Pius XII. an den amerikanischen Präsidenten von 2020

Pius XII. an den amerikanischen Präsidenten von 2020

Cari candidati, Presidente Mr. Trump and Mr. Biden,

Ihr Land ist seit über 200 Jahren ununterbrochen demokratisch. Es ist wohl kaum nötig, hier daran zu erinnern, dass es nach der Lehre der Kirche nicht verboten ist, Regierungsformen den Vorzug zu geben, die durch die Mitwirkung des Volkes beeinflusst werden; wohlverstanden unter der Bedingung, dass die katholische Lehre über den Ursprung und die Anwendung der staatlichen Macht gewahrt bleibt. Denn die Kirche lehnt keine der vielen verschiedenen Formen ab, die eine Regierung haben kann, sofern sie nur geeignet ist, das Wohl der Bürger zu sichern. Die Ideale der Demokratie sind Freiheit und Gleichheit.

Die Würde des Staates in der sittlichen, von Gott gewollten Gemeinschaft, die Würde der politischen Autorität in der Teilnahme an der Autorität Gottes. Wer daher die Macht besitzt, diese Verbindung aber nicht sieht oder sie mehr oder weniger vernachlässigt, erschüttert die Grundlagen seiner eigenen Autorität. Gleicherweise besteht die große Gefahr, daß, wenn er diese Beziehung nicht genügend berücksichtigt und in seinem Amte nicht den Auftrag sieht, die von Gott gewollte Ordnung zu verwirklichen, und wenn eigensüchtiger Ehrgeiz und Selbstsucht über die wesentlichen Forderungen der politischen und sozialen Moral vorherrschen, daß der leere Schein einer nur formellen Demokratie dem als Maske dient, was in Wirklichkeit sehr wenig demokratisch ist.

Das Naturrecht ist das Fundament auf dem die Soziallehre ruht. Auf diesem Fundament sollten alle Kämpfe für die Grundrechte des Menschen geführt werden.

In den USA ist man besonders stolz auf Wohlstand und Fortschritt. Doch die Welt, die in unseren Tagen so viel berechtigten Anlass zu Stolz und Hoffnung gibt, kennt auch eine gefährliche Versuchung zum Materialismus; Unsere Vorgänger und Wir selber haben oft genug darauf hingewiesen. Dieser Materialismus lebt nicht nur in der verurteilten Philosophie, die der Politik und Wirtschaft eines Teils der Menschheit zugrunde liegt; er herrscht auch in der Geldgier, deren Verheerungen sich im Maße der modernen Unternehmen ausdehnen und die leider so viele Zwangsabläufe bestimmt, die auf dem Leben der Völker lasten; er äußert sich im Kult des Leibes, in dem maßlosen Streben nach Komfort und der Flucht vor jeder Strenge der Lebensführung; er führt zur Verachtung des menschlichen Lebens, selbst dessen, das vor seinem Eintritt in die Welt vernichtet wird.

Dieser Kult äußert sich ebenfalls in der zügellosen Jagd nach Vergnügen, das sich schamlos zeigt und durch Lektüre und Schauspiele auch die noch reinen Seelen zu verführen sucht; er liegt der Achtlosigkeit gegenüber dem Bruder, dem Egoismus, der ihn vernichtet, der Ungerechtigkeit, die ihn seiner Rechte beraubt, kurz einer Lebensauffassung zugrunde, die alles ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der materiellen Blüte und der irdischen Befriedigungen sieht. „Meine Seele, du hast viele Güter daliegen auf viele Jahre, ruhe aus, iss und trink und lass es dir wohl sein“, sagte ein Reicher. „Gott aber sprach zu ihm: Du Tor, in dieser Nacht wird man dein Leben von dir fordern.“

Es gibt nur ein Heilmittel: zurück zur gottgesetzten Ordnung auch in den Beziehungen zwischen den Staaten und Völkern; zurück zu einem wahren Christentum im Staat und unter den Staaten. Man sage nicht, das sei keine Realpolitik. Die Erfahrung sollte allen gezeigt haben, daß die nach den ewigen Wahrheiten und den göttlichen Gesetzen ausgerichtete Politik die reellste und wirklichkeitsnächste Politik ist. Die Realpolitiker, die anders denken, schaffen nichts als Ruinen.


Anmerkung: Ber Brief ist eine Zusammensetzung aus den Ansprachen und Enzykliken von Pius XII. Die einzige Ausnahme bilden die Sätze, in denen die USA erwähnt werden ;-).

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