein Knecht hat sich für den Knaben beim Vater mit den Worten verbürgt: Wenn ich ihn nicht zu dir zurückbringe, will ich alle Tage bei meinem Vater in Schuld stehen. Darum soll jetzt dein Knecht anstelle des Knaben dableiben als Sklave für meinen Herrn; der Knabe aber soll mit seinen Brüdern hinaufziehen dürfen. Denn wie könnte ich zu meinem Vater hinaufziehen, ohne dass der Knabe bei mir wäre? Ich könnte das Unglück nicht mit ansehen, das dann meinen Vater träfe“ (Genesis 44).

Da erkannte Josef, dass seine Brüder umgekehrt waren. Sie waren bereit, ihr Leben für seinen Bruder zu geben, anstatt das Leben ihres Bruder zu geben.“ Josef vermochte nicht mehr an sich zu halten vor allen, die um ihn standen, und rief: Schafft mir alle Leute hinaus! So stand niemand bei ihm, als er sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Er begann so laut zu weinen, dass es die Ägypter hörten; auch am Hof des Pharao hörte man davon. Josef sagte zu seinen Brüdern: Ich bin Josef. Ist mein Vater noch am Leben? Seine Brüder waren nicht fähig, ihm zu antworten, weil sie fassungslos vor ihm standen. Josef sagte zu seinen Brüdern: Kommt doch näher zu mir her! Als sie näher herangetreten waren, sagte er: Ich bin Josef, euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt. Jetzt aber schmerze es euch nicht und es brenne nicht in euren Augen, weil ihr mich hierher verkauft habt. Denn um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch hergeschickt … Josef küsste dann weinend alle seine Brüder“ (Genesis 45).

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