Unsere liebe Frau vom Berge Karmel und das Skapulier

Unsere liebe Frau vom Berge Karmel und das Skapulier

Der Berg Karmel ,,Karmel“ kommt aus dem hebräischen ,,kerem el“ und bedeutet ,,Weingarten Gottes“. Das Karmelgebirge liegt an der Küste des mittelländischen Meeres, auf der Südseite des Meerbusens von Acco, in Israel. Es ist ca. 25 km lang, 10 km breit und erhebt sich bis zu 546 m. Im Gegensatz zu seiner Umgebung ist es sehr fruchtbar und zeigt eine üppige Vegetation. Es zeichnet sich durch viele Felsenhöhlen aus, bedingt durch den harten Kalkstein. Mit Bezug auf seine Fruchtbarkeit wird das Karmelgebirge im Alten Testament mehrmals genannt, so z. B. im Hohen Lied der Liebe (Hld 7, 6).

Karmelgebirge in alttestamentlicher Zeit

Schon der Prophet Elias und sein Schüler Elisäus zogen sich in das Karmelgebirge zurück, um dort zu beten. Eine besondere Begebenheit, zur Zeit Elias, verbindet jedoch den Berg Karmel mit Maria: Aufgrund der Sünden des Königs Achab ließ Gott diesem durch Elias verkünden, dass es nicht regnen werde. Es regnete drei Jahre lang nicht, sodass eine große Dürre entstand. Schließlich ließ Gott dem Achab wiederum durch Elias mitteilen, dass es wieder regnen werde. Elias ging mit seinem Diener auf die Höhe des Berges und ließ ihn siebenmal nach Regen Ausschau halten. Nach dem siebten Mal teilte der Diener Elias mit, dass er eine kleine Wolke, so groß wie eine Menschenhand gesehen habe. Diese brachte schließlich den ersehnten Regen und die große Dürre war beendet. (Vgl. 1 Kön, 17–18)

Diese Begebenheit ist ein schönes Bild für Maria. Die große Dürre entspricht unserem Sündenelend und der Verlorenheit der Seelen im Alten Bund. Die Wolke nun ist ein Symbol für Maria. Sowie die Wolke am fernen Horizont den Regen ankündigt und bringt, so kündet uns Maria die nahende Erlösung und sie selbst schenkt sie uns schließlich in Christus. Und so, wie der Regen der vertrockneten Erde das Leben wiedergibt und sie Frucht bringen lässt, bringt Christus unseren verlorenen Seelen das Leben wieder und ermöglicht es uns Frucht zu bringen.

Schon das Karmelgebirge ist durch seine fruchtbare Gegend bereits ein Symbol für die Fruchtbarkeit, die uns durch Maria zuteil wird. Auch das Skapulier hatte einen ,,Vorgänger“ zu Elias Zeiten, wenn man den Visionen der hl. Anna Katharina Emmerich Glauben schenkt, nämlich dessen Ziegenhaarmantel. Durch diesen wirkte er viele Wunder. Beispielsweise teilte er mit diesem den Jordan (brachte ihn zum Stehen). Da der Jordan ein Zeichen des Todes ist, kann man dies so deuten, dass das Skapulier uns in der Todesstunde hilft.

Nach dem Vorbild von Elias und Elisäus lebten im Karmelgebirge seit jener Zeit Eremiten in asketischer Weise und beteten für die Ankunft des Erlösers. Dabei verehrten sie aufgrund ,,der Wolke des Elias“ bereits die Mutter des Erlösers. Diese Schüler der Propheten Elias und Elisäus wurden auch zu Schülern des hl. Johannes des Täufers und waren somit auf die Ankunft Christi vorbereitet.

Karmelgebirge in christlicher Zeit

Wie im Brevier beschrieben, nahmen diese Einsiedler am Pfingstfest, bei der Herabkunft des Hl. Geistes die Botschaft Christi an. Voll Freude, darüber mit der prophezeiten Jungfrau reden zu können, wurden sie zu den ersten Marienverehrern und erbauten zu ihren Ehren eine Kapelle auf dem Berge Karmel, wo sie täglich in gemeinsamem Gebet die hl. Jungfrau als ihre Beschützerin verehrten. Seither nennt man sie die Brüder der heiligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel.

