KulturKardinale Tapferkeit gegen rote „Friedenspriester“ (Tugendserie 3/7)

Kardinale Tapferkeit gegen rote „Friedenspriester“ (Tugendserie 3/7)

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Kardinale Tapferkeit gegen rote „Friedenspriester“ (Tugendserie 3/7)

Zwei Dinge lösen beim klischeehaften Wohlstandsdeutschen maximales Unbehagen aus: Ein nicht akkurat gemähter Rasen und jemand, der es wagt, das „böse“ Wort von der Tapferkeit in den Mund zu nehmen. Aber die nachfolgende Geschichte spielt nicht in Deutschland und auch nicht in Österreich, sondern die Donau noch ein Stück weiter runter, nämlich in Ungarn 1956…

Schon fast eine halbe Generation lang befand sich das kleine Land bereits im brutalem Würgegriff seiner sowjetischen Geißelnehmer, die nicht nur Staat, Wirtschaft und Militär kontrollierten sowie zahllose Verbrechen an der Zivilbevölkerung verübten, sondern auch zunehmend versuchten, den großen ideologischen Hauptfeind –die katholische Kirche – mit Agenten zu infiltrieren. Geschehen sollte dies nach tschechoslowakischem Vorbild durch sogenannte „Friedenspriester“, was in Wirklichkeit nur ein Deckname für kommunistische Kollaborateure im Klerikergewand war.

Erklärte Aufgabe dieser Marionetten sollte es sein, eine Zersplitterung der ungarischen Katholiken sowie das Zurückdrängen und schlussendliche Auslöschen der regimekritischen Volksfrömmigkeit zu erreichen. Besonders maliziös war hierbei aber nicht nur der unschuldig klingende Name der „Friedenspriester“, sondern auch das penetrante Bemühen dieser Agenten das Evangelium Jesu Christi mit der Unheilsbotschaft des Sowjet-Kommunismus auf Biegen und Brechen in Einklang zu bringen. In der Quersumme also ein osteuropäischer Verschnitt der ebenfalls staatsgelenkten „Deutschen Christen“.

Als Ende Oktober 1956 nun eine friedliche Studentendemonstration in Budapest von der Besatzungsmacht blutig niedergeschlagen wurde, entwickelte sich ein ausgewachsener Volksaufstand gegen die stalinistische Diktatur. Im Zuge dieses Freiheitskampfes gelang es nicht nur die Rote Armee aus der Hauptstadt tatsächlich zurückzudrängen, sondern es wurde auch das Oberhaupt der ungarischen Katholiken – Kardinal József Mindszenty – aus dem Gefängnis befreit. Dieser war wegen seines unbeugsamen Engagements beim katholischen Widerstand in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am Tag nach seiner Befreiung wurde er in einem Triumphzug in die nun ebenfalls befreite Hauptstadt gebracht, wo er kurze Zeit später zusammen mit anderen glaubensfesten Bischöfen die sofortige Ablösung der sogenannten „Friedenspriester“ beschloss.

Darüber hinaus sprach er in einer Rundfunkrede aus, was ohnehin die Mehrheit dachte, nämlich dass der Aufstand nicht aus Hass oder Vergeltungssucht geführt wird, sondern sich auf das Recht beruft, dass ein freies Volk ein freies Leben führen darf. Und an die Machthaber in Moskau gerichtet, erklärte er versöhnlich: „Sind die Führer des russischen Reiches noch nicht auf den Gedanken gekommen, dass wir das russische Volk weit mehr achten würden, wenn es uns nicht unterjochte?“.

Elf Tage lang konnte das kleine Land an der Donau seine selbst erkämpfte Freiheit behalten,ehe die Rote Armee in einer äußerst blutigen Großoffensive Budapest zurückeroberte. Was blieb ist nicht nur ein nationaler Mythos, auf den die Ungarn bis heute so stolz sind wie die Tiroler auf Andreas Hofer, sondern auch das Gedenken an einen unbeugsamen Kardinal, den Papst Franziskus erst kürzlich den „heroischen Tugendgrad“ an Tapferkeit und Mut attestiert hat.

Filmtipp: Eine besonders eindrucksvolle Umsetzung der Thematik rund um die Ereignisse von 1956 ist übrigens der „Berlinale“-Spielfilm namens „Children Of Glory“ aus dem Jahre 2006, der auf Deutsch unter anderem hier noch erhältlich ist:

St. Stephani-Verlag

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