Mit sich selbst gerecht, statt selbstgerecht (Tugendserie 2/7)

Mit sich selbst gerecht, statt selbstgerecht (Tugendserie 2/7)

Gerechtigkeit beginnt nicht beim Einsatz für die Entrechteten, sondern sie beginnt bei einem selber, auf dass es erst gar keine Entrechteten gibt. Für andere die Stimme zu erheben kann edel sein, kann aber auch leicht in übereifriger Bevormundung enden. Das gerechte Urteil mit sich selbst hingegen fällt da wesentlich schwerer…

Regensburg, 22. April 2016. In den Abendstunden stürmt ein junger Mann vermummt und mit einer Pistole bewaffnet in eine Tankstelle. Er schreit die Angestellte hinter der Kasse an und fordert Bargeld. Der Überfall gelang und der Täter konnte mit der ausgehändigten Beute in dreistelliger Höhe fliehen. Umfangreiche und sofort eingeleitete Fahndungsmaßnahmen blieben damals ohne Ergebnis.

Fast drei Jahre später klingelt es bei der örtlichen Polizeidirektion an der Türe. Ein 19-jähriger Mann aus Regensburg erzählt den verdutzten Beamten, dass er die Tankstelle damals überfallen hätte. Auf die Frage hin, wieso er sich nun nach so langer Zeit melden würde, antwortete er, dass er seine damalige Drogensucht zwischenzeitlich überwunden und zum christlichen Glauben gefunden hätte. In seiner Aussage gab er zu Protokoll, dass die Schusswaffe, die er beim Überfall mitgeführt hatte, nicht scharf gewesen sei. Er wird sich zwar in einem Strafverfahren verantworten müssen, wurde aber vorerst auf Anordnung der Staatsanwaltschaft entlassen …

Ein Tankstellenüberfall ist zwar keine Tugend, aber so viel Gerechtigkeit mit sich selber (nicht zu verwechseln mit Selbstgerechtigkeit) ist eine! Oder wie es in einer Predigt von Pater Leppich einmal heißt: „Es ist ein Adel um einen Mann, der noch büßen kann.“

St. Stephani Verlags GmbH

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