Im 12. Jahrhundert wurde Berthold, Sohn des Grafen von Limoges und Kreuzritter im Heer des Gottfried von Bouillon, von den im Heiligen Land herrschenden Sarazenen gefangen genommen. Er machte das Gelübde, sein Leben Gott zu weihen und als Ritter der Jungfrau Maria Eremit zu werden, wenn er befreit werden würde. Diesem Versprechen treu, zog er sich nach seiner Befreiung in das Karmelgebirge zurück. 1156 stiftete er für die dortigen Eremiten den Orden ,,Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel“.

Anfang des 13. Jahrhunderts baten die Brüder den damaligen Patriarchen von Jerusalem, Albert Avogadro um eine feste Regel. Dieser gab sie ihnen in 24 Artikeln in aller Schlichtheit.

Karmelorden in Europa

Im 13. Jahrhundert hatten die Brüder immer mehr unter den Sarazenen zu leiden, welche schließlich das Kloster zerstörten und die Brüder ermordeten. Zuvor waren einige Mönche mit Einverständnis des Priors in ihre europäischen Heimatländer zurückgekehrt und hatten dort Tochterklöster des Karmelordens gegründet. Auch in England wurde ein solches Kloster gegründet, dieses lernte der hl. Simon Stock kennen, er war seit seiner frühesten Jugendzeit Einsiedler in einer hohlen Eiche. Simon trat in den Karmelitenorden ein, wurde zunächst zum Studium nach Oxford geschickt und schließlich in seinem 80. Lebensjahr zum Ordensgeneral gewählt. Der Orden befand sich jedoch in einer schwierigen Lage, da er in Europa von vielen Katholiken nicht geduldet wurde, sogar so wenig, dass diese Papst Honorius III. bestürmten, den Orden aufzulösen. Dies lag möglicherweise daran, dass Anfang des 13. Jahrhundert viele Bettelorden (Dominikaner 1216, Franziskaner 1223) gegründet worden waren, sodass man ein bettelndes Mönchsheer befürchtete.

Beistand Unserer lieben Frau

In dieser Not flehte der hl. Simon zu Unserer lieben Frau vom Berge Karmel, der Patronin des Ordens. Am 16. Juli 1251 erschien die allerseligste Jungfrau Maria mit vielen Engeln dem hl. Simon Stock in Aylesford. Sie überreichte ihm das Skapulier mit folgenden Worten: ,,Nimm hin, mein vielgeliebter Sohn, dieses Skapulier deines Ordens als ein besonderes Zeichen deiner Bruderschaft, als ein Vorrecht für dich und alle Karmeliten; wer mit diesem Kleide bekleidet stirbt, wird das ewige Feuer nicht erleiden. Siehe, es ist ein Zeichen des Heiles, eine Schutzwehr in Gefahren, ein Unterpfand des Friedens und des ewigen Bundes.“ In derselben Nacht erschien die Muttergottes auch dem Hl. Vater in Rom und teilte ihm mit, dass noch in dieser Nacht die zwei Hauptfeinde der Karmeliten sterben werden und so geschah es. Von diesem Zeitpunkt an erwies der Hl. Vater sich als Beschützer des Karmelordens und bestätigte diesen aufs Neue. Der hl. Simon errichtete nun die, vom apostolischen Stuhl bestätigte, Bruderschaft zu Ehren Unserer lieben Frau vom Berge Karmel.

Das Skapulier

Das ursprüngliche Skapulier ist ein großes rechteckiges Tuch, in welchem sich in der Mitte ein Ausschnitt für den Kopf befindet, sodass es vorne und hinten bis zum Boden herabhängt, wie es die Ordensleute noch heute über ihrem Gewand tragen.

