Fremdwort Gott?

Fremdwort Gott?

Von Thorsten Paprotny

Die Sorge vor dem Klimawandel füllt die Medien und mit den „Friday for Future“-Protesten die Straßen vieler Städte. Ich erinnere mich, wie im vergangenen Jahr am Karfreitag in Münster junge Menschen auf dem Prinzipalmarkt ihren Unmut über Politik und Wirtschaft artikulierten. Nun wächst die Angst vor einer viralen Gefahr namens „Corona“, die in China ihren Ursprung nahm und – wenig überraschend in Zeiten der Globalisierung – auch das alte Europa heimzusuchen beginnt. 

Wer über die „Zeichen der Zeit“ heute nachsinnen möchte, könnte sehen, dass eigentlich nicht die scheinbar so vordringlich genannten gesellschaftlichen Themen – wie etwa die Anpassung der kirchlichen Sexualmoral an das Phantom der sogenannten „Lebenswirklichkeit“ – die Menschen dieser Zeit zu bewegen scheinen, sondern die nackte Angst um die Existenz. Not lehrt beten. Auch heute. Oder nicht?

Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer hat in seinem Hirtenwort zur österlichen Bußzeit erneut auf die Verdunstung des Glaubens hingewiesen. Er insistiert leidenschaftlich darauf, Papst Franziskus‘ Aufruf zur Neuevangelisierung beherrschen. So eindringlich wie realistisch stellt er fest: „Gott ist für viele ein Fremdwort geworden.“

Fremdwort Gott? Der Eindruck drängt sich auf, oft bis weit in die Kirche hinein. Von so vielem ist die Rede, aber von Gott? Wir, die Kirche, also Sie und ich, haben eine Botschaft, die wir verkünden und bezeugen können. Tun wir das wirklich? Oder streben wir nach Aufgaben, Ämtern und Vorrechten? Bischof Voderholzer sagt weiter: „Weitergabe des Glaubens geschieht durch das persönliche Zeugnis. … Wem bin ich Vorbild im Glauben? Spielt mein Glaube, mein Gebetsleben, mein soziales Engagement eine Rolle? Bin ich mir bewusst, dass etwa mein sonntäglicher Kirchgang auch für andere eine Bedeutung hat; dass auch dieses Zeugnis wahrgenommen wird?“

Wenn Gott zum Fremdwort geworden ist, dann ist das Gebet des heiligen Franz von Sales, das mir in den Sinn kommt, höchst unzeitgemäß und vielleicht genauso nötig: „O Gott, Du bist mein Gott, der Gott meines Herzens, der Gott meines Geistes, der Gott meiner Seele! Ich bete Dich an, ich liebe Dich, ich will Dich anbeten und lieben in alle Ewigkeit. Es lebe Jesus! Amen.“

Zugegeben, jeder hat sein Charisma und seine Begabungen. Jeder drückt seine Leidenschaft für Gott auf eine ganz eigene Weise aus. Aber ausgedrückt werden sollte die Freude an Gott und am Glauben schon. Wenn Sie nicht die Gabe dieses Heiligen haben, bedenken Sie vielleicht eines: Das Credo der Kirche genügt auch. Auf dem Glauben ruht das Leben, sagte der selige Adolph Kolping. Gott ist für uns kein Fremdwort, sondern das Fundament unseres Lebens. Der Apostel Paulus schreibt im Römerbrief: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.“ Wenn uns das gegenwärtig bleibt, kann uns Gott nicht zum Fremdwort werden.

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