Die Würde der heiligen Messe ist unantastbar

Die Würde der heiligen Messe ist unantastbar

Von Thorsten Paprotny

Das gläubige Volk reagiert gemischt auf die öffentliche Bekanntmachung der diözesanen Schutzkonzepte. Eine gute Bekannte, eine einfach gläubige Frau aus dem Allgäu, bemerkte dazu – mit Blick auf die regional gebotene Mund-Nase-Atemschutzmaske –, die heilige Messe sei doch „koan Maskenball“. Ob die Aussicht auf ein mögliches Verhüllungsgebot ein Beweggrund für das Bistum Magdeburg war, weiterhin auf die öffentliche Feier von Gottesdiensten zu verzichten?

Im ganzen Land – und weit über Deutschland hinaus – ist die Spendung der Mundkommunion untersagt. Auch wenn einige Diözesen ihre Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte für die Feier von Gottesdiensten publizieren werden, ist – auch mit Blick auf die am 24. April veröffentlichten Empfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz – davon begründet auszugehen. Die zugehörigen Bestimmungen aller Bistümer finden sich gesammelt im Internet. Anwesenheitslisten sollen mancherorts geführt werden, über Anmeldeverfahren zu den Gottesdiensten wird nachgedacht. Einige Bistümer weisen explizit darauf hin, dass die Distanz- und Abstandsgebote auch in den heiligen Messen von den Zelebranten benannt werden sollen. Ausformulierte Vorschläge dafür gibt es nicht.

In vielen Diözesen wird der Volksgesang „bis auf Weiteres“, wie es fast immer heißt, ausbleiben. Kehrverse bei Psalmen und diskrete Halleluja-Rufe sind in einigen Bistümern gestattet. Mögliche Bodenmarkierungen für den Kommuniongang kennen wir bereits aus Supermärkten. Nicht überall wird eine Pflicht für die Mund-Nase-Atemschutzmaske im Kirchraum bestehen. Das Bistum Passau weist in spezifischen Anweisungen in einigen Punkten ausdrücklich auf Aspekte hin, die nicht unwichtig sind: „Da der Leib Christi in Form von Hostien in den Tabernakeln der Kirchen über einen längeren Zeitraum aufbewahrt wurde, ist darauf zu achten, ob die Materie für die Spendung der Kommunion noch zulässig ist. Sollte dies nicht der Fall sein, müssen diese Hostien aufgelöst und würdig bestattet werden (z. B. im Priestergrab).“

Nicht nur der „Alten Messe“ verbundene Gläubige werden zudem vielerorts wahrnehmen, dass das Ordinarium sehr wahrscheinlich gesprochen wird. Nur zu Hochfesten dürfen in den meisten Bistümern „Einzelstimmen“ singen – wie dies zu Ostern etwa auch in den Kathedralkirchen praktiziert wurde. Das Bistum Passau etwa bildet eine Ausnahme: „Auf Chorgesang wird verzichtet. Scholagesang, Solisten und kleine Ensembles ohne Blasinstrumente sind möglich. Vokal- und Instrumentalchöre kommen nicht zum Einsatz.“ Grundsätzlich heißt es zudem: „Nach Wochen, in denen wir mit zum Teil drastischen Maßnahmen für das öffentliche Leben den Umgang mit dem Covid-19 Virus gelernt haben, wissen wir, dass das Corona-Virus zu unserer Wirklichkeit gehört und also auch unser pastorales und liturgisches Tun auf diese neue Wirklichkeit eingestellt und angepasst werden muss.“

Das ist eine ebenso nüchterne wie realistische Beschreibung der Situation, mit der wir konfrontiert sind. Darüber hinaus wird gesagt, man fahre „auf Sicht“. Weitere Anpassungen seien möglich: „Grundsätzlich hat sich gezeigt, dass es keine Zeit »nach Corona« in dem Sinne geben wird, dass alles wieder so sein wird wie »vor Corona« – es wird aber hoffentlich bald eine Zeit mit einem Impfstoff und wirksamen Medikamenten gegen das Virus geben.“

Viele gläubige Katholiken werden in der kommenden Zeit ganz neue liturgische Erfahrungen sammeln. Vielleicht haben auch einigen von Ihnen bereits nachdenklich, staunend und auch gelegentlich ratlos die Schutz- und Hygienekonzepte studiert. In „Sacrosanctum concilium“, der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die heilige Liturgie, lesen wir, dass „die Liturgie der Höhepunkt ist, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt“: „ … wenn der Bund Gottes mit den Menschen in der Feier der Eucharistie neu bekräftigt wird, werden die Gläubigen von der drängenden Liebe Christi angezogen und entzündet.

Aus der Liturgie, besonders aus der Eucharistie, fließt uns wie aus einer Quelle die Gnade zu; in höchstem Maß werden in Christus die Heiligung der Menschen und die Verherrlichung Gottes verwirklicht, auf die alles Tun der Kirche als auf sein Ziel hinstrebt.“ Diese Worte der Konzilsväter gelten heute nicht weniger als zu allen Zeiten der Kirche. Unbedingt lesenswert ist ein Interview mit Kardinal Robert Sarah hierzu. Wie werden wir in diesen Tagen die heilige Messe würdig feiern können? Mich bewegt diese Frage sehr.    

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