Jerusalem: Das Herz des Abendlandes

Jerusalem: Das Herz des Abendlandes

„Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem, dann soll meine rechte Hand mich vergessen. Die Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich deiner nicht mehr gedenke, wenn ich Jerusalem nicht mehr erhebe zum Gipfel meiner Freude“, heißt es in Psalm 137. Jerusalem, das ist nicht bloß eine Stadt im Morgenland. Es ist die Stadt schlechthin. Die Stadt Gottes. Könige und Propheten haben über sie gesprochen. Christus ist dort eingezogen und verurteilt worden, gekreuzigt und auferstanden.

Heute scheint das alles so weit weg zu sein. Emmanuel Carrère spürt die Fremde des Glaubens. In seinem Roman „Das Reich Gottes“ fragt er mit Nietzsche: „wie schauerlich weht uns dies Alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit, an! Sollte man glauben, dass so Etwas noch geglaubt wird?“

Ja!, es wird noch geglaubt. Und von unserer Kultur wäre nichts mehr übrig, würde man Jerusalem wegnehmen. Wir hatten nach dem Zweiten Weltkrieg die Grausamkeit des Heidentums im Rechtssystem und Verhalten weitgehend überwunden, weil wir Christus wieder angenommen haben. Erst in jüngster Vergangenheit haben wir einen Rückschritt erlitten, indem das Unrecht der Abtreibung und Euthanasie ins Recht einzog.

Der Todeskult unserer Tage ist ein Traditionsbruch. Er steht im krassen Gegensatz zu dem, was Jerusalem uns hinterlassen hat: Die Gottesebenbildlichkeit des Menschen und die unantastbare Menschenwürde. Durch diese beiden biblischen Traditionen hat das Individuum einen unschätzbaren Wert erhalten. Das erst hat die moderne Demokratie ermöglicht. Sie ist etwas ganz anderes als die Polis-Demokratie im Alten Griechenland. Wichtig für den Bestand der modernen Demokratie ist, dass die Menschenrechte auf dem Naturrecht ruhen.

Also:ohne Jerusalem keine moderne Demokratie und keine Europäische Union. Wer das nicht glaubt, kann beim Gründungsvater Europas, Robert Schuman, Nachhilfe nehmen:

„Die Demokratie verdankt ihr Bestehen dem Christentum. Sie entstand an dem Tage, wo der Mensch dazu berufen wurde, in seinem irdischen Leben die Würde der Persönlichkeit durch individuelle Freiheit, die Achtung der Rechte jedes einzelnen und die Ausübung der Bruderliebe gegen alle zu verwirklichen. Vor Christus waren solche Ideen noch niemals formuliert worden. Somit ist die Demokratie durch die Doktrin und chronologisch an das Christentum gebunden.“

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