Warum Universitäten heute mehr schaden als nützen

Warum Universitäten heute mehr schaden als nützen

In einem Gespräch mit Dennis Prager spricht Jordan B. Peterson, Professor an der University of Toronto, über den gegenwärtigen Zustand der Universitäten.

Wenn man die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) beiseite nehme, schadeten Universitäten heute mehr als dass sie nützen. Die postmoderne kollektivistische Doktrin sei so toxisch, dass Universitäten mehr schadeten als nützten. Die Debatte, die heute am Campus geführt werde, gehe nicht um Redefreiheit, darum wer reden soll und wer nicht. Die Debatte am Campus gehe darum, ob ein Mensch überhaupt die Fähigkeit habe, vernunftbegabt als Individuum zu kommunizieren oder nicht. Aber die Antwort der postmodernen Kollektivsten sei: „Es gibt kein Individuum.“

Heute werde ein philosophischer oder theologischer Krieg am Campus geführt. Dieser reiche viel tiefer, als wir alle glauben würden: „Die ganze Vorstellung der Realität des Individuums, was auch die Vorstellung ist, dass der Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist, das wird angegriffen. Wenn man nicht an die Souveränität des Individuums glaubt, gibt es keine freie Rede. Alles was du bist, ist ein Avatar deiner Gruppen-Interessen. Und wenn ich nicht in deiner Gruppe bin, ist es nicht in meinem Interesse, dass du sprichst. Es gibt nichts, dass wir uns zu sagen hätten. Es gibt dann nichts als Macht. Es ist ein hobbesianischer Albtraum. Gruppe gegen Gruppe. Das ist die postmoderne Lehre.“

Dies sei ein Angriff auf die fundamentalsten Prinzipien, von denen der Westen regiert werde. Darum konzentriere Peterson sich auch auf religiöse Themen in seinen Vorlesungen, denn das Argument gehe den ganzen Weg hinunter bis zu den ersten Prinzipien: „Ist die Vorstellung der Souveränität des Individuums korrekt? Die Antwort des Westens ist, und das ist die große Entdeckung des Westens: das ist die fundamentalste Wahrheit. Das ist genau das, was in den Universitäten angegriffen wird. Darum hassen mich die Kollektivisten … Ich weiß, was sie vorhaben.“ Die postmodernen Ideologen würden nicht die Verantwortung schultern wollen, ein souveränes Individuum zu sein. Die Schuld müsse woanders liegen. Dabei sei eine Wahrheit des Westens ganz einfach: „die Dinge wären viel besser, wenn du viel besser wärst.“

Was an den Universitäten beginnt, überträgt sich bald auf die gesamte Gesellschaft. Die größte Tragik dabei ist, dass der aktuelle Zustand ein komplettes Kontrastprogramm zu dem darstellt, wozu Universitäten eigentlich gedacht sind: als höchste Bildungsstätten unserer Kultur. Die Bildung von Universitäten kann einen mächtiger machen, als alles andere. Besonders die Geiteswissenschaften waren so gedacht. In den Worten Petersons: „Lerne zu denken, lerne zu sprechen, lerne zu lesen, es macht dich zu einer Supermacht.“

2 KOMMENTARE

  1. So sehe ich das auch!
    Überdies wird der Einfluß der (Jung)Akademiker auch oft überschätzt.
    Im Berufsleben zeigt sich vieles (wenn nicht das Meiste) ziemlich anders.

  2. Ganz so pessimistisch sehe ich die Lage an den Hochschulen nicht.
    Auch ist darauf zu vertrauen, daß Gott jedem Menschen (und den Studierenden zumal) Einsicht in die Einmaligkeit ihrer Person gewährt.
    Kollektivistische Grüppchen manchen zwar auf jedem Campus viel von sich reden — und das ist wohl nichts Neues.
    Indessen, sie sind eindeutig eine Minderheit.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

NEUESTE ARTIKEL

„Macht, was ihr wollt, ich bleibe katholisch“

Von Thorsten Paprotny „Macht, was ihr wollt, ich bleibe katholisch“ – diesen Ausspruch eines...

Wir brauchen die volle Dosis, um katholisch zu bleiben

Latein, Weihrauch, Opfergeist, Klartext. Die Sprache des Kreuzes und die Frömmigkeit der Heiligen. Das ist es, was...

Herr, bleibe bei uns: Kardinal Sarah über das Vertrauen auf die Vorsehung Gottes

Teil 4 von 4 „Nichts soll dich ängstigen. Sei immer froh!“, sagte Don Bosco...

Herr, bleibe bei uns: Kardinal Sarah über die Krise des Priestertums

Teil 3 von 4 Priester sind notwendig. Während Soldaten ihr Leben geben, damit...

Tagespost veröffentlicht Benedikts Beitrag im neuen Buch von Kardinal Sarah

Die Tagespost hat Benedikts Beitrag über das katholische Priestertum aus dem neuen Buch von Kardinal Sarah („Aus...

Ein Philosoph der Schönheit: Zum Tod von Roger Scruton

Roger Scruton ist tot. Am 12. Januar 2020 erlag der britische Philosoph seinem Krebsleiden. Er war...

Meist gelesen

- Advertisement -

Auch interessantÄHNLICHE ARTIKEL
für dich