CREDO! Eine außersynodale geistliche Betrachtung

CREDO! Eine außersynodale geistliche Betrachtung

Von Thorsten Paprotny

Viele Katholiken verfolgten die ersten Etappen des „Synodalen Weges“ in Frankfurt. Einige fühlten sich in ihren Befürchtungen bestätigt, andere in ihren Erwartungen bestärkt. Der Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße distanzierte sich öffentlich von der geltenden Morallehre der Kirche. Einige Bischöfe stellten den Zölibat zur Diskussion und Disposition. Die Synodalversammlung applaudierte begeistert, nicht einhellig, aber mehrheitlich. Gewiss ist: Mehrheit schafft keine Wahrheit. Auch die Heiligen waren nie mit dem Zeitgeist im Bund, sondern mit Gott. Ich frage mich in Anbetracht so vieler synodaler Statements und der medialen Resonanz in den letzten Tagen: Müssen wir das verstehen? Wollen wir das verstehen? Können wir das verstehen? Ich weiß nicht, wie es Ihnen damit geht – aber ich verstehe es nicht. Und was denken Sie darüber? Wir haben wahrscheinlich etwas gemeinsam. Fragen Sie übrigens mal Suchende, Agnostiker oder Andersgläubige: Die meisten von ihnen verstehen das nämlich auch nicht.

In Gedanken kehre ich zurück zum 25. April 2005. Rom leuchtete. Die ersten Tage des Pontifikats von Benedikt XVI. waren ein Frühling für die Kirche. In der nicht besonders schönen vatikanischen Audienzhalle begrüßte der Papst einen Tag nach der heiligen Messe zur Amtseinführung die Pilger aus Deutschland. Benedikt sagte:

„Die Kirche ist gar nicht alt und unbeweglich. Nein, sie ist jung. … Es ist gar nicht wahr, daß die Jugend vor allem an Konsum und an Genuß denkt. Es ist nicht wahr, daß sie materialistisch und egoistisch ist. Das Gegenteil ist wahr: Die Jugend will das Große. Sie will, daß dem Unrecht Einhalt geboten ist. Sie will, daß die Ungleichheit überwunden und allen ihr Anteil an den Gütern der Welt wird. Sie will, daß die Unterdrückten ihre Freiheit erhalten. Sie will das Große. Sie will das Gute. Und deswegen ist die Jugend – seid Ihr – auch wieder ganz offen für Christus. Christus hat uns nicht das bequeme Leben versprochen. Wer Bequemlichkeit will, der ist bei ihm allerdings an der falschen Adresse. Aber er zeigt uns den Weg zum Großen, zum Guten, zum richtigen Menschenleben. Wenn er vom Kreuz spricht, das wir auf uns nehmen sollen, ist es nicht Lust an der Quälerei oder kleinlicher Moralismus. Es ist der Impuls der Liebe, die aufbricht aus sich selbst heraus, die nicht umschaut nach sich selber, sondern den Menschen öffnet für den Dienst an der Wahrheit, an der Gerechtigkeit, am Guten. Christus zeigt uns Gott und damit die wahre Größe des Menschen. … Gehen wir miteinander, halten wir zusammen. Ich vertraue auf Eure Hilfe. … Halten wir zusammen, dann finden wir den rechten Weg. Und bitten wir Maria, die Mutter des Herrn, daß sie uns ihre frauliche und mütterliche Güte spüren läßt, in der uns erst die ganze Tiefe des Geheimnisses Christi aufgehen kann.“

Nichts mehr wünsche ich mir, als ein treues Glied der Kirche des Herrn zu sein. Für nichts mehr bin ich dankbar als für die Gemeinschaft im Gebet, für die Verbundenheit mit den Schwestern und Brüdern im Glauben, mit der Familie Gottes gestern, heute und morgen – in der Kirche, die alle Zeiten und Orte umschließt. Nichts ist schöner für uns Bettler vor Gott, als an den Sakramenten der Kirche teilhaben zu dürfen.

Ich denke an Augenblicke im Hohen Dom zu Regensburg, in den Morgenstunden oder am späten Abend, wenn ich allein oder mit nur wenigen Betern dort verweilen durfte – zu Hause in Seiner Kirche, vor dem Allerheiligsten. Manchmal sind unsere Gebete vor dem Tabernakel nicht mehr als ein Tasten, Stammeln oder Stottern. Vielleicht genügt auch das. Es gibt viel zu beten in Zeiten wie diesen. Noch einmal sei Benedikt zitiert:

„Gehen wir miteinander, halten wir zusammen. … Halten wir zusammen, dann finden wir den rechten Weg. Und bitten wir Maria, die Mutter des Herrn, daß sie uns ihre frauliche und mütterliche Güte spüren läßt, in der uns erst die ganze Tiefe des Geheimnisses Christi aufgehen kann.“

Darum bleiben wir beim Herrn und Seiner Kirche. Ein besonderer Moment der Freude und auch ein Zeichen der Erlösung in der heiligen Messe, der mich von innen her aufatmen lässt, ist für mich: das CREDO. Wir singen und beten: CREDO IN UNUM DEUM … In Dankbarkeit dürfen wir unser ganzes Leben hindurch immer tiefer in die Frohe Botschaft und in das Geheimnis der Kirche Jesu Christi hineinwachsen. Unser Pilgerweg führt oft durch unwegsames Gelände. Wir erleben das in diesen Zeiten der Konfusion. Die Sorgen sind berechtigt, die Ängste verständlich. Doch Gott ist immer größer. Solange wir beim Herrn bleiben, führt dieser Weg eines Tages für immer nach Hause – CREDO!

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