Katholisch sein! Verbindliche Lehre statt unverbindlicher Meinung

Katholisch sein! Verbindliche Lehre statt unverbindlicher Meinung

Von Thorsten Paprotny

In den letzten Wochen und Monaten ist oft Diskussionsbedarf über das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ des heiligen Johannes Pauls II. angemeldet worden. Auf dem „Synodalen Weg“ wird auch weiter darüber debattiert, unter Gelehrten natürlich auch. Bunte Themen, bunte Thesen, allseits bekannt. Protestgruppen bestehen und machen mobil.

Keine Überraschung: Auch Papst Franziskus hat die verbindlich gültige Lehre der Kirche in seinem nunmehr publizierten Nachsynodalen Apostolischen Schreiben „Querida Amazonia“ hinsichtlich des Weiheamtes erwartungsgemäß bestätigt. Weder wünscht er die Aufhebung des Zölibats noch wirbt er für die Weihe von Diakoninnen oder gar Priesterinnen im Amazonas-Gebiet. Stattdessen wünscht sich Franziskus ein missionarisches Zeugnis der Laien. Der Papst tritt ein für den Glauben an Gott und Seine Kirche. Zugleich warnt er energisch – wie so oft – vor der Versuchung der Klerikalisierung der Laien.

Warum sollte er auch etwas anderes sagen? Weil viele Medien das erwarten? Weil einzelne Bischöfe sich aufgeschlossen für die klassischen Themen und Thesen der etablierten Kirchenkritiker zeigen? Weil irgendwelche Meinungsumfragen irgendwelche tatsächlichen oder vermeintlichen Mehrheiten abbilden?

Jeder Mensch kann zur Lehre der Kirche eine Meinung haben und diese frei äußern, aber die Lehre der Kirche ist für römisch-katholische Christen keine Meinung. Es ist möglich, das Credo der Kirche zu sprechen oder nicht. Man kann Dogmen ignorieren oder ablehnen. Man kann die Lehre der Kirche ablehnen. Man kann auch vom Glauben abfallen. Deswegen beten wir für jene, die sich von Gott und Seiner Kirche abwenden. Darum beten wir für die Einheit der Christen. Die Pforten der Kirche sind offen: Man kann hinein und hinaus gehen. Man kann sich umschauen. Man darf auch bleiben. Neue Formen des Unglaubens sind keine neuen Formen des Anonymen-Christ-Seins heute. Wir glauben auch nicht an den Zweifel, sondern an Gott. Das Credo der Kirche ist Bekenntnis, nicht Meinung.

Eigentlich ist das alles ganz einfach. Die Wahrheit des Glaubens ist deswegen anstößig, weil sie Wahrheit und nicht Meinung ist. Und die Lehre der Kirche ist verbindlich und nicht befristet gültig. Der heilige Johannes Paul II. schreibt: „Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenen Orts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu. Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), daß die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und daß sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

Der Papst bekundete hier nicht seine persönliche Meinung. Auch schrieb er nicht: Andere Päpste oder Bischöfe können irgendwann etwas anderes entscheiden, wenn sie eine andere Meinung haben sollten. Johannes Paul II. vertrat also nicht eine subjektive, unverbindliche Ansicht, sondern bekräftigte und verkündete die verbindlich gültige Lehre der Kirche. Er betonte zugleich: „Das Neue Testament und die ganze Kirchengeschichte erweisen umfassend die Präsenz von Frauen in der Kirche, als wahre Jüngerinnen und Zeugen Christi in der Familie und im bürgerlichen Beruf oder in der vollkommenen Weihe an den Dienst für Gott und das Evangelium. … Auf der anderen Seite ist die hierarchische Struktur der Kirche vollkommen auf die Heiligkeit der Gläubigen ausgerichtet. Daher ruft die Erklärung Inter Insigniores in Erinnerung, »das einzige höhere Charisma, das sehnlichst erstrebt werden darf und soll, ist die Liebe (vgl. 1 Kor 12-13). Die Größten im Himmelreich sind nicht die Amtsträger, sondern die Heiligen«.“

Wer anderer Meinung ist, möge sich an Gottlieb Söhngen, den Doktorvater Joseph Ratzingers erinnern. Dieser wandte sich 1949 leidenschaftlich gegen die Möglichkeit des Dogmas von leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel. Der protestantische Theologe Edmund Schlink fragte, ob er – wenn das Dogma doch komme – dann nicht aus der römisch-katholischen Kirche austreten müsse. Joseph Ratzinger zitiert in seinen Lebenserinnerungen Söhngens fulminante Erwiderung: „Wenn das Dogma kommt, dann werde ich mich daran erinnern, daß die Kirche weiser ist als ich, und ihr mehr vertrauen als meiner eigenen Gelehrtheit“ (In: Joseph Ratzinger, Aus meinem Leben. Erinnerungen, Stuttgart 1998, 66).

Wäre die römisch-katholische Kirche nicht klüger und weiser als jeder Einzelne von uns, wäre die Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte nicht einfach wahr und einfach richtig, dann wäre diese völlig egal. Und wenn Christus nicht von den Toten auferstanden wäre, dann wäre unser Glaube sinnlos. Wenn das Sakrament des Altares nur ein symbolischer Glückskeks und nicht der Leib Christi wäre, dann wären wir närrisch und töricht. Wenn das Credo der Kirche nicht ein Bekenntnis zur Wahrheit des Glaubens wäre, dann wäre es auch vollkommen unverständlich und geradezu absurd, wenn Suchende anklopften oder Andersgläubige sagten: „Ich glaube an den dreieinigen Gott und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Und darum möchte ich endlich katholisch sein und nicht diskutieren, sondern einfach nur konvertieren.“

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