Vigano klagt Konzil an – wird der Erzbischof jetzt Piusbruder?

Vigano klagt Konzil an – wird der Erzbischof jetzt Piusbruder?

„J’accuse le concile!“ – Ich klage das Konzil an, tönte Erzbischof Marcel Lefebvre 1976. Sein Vorwurf: Das Konzil habe Grundlehren der katholischen Kirche nicht bloß aufgeweicht oder abgeschwächt. Viel Schlimmer! Es habe unentschuldbare Traditionsbrüche begangen und nicht ewige Wahrheiten verändert. Als No-Gos gelten die Erklärung über die Religionsfreiheit (Dignitatis humanae), die Erklärung über den Ökumenismus (Unitatis Redintegratio), die Veränderung der Ekklesiologie (Lumen gentium) und anderes mehr.

Als Paul VI. im Zuge des Konzils die Gebete änderte und 1969/70 die Neue Messe einführte war alles aus. Lefebvre gründete die Piusbruderschaft – auf Bitten von traditionstreuen Seminaristen. Spätestens jetzt war für Lefebvre klar: das Konzil hat Christus entthront und eine neue Religion geschaffen. Die Konzilsopposition begann öffentlich und polemisch zu werden.

Hochaltäre landeten auf dem Sperrmüll, Tabernakel wurden aus dem Zentrum verbannt, das Altarssakrament wurde nicht mehr kniend per Mundkommunion empfangen, sondern einfach auf die Hand gelegt. Statt Opferung sprach man von „Gabenbereitung“.

Doch Lefebvre blieb eine Stimme, die in der Einsamkeit von Écône rief: „Rettet die Tradition.“ Kein Bischof folgte ihm, kein Kardinal lobte ihn. Er war der einzige aus den Reihen der Bischöfe, der diesen Weg ging (sieht man von den Weihen 1988 unter der Beteiligung von Antônio de Castro Mayer ab).

Der Brief Viganos

Bis zum Jahre 2020 möchte man meinen, in dem ein neuer Paukenschlag die katholische Welt aus den Angeln hebt. Seit Vigano 2018 im Versteck lebt, setzt er wie ein Prophet of Doom immer neue Shock-News in die Welt. Die neusten stehen in Viganos Brief vom 9. Juni 2020 und haben es in sich. Es geht um nicht weniger als um die Identität, den Kern, die Zukunft und das Wesen der katholischen Kirche.

Viganos These: Das Zweite Vatikanische Konzil sei nicht katholisch gewesen. Es habe den Glauben zerstört. Es gebe keine Hermeneutik der Kontinuität. Wer die katholische Kirche retten wolle, müsse das Konzil zurücknehmen. Alle himmelschreienden Gotteslästerungen der vergangen Jahrzehnte innerhalb der Kirche gingen nämlich auf das Konzil zurück. Es sei ein perfider Plan gewesen, um die Kirche Jesu Christi zu zerstören. Es sei auch das einzige Konzil, das sich auf einen „Geist des Konzils“ berufe.

Was Vigano schreibt ist schockierend und entsetzlich für alle, die ans Konzil glauben und gleichzeitig ist es eine Bestätigung für alle, die immer abgelehnt haben.

Erzbischof Vigano schreibt, es sei erstaunlich, dass man die Ursachen der gegenwärtigen Krise nicht ergründen wolle, sondern sich darauf beschränke, die gegenwärtigen Auswüchse zu beklagen, als wären sie nicht die Folge eines Plans, der vor Jahrzehnten in die Wege geleitet worden wäre.

Wenn Pachamama in einer Kirche angebetet werden konnte, verdankten wir das Dignitatis Humanae. Wenn wir eine Liturgie hätten, die protestantisiert und zuweilen sogar heidnisch sei, dann verdankten wir das der revolutionären Aktion von Msgr. Annibale Bugnini und den nachkonziliaren Reformen.

Wenn die Erklärung von Abu Dhabi unterzeichnet wurde, seien wir das Nostra Aetate schuldig … Dank der Synodalität sähen wir uns mit Amoris Laetitia vor die Aufgabe gestellt, einen Weg zu finden, um zu verhindern, was für alle offensichtlich gewesen sei: dass dieses Dokument, das von einer beeindruckenden Organisationsmaschinerie vorbereitet wurde, die Gemeinschaft für Geschiedene und Zusammenlebende legitimieren sollte, so wie Querida Amazonien zur Legitimierung von Priesterinnen und zur Abschaffung des heiligen Zölibats genutzt werden solle.

Weiterhin sei unbestreitbar, dass trotz aller Bemühungen die Hermeneutik der Kontinuität bei der ersten Konfrontation mit der Realität elendig Schiffbruch erlitten habe. Unbestreitbar sei, dass ab dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Parallelkirche gebaut worden sei, die der wahren Kirche Christi überlagert und diametral entgegengesetzt sei.

Auf 1Peter5 kann man den kompletten Brief nachlesen (auf Englisch):

In der Kirche herrscht Krieg. Es ist nun etwas in Rollen gekommen, womit wohl niemand gerechnet hat. Die Kirche steht vor der größten Glaubens-Herausforderung in ihrer jüngeren oder gesamten Geschichte. Auf der einen Seite stehen die Traditionalisten, auf der anderen Seite der synodale Weg und die große Masse irgendwo dazwischen. Gott helfe uns.

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