MEHR Gehässigkeit wagen

MEHR Gehässigkeit wagen

Von Harald Stollmeier

„Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott“, sagt Edith Stein. Umgekehrt muss jeder, der Gott sucht, darauf bestehen, dass es eine objektive Wahrheit gibt. Wer sie gefunden hat, den schmerzt das Verharren anderer Menschen im Irrtum, und er hat den Wunsch, die Irrenden von ihrem Irrtum abzubringen. Christen sind dazu sogar verpflichtet: Wir haben einen Missionsauftrag. Aber wie führen wir ihn aus?

Heldenhaft handelt, wer Christus vor Nichtchristen bezeugt, besonders wenn und wo diese am längeren Hebel sitzen. Wer im Machtbereich von Islamisten oder auch in Nordkorea den dreifaltigen Gott bekennt, der ist ein Vorbild, auch wenn ihm das Martyrium erspart bleibt.

Wem es zu den Heiden zu weit ist, der kann immer noch schlechte Christen zu besseren machen. Das ist mühsam, weil den schlechten Christen oft gar nicht klar ist, wie es um sie steht. Viele von ihnen halten sich bereits für recht ordentliche, wenn nicht gar für gute Christen. Dabei sind die meisten von ihnen bestenfalls Katholiken. Oder Evangelikale, laue Landeskirchler, orthodoxe Schismatiker und fanatische Pfingstler. Die Wahrheit ist nur eine, die Irrtümer sind Legion.

Will man nun Menschen retten, die einem dieser Irrtümer anhängen, bietet sich die öffentliche Beschimpfung an. Das konkrete Medium ist egal – allein der Inhalt zählt. Die Vorwürfe dürfen frei erfunden sein, Hauptsache, man wirft genug Dreck, denn dann bleibt auch etwas hängen: „Aliquid haeret“ – Häretiker, daher kommt das.

Ob diese Häretiker nun die Evangelikalen sind, denen wir Donald Trump verdanken, oder die Pfingstler, wegen denen der Amazonas brennt, oder gerade wieder Johannes Hartl, der auf seiner gut besuchten #MEHR2020 ein Wohlfühlchristentum predigt oder, schlimmer, schlecht gekleidet ist: Wenn wir sie nur tüchtig verleumden, dann werden sie erstens ihren Irrtum erkennen und zweitens unsere Liebe. Lasst uns also danken dem Herrn: dafür, dass wir nicht wie jene sind.

Und für alle Fälle: Wer die drei vorausgegangenen Absätze wörtlich nimmt, der hätte sie nicht zu lesen brauchen. Der wusste das alles schon.

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Anmerkung der Redaktion: Vorausgegangen ist dem Artikel von Harald Stollmeier ein Re-Post auf Facebook, der zur Eröffnung der MEHR-Konferenz 2019 erneut geteilt wurde:

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