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Pauli Bekehrung oder die heiligmachende Gnade: Der Weg in den Himmel

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Pauli Bekehrung oder die heiligmachende Gnade: Der Weg in den Himmel

„Die Gnade Gottes, von der wir schreiben, ist ein Strahl der göttlichen Schönheit, der, vom Himmel herab der Seele eingegossen, sie ganz bis auf den tiefsten Grund mit einem so lieblichen und kräftigen Lichte durchdringt, dass sie Gottes Auge selbst entzückt, von Gott auf das zärtlichste geliebt, als seine Braut und Tochter angenommen, und über alle Schranken der Natur von der Erde zum Himmel erhoben wird, um im Schoße des himmlischen Vaters, an der Seite seines göttlichen Sohnes, an seiner Natur, seinem Leben, seiner Herrlichkeit teilzunehmen und das Reich seiner ewigen Seligkeit als Erbschaft zu empfangen.“ So beginnt Matthias Joseph Scheeben seine Ausführungen über das „Wesen der Gnade“ (Scheeben, Die Herrlichkeiten der göttlichen Gnade). 

Für den gefallenen Menschen gibt es nichts Größeres, als mit dem Strahl der göttlichen Schönheit emporgehoben zu werden. Unser Leib soll Tempel des Heiligen Geistes sein und die Gnade Gottes soll in uns Wohnung finden. Heiligenbilder und Heiligengeschichten zeigen in beeindruckender Weise, was das konkret heißen kann. Über den heiligen Josef von Copertino wird berichtet, dass er manchmal leuchtete wie tausend Kerzen. Pius X. soll in seinen letzten Lebensjahren aus den Augen geleuchtet haben. Heiligenscheine zeigen nicht, was sich fromme Schwärmer ausgedacht, sondern Menschen zu allen Zeiten tatsächlich erlebt haben: Wenn Gottes Gnade in uns wohnt, kann sie uns das zum Leuchten bringen.

Besonders hervor sticht hier auch die Bekehrung des heiligen Paulus, das Damaskuserlebnis: „Unterwegs aber, als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst! … Einige Tage blieb er bei den Jüngern in Damaskus; und sogleich verkündete er Jesus in den Synagogen: Dieser ist der Sohn Gottes. Alle, die es hörten, waren fassungslos und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen? Und ist er nicht auch hierhergekommen, um sie gefesselt vor die Hohepriester zu führen? Saulus aber trat umso kraftvoller auf und brachte die Juden in Damaskus in Verwirrung, weil er ihnen darlegte, dass Jesus der Christus ist“ (Apostelgeschichte 9).

Der Wert der ganzen Welt, ist geringer vor Gott als die Gnade eines einzigen Menschen (Scheeben). 

Ludwig Ott schreibt: „Der Gottmensch Jesus Christus hat durch seine stellvertretende Genugtuung und sein Erlösungsverdienst die Wiederversöhnung der Menschheit mit Gott prinzipiell und objektiv vollzogen. Die objektive Erlösung muss vom einzelnen Menschen in der subjektiven Erlösung ergriffen und angeeignet werden. Den Akt der Zuwendung der Erlösungsfrucht an den einzelnen Menschen nennt man Rechtfertigung (δικαίωσις, iustificatio) oder Heiligung (ἁγιασμός, sanctificatio). Die Erlösungsfrucht selbst bezeichnet man als Gnade Christi.“

„Die heiligmachende Gnade macht den Gerechten zu einem Freund Gottes“ (De fide). Das Konzil von Trient lehrt, dass der Mensch bei der Rechtfertigung „aus einem Ungerechten ein Gerechter und aus einem Feind ein Freund (Gottes)“ wird. Durch die heiligmachende Gnade wird man zu einem Kind Gottes: „Die heiligmachende Gnade macht den Gerechten zu einem Kind Gottes und verleiht ihm ein Anrecht auf das Erbe des Himmels“ (De fide). Die Rechtfertigung wird nach dem Konzil von Trient verstanden als „eine Versetzung in den Zustand der Gnade (statum gratiae) und der Annahme zur Kindschaft Gottes“ (Alle weiteren Zitate: Ludwig Ott).

„Die heiligmachende Gnade macht den Gerechten zu einem Tempel des Hl. Geistes“ (Sent. certa.). Der Heilige Geist wohnt mit seiner ungeschaffenen göttlichen Wesenheit in der Seele des Gerechten. Die Schrift bezeugt das: „Wisst ihr nicht, dass ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1. Kor 3, 16). Die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung und Liebe werden mit der heiligmachenden Gnade eingegossen (De fide). 

Aber es gibt keine Gnadengewissheit ohne göttliche Offenbarung: „Ohne besondere göttliche Offenbarung kann niemand mit Glaubensgewissheit wissen, ob er sich im Stande der Gnade befindet“ (De fide). Auch ist das Maß der empfangenden Rechtfertigungsgnade nicht bei allen Gerechten gleich (De fide). Die empfangende Gnade kann aber durch gute Werke vermehrt werden (De fide). 

„Die Rechtfertigungsgnade ist verlierbar und wird durch jede schwere Sünde verloren“ (De fide). Das Konzil von Trient lehrt, dass der Gnadenstand nicht bloß durch den Unglauben, sondern auch durch jede andere schwere Sünde verloren wird. Die lässliche Sünde zerstört und vermindert den Gnadenstand nicht. 

Der Mensch ist von seiner Zeugung an mit der Erbsünde belastet. Die Taufe nimmt die Erbsünde hinweg und macht uns zu einem Kind Gottes. Geht die Gnade durch eine schwere Sünde verloren, wird sie wiedererlangt durch die Beichte. Tun wir alles, um im Stand der Gnade zu sterben! Auf dass wir einst, wie der Schächer am Kreuz, von Christus eingeladen werden, mit ihm im Paradies zu sein. 

Literatur:

Scheeben, Matthias, Joseph, Die Herrlichkeiten der göttlichen Gnade

Ott, Ludwig, Grundriss der Dogmatik

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