„Je suis l’Immaculée Conception“ – Lourdes und das Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens

„Je suis l’Immaculée Conception“ – Lourdes und das Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens

Am 8. Dezember ist das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“. Die Makellosigkeit Marias ist seit Jahrhunderten Teil der Tradition. Dogmatisch verkündet und definiert wurde es am 8. Dezember 1854 von Pius IX.: „Die Lehre, daß die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis auf Grund einer besonderen Gnade und Auszeichnung von seiten des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der ganzen Menschheit, von jeder Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muß deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden. Wenn also jemand, was Gott verhüten wolle, anders, als von Uns entschieden ist, im Herzen zu denken wagt, der soll wissen und wohI bedenken, daß er sich selbst das Urteil gesprochen hat, daß er im Glauben Schiffbruch erlitten hat und von der Einheit der Kirche abgefallen ist“ (Bulle Ineffabilis Deus).

Unbefleckte Empfängnis von Peter Paul Rubens im Museo del Prado

Es ist von Gott offenbart, dass Maria wurde ohne Sünde empfangen wurde (unbefleckte Empfängnis). Sie hatte eine besondere Gnade, die keinem anderen Menschen zuteil wurde und wurde so zur Mutter unseres Erlösers und Heilands, zur Muttergottes. Insgesamt gibt es vier Mariendogmen, die jeder Katholik glauben muss, weil sie von Gott offenbart sind:

Sie ist die Muttergottes (Konzil von Ephesus 431), die immerwährende Jungfrau (diverse Lehrentscheidungen, explizit auf dem Zweiten Konzil von Konstantinopel 553 erwähnt), die ohne Erbsünde Empfangene (Pius IX., Bulle Ineffabilis Deus 1854), die „mit Leib und Seele zur himmlischen Glorie aufgenommen wurde“ (Pius XII., Apostolische Konstitution Munificentissimus Deus 1950).

Außerdem trägt Maria zahlreiche Titel wie Regina coeli – Königin des Himmels. Erst in jüngster Zeit hat der heilige Papst Paul VI. 1964 für Maria in den Anrufungen der Lauretanischen Litanei an zweiter Stelle nach Mutter Christi den Titel Mater Ecclesiae – Mutter der Kirche hinzugefügt.

Unsere Liebe Frau von Lourdes

Die Marienerscheinungen in Lourdes gehen zurück auf das Jahr 1858. An diesem Tag war etwas anders im Leben von Bernadette Soubirous. Es geschah am 11. Februar 1858. Bernadette war damals 24 Jahre alt und ging Holz sammeln. Plötzlich schien die Zeit stillzustehen, denn die Bäume bewegten sich nicht mehr im Wind. Dann schaute sie zur Höhle und sah die Erscheinung einer schönen Frau.

Als Bernadette anderen von der Erscheinung berichtete, wurde ihr nicht geglaubt. Im Gegenteil, sie wurde für verrückt erklärt. Auch der Pfarrer glaube ihr nicht. Bei der dritten Erscheinung, am 25. März 1858, fragte Bernadette die Erscheinung nach ihrem Namen und sie antwortete im örtlichen Dialekt: „Que soy era Immaculada Councepciou“ (auf Französisch: „Je suis l’Immaculée Conception“) – Ich bin die unbefleckte Empfängnis. Es fällt auf, dass Maria nicht gesagt hat, sie sei die Jungfrau, die ohne Erbsünde empfangen wurde. Stattdessen personifiziert sie ein Dogma, sie antwortet als Dogma.

Der Kirchenhistoriker Joseph Wittig deutete das wie folgt: „Sie antwortete nicht mit einem geschichtlichen Namen, sondern mit einem dogmengeschichtlichen Begriff […] eine sichtbar gewordene Idee, eine Lehre, ein mariologisches Dogma in der liebenswürdigen Gestalt einer schönen Frau. Daß sie als solches reden, den Aufsprung einer Quelle voraussagen oder veranlassen und mit diesem Quellwasser Tausende von wunderbaren Heilungen vollbringen konnte, spricht nicht dagegen; wir müssen unsere Vorstellungen von kirchlichen Dogmen revidieren. Es sind keine Paragraphen, sondern lebendige Geistwesen.“ (Wittig, Roman mit Gott).

Vier Jahre zuvor hatte Pius IX. das Dogma verkündet. Wusste Bernadette von dem Dogma? Das kann man nahezu sicher ausschließen. Daher ist diese Privatoffenbarung an sie umso erstaunlicher. Die Erscheinungen werden Bernadette für immer prägen. Sie wurde dafür ausgelacht, angefeindet und bedroht, aber nichts war für sie realer und schöner als die Erscheinung der Frau an der Grotte, für die sie alles gab und kein Opfer scheute.

In Lourdes kam es zu Heilungswundern, an Blinden, Gelähmten und vielen weiteren Kranken. Ebenfalls gab es immer mehr Prozessionen zur Grotte.

Bernadette wurde auserwählt. Nicht, um in dieser Welt alt zu werden oder es leicht zu haben. Sie hatte Knochentuberkulose und litt im Kloster große Schmerzen. Einige Mitschwestern glaubten nicht, dass sie die Muttergottes gesehen habe und hielten sie für eine Wichtigtuerin. Bernadette opferte ihre tödliche Krankheit und den Neid ihrer Mitschwestern auf. Weil sie begnadet war, blieb sie auch in ihren Schmerzen heiter und froh.

Die Nonne aus Lourdes starb jung. Sie war erst 35 und lag schon in Agonie. Franz Werfel gibt dem Sterben Bernadettes eine angemessene Dramaturgie: Dechant Peyramale war in ihren letzten Stunden bei ihr im Kloster. Bernadette bestätigte noch einmal, dass sie Maria wirklich gesehen habe: „Monsieur le Curé, ich habe Sie nicht angelogen … Ich habe sie gesehen. Ja, ich habe sie gesehen …“ Bernadette starb im Beisein ihrer Mitschwestern. Ihre letzten Worte waren ein sanftes „J’aime … Ich liebe!“ Danach flüsterte Peyramale leise: „Dein Leben beginnt, o Bernadette.“ Pius XI. sprach Bernadette 1925 selig und 1933 heilig.

In Fatima hat die Muttergottes uns ein Versprechen gegeben, dass uns durch alles tragen kann: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren!“

Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes in der Grotte von Massabielle bei Lourdes

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