Die Austrittszahlen sind nicht hoch, sie sind niedrig

Die Austrittszahlen sind nicht hoch, sie sind niedrig

Ich verstehe es nicht. Jedes Jahr heißt es immer, es seien wieder so viele Menschen aus der Kirche ausgetreten … „Nein!“, kann ich da nur voller Unglaube sagen und ergänzen: „Es sind wenige Menschen ausgetreten!“ Wer ernsthaft glaubt 270.000 Kirchenaustritte wären viel, hat anscheinend keine Ahnung vom tatsächlichen Zustand der Kirche und des Glaubens in Deutschland.

In Wirklichkeit sind schon längst über 90% aller Katholiken aus der Kirche ausgetreten, aber aus irgendeinem Grund zahlen sie immer noch Kirchensteuer. Woher ich das weiß? Ganz einfach: Fragt doch mal, wer an die Auferstehung Christi glaubt, an seine Gegenwart im Altarssakrament („Was ist das Altarssakrament“) an Beichte, Himmel, Hölle, Engel und Fegefeuer, Priestertum, die Unauflöslichkeit der Ehe und und und.

Die Kirche in Deutschland ist längst am Ende und lebt nur noch als Denkmal vergangener Zeiten. Diaspora ist überall. Nur ganz wenige sind noch in der Kirche – im theologischen Sinn. Man muss sie mit der Lupe suchen. Wie sagte einst der heilige Augustinus: „Viele, die drin sind, sind draußen.“ Die jungen Katholiken haben das längst verstanden. Sie wissen: sie sind Exoten, Avantgarde, anything but the normal ones.

Die jungen Katholiken wissen auch: der Glaube lebt nicht als Mr. Nice Guy, als Anbeiderei und Anpassung, sondern als starkes Te Deum laudamus in einer gefallenen Welt, die Christus mehr braucht als jemals zuvor. Und sie erfahren auch, dass Glaube, Hoffnung und Liebe wachsen, wenn man sich der Schönheit des traditionellen katholischen Glaubens ganz ergibt.

Wenn ein toter deutscher Kirchenbaum auch umfällt, seine Wurzeln ragen in die Ewigkeit. Das Alte und Morsche bricht zusammen, was bleibt ist unvergänglich, die una sancta catholica et apostolica ecclesia – mit Alter Messe und Tradition. Aus dieser Kirche will man nicht austreten.

9 Kommentare

  1. @Paul

    Zu Erwiderung 1) Nein, wir lehren, dass man durch die Annahme seines Kreuzes ins Himmelreich gelangt. Wer „besser, angenehmer, günstiger, freudiger“ durch das Leben in der Welt kommen möchte, kann sich ja einen der zahlreichen Ratgeber in einem Buchladen kaufen – ob man so jedoch durch das Nadelöhr kommt.

    Meine Feststellung ist außerdem vor allem eine Feststellung eines wohlerforschten Aspekts der menschlichen Psyche, die die Kirche aufgrund der Lehre Christi und ihrer langen Tradition aber durchaus kennt – und die Christen dazu aufruft, sich im Sakrament der Beichte regelmäßig ehrlich selbst den Spiegel vorzuhalten. Aber wie gesagt, dies nicht zu tun ist in der Tat leichter.

    Zu Erwiderung 2) Sie verweisen auf zahlreiche lokale Traditionen. So what? Der Inhalt des Katechismus reicht völlig aus, um katholisch zu sein. Im Kontrast dazu können Sie auf noch so vielen Marienprozessionen mitlaufen – wenn Sie ein im Katechismus festgelegtes Dogma ablehnen, sind Sie kein Katholik. Extra ecclesiam nulla salus, auch wenn es hart ist.

  2. @ Novum Ordinem, 5. Juli
    ———————-

    Ad 1) Das ist wohl eindeutig eine captio ex consequenti.
    Denn wir lehren doch, daß man im liebenden Verbund mit Jesus Christus besser, angenehmer, günstiger, freudiger durch das Leben in dieser Welt kommt — und so ist es ja auch!
    …………………………………………………………………………………………………………………………………………………………………….

    Ad 2) Umgreift der Katechismus tatsächlich die katholische Glaubenslehre?
    Zu Engeln und der Gottesmutter finden sich hierin nur knappe Aussagen.
    In der *Praxis der Kirche* gibt es seit 100 Jahren 38 neue Marien-Feste; und erst letztes Jahr hat Papst Franziskus den Pfingst-Montag als dem freudigen Gedenken der Geburtsstunde unserer Kirche durch „Marie, Mutter der Kirche“ ersetzt.
    Nebenbei: es gibt auch in den letzten 100 Jahren an die 600 Marienerscheinungen.
    Und ganze Diözesen wurden einem „Herzen Mariae“ geweiht, obgleich im Katechismus davon keine Rede ist.
    Viele andere Beispiele lassen sich weiter finden, die auf ein Auseinanderklaffen zwischen Katechismus einerseits und gelebter Frömmigkeit andererseits beredetes Zeugnis geben.

  3. Lieber Paul, sie irren. Die wahre katholische Kirche ist in der Tradition zu finden . Hier wird der Glaube aller Zeiten behütet. Hier finden wir noch alle Sakramente. Es sind die Gnaden, die uns helfen unser ewiges Ziel zu erreichen. Sie meinen wirklich, dass die „Tradition“ der Gegensatz ist von der „Verkündigung der Liebe Gottes“ ? Wie kommen sie denn darauf ?
    Die überlieferte Heilige Messe ist der Mittelpunkt der wahren Katholischen Kirche. Es ist ihr größter Schatz , das Herzstück. Das Herz ist die Liebe. Gott selbst ist die Liebe. Die Tradition geht vor Gott erfùrchtig in die Knie. Der „Modernismus“ hat Gott aus dem Mittelpunkt verdrängt . Die “ Modernen“ haben sich selbst und den Mensch in die Mitte des “ Tempels“ gesetzt und erhõhen sich selbst .

    Fazit : Die Tradition verkündet die Liebe Gottes in jeder gefeierten Hl. Messe. Die Hl Messe ist die unblutige Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Jesus Christi. Das ist Liebe . Verkünden wir sie weiter.
    P.S. Ùbrigens ist nur in Deutschland der Kirchenaustritt mit der Kirchensteuer gekuppelt. In anderen Ländern darf man auch katholisch sein, ohne dass man Kirchensteuer zahlen muss. Und ehrlich gesagt, was sich derzeitig in Deutschland bei der Bischofssynode abspielt, ist ganz gewiss nicht mehr katholisch.

    • „Lieber Paul, sie irren.“
      ~~~~~~~~~~~~~~~
      Darf ich freundlich fragen, warum dann, wenn doch die Liebe und Güte unseres Gottes in der „Tradition“ zum Ausdruck käme (als conjunctivus deliberativus gemeint), die Menschen millionenfach davon nichts hören wollen?

      „…was sich derzeitig in Deutschland bei der Bischofssynode abspielt, ist ganz gewiss nicht mehr katholisch.“
      ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

      Wer, bitteschön, bestimmt, was καθολικός (nicht) umfasst?

      • Zu 1.) Ganz einfach: Die Menschen wollen millionenfach nichts wissen vom eigentlichen Glauben, weil man dann wirklich zutiefst sein eigenes Leben hinterfragen muss – es ist leichter, den Weg der Welt zu gehen und dessen Ende auszublenden.

        Zu 2.) Die verbindliche Definition des Katholischen finden Sie, wie jeder andere auch, im Katechismus.

  4. Ja: das ist treffend!
    Über 90 Prozent der Katholiken sind de facto aus der Kirche ausgetreten.
    Aber man sollte doch auch so ehrlich sein und aussprechen, dass es eben gerade die „Tradition“ ist, die Menschen aus der Kirche treibt.
    Und solange „die Kirche“ und deren Erhalt im Mittelpunkt steht anstatt die Verkündigung der Liebe Gottes zu allen Menschen wird sich nichts bessern.

    • Dem kann man nur zustimmen. Die Tradition treibt die Menschen aus die Kirche. Denn gerade wir aktiven Laien, insbesondere die Frauen interessiert die alte Messe und die falsche Kirchenmoral überhaupt nicht. Wir wollen endlich Änderungen und Gleichberechtigung. Der Synodale Weg gibt Hoffnung, aber es wird sehr schwierig.

    • Genau dieser Unsinn ist Grund für die katastophale Situation der Kirche und den Exodus. Er ist verantwortlich für etliche Seelen, die verloren gehen. Mit dem „Neuen Pfingsten“ kann man mich jagen – und nicht nur mich.

      • Bin der gleichen Meinung. Mir gefällt der Gottesdienst vor den 2 vatikanischen Konzil am besten.

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