Als die Erscheinung bekannt wurde, wollten auch die Gläubigen in aller Welt dieses unschätzbare Unterpfand eines guten Todes sowie der Zugehörigkeit zu Maria besitzen. Daher erhielt das Skapulier die kleine ,,Form“, wie wir sie heute kennen. Es besteht aus zwei Stoffrechtecken, welche durch ein Band verbunden sind. Sie werden auf Brust und Rücken getragen. Päpste, Kardinäle, Monarchen und unzählige Gläubige bekleideten

sich damit. Im Jahr 1317 erschien die allerseligste Jungfrau Maria Papst Johannes XXII., empfahl ihm den Karmeliterorden und versprach den Seelen der Skapulierträger im Fegefeuer zu helfen, sie zu trösten und sobald als möglich, namentlich an Samstagen nach ihrem Tod, zu befreien. Diese Gnade wurde vom Papst in der Bulle Sabbatinum am 03.03.1322 veröffentlicht.

Unsere liebe Frau vom Berge Karmel in Fatima

Während am 13. Oktober die Anwesenden bei der Cova da Iria das Sonnenwunder erlebten, sahen Lucia, Francisco und Jacinta drei Visionen Unserer lieben Frau am Himmel. Zunächst erschien sie mit der hl. Familie, gleichsam als die Gebenedeite des freudenreichen Rosenkranzes, welche uns den Heiland als Mittlerin bringt und kennenlernen hilft.

Sodann erschien sie mit dem rotgekleideten Christus als Schmerzensmutter, welche am Fuße des Kreuzes alle Früchte desselben für uns gesammelt hat und auch uns helfen will im Kreuze auszuharren.

Schließlich verschwand auch diese Vision und Maria erschien als Unsere liebe Frau vom Berge Karmel, als Königin des Skapuliers. Sie hat uns dieses Schutzkeid durch den hl. Simon Stock einst überreicht, als Triumph über das Böse, die Sünde und die Verdammnis, als Zeichen der Hingabe an Maria sowie der einstigen Teilhabe an der ewigen Herrlichkeit, gerade durch ihren Beistand in der Todesstunde.

Die selige Seherin Lucia von Fatima bestätigte mit Gewissheit, diese Erscheinung der Muttergottes als Karmelkönigin und beweist dies mit der Aussage, dass die Muttergottes ausgesehen habe wie das Marienbild in der Pfarrkirche von Fatima. Dieses stellt unzweideutig die Muttergottes als Unsere liebe Frau vom Berge Karmel dar.

Lucia sagt auch, dass Unsere liebe Frau es wünscht, dass alle das Skapulier tragen, dass dies ein deutliches Zeichen der Hingabe an das Unbefleckte Herz Mariens sei.

Des Weiteren ist noch zu beachten, dass bei der Erscheinung Mariens in Fatima die Anwesenden eine Wolke an dem Ort sahen, wo Maria sich den Kindern zeigte. In der Heiligen Schrift ist die Wolke stets ein Zeichen der Anwesenheit Gottes, so z. B. auf dem Berg Sinai, über der Bundeslade und dem Berg Tabor. Auch in Fatima ist dies der Fall, denn Maria ist die wahre Bundeslade, welche nie um ihrer selbst Willen kommt, sondern um Christus zu bringen und die Seelen zu Gott zu führen.

Hier ist also eine zweite Verbindung zu dem Titel ,,Maria vom Berge Karmel“. Denn auch im Alten Bund (bei Elias) wird sie durch die ,,regenankündigende Wolke“, also die Christusbringerin, symbolisiert.

Übrigens besteht auch eine Verbindung zwischen Lourdes und Unserer Lieben Frau Vom Berge Karmel, denn dort fand die letzte Erscheinung am 16. Juli statt.

Skapulierträger sein

Wer Mitglied in der Skapulierbruderschaft werden und damit das Skapulier tragen möchte, muss sich dies beim ersten Mal von einem Priester auflegen lassen, mit den Gebeten aus dem Rituale Romanum. Jedes weitere Skapulier legt man sich selbst auf, der Segen wird übertragen. Als Mitglied der Skapulierbruderschaft wird man aller Verdienste des Karmelordens teilhaftig.

Es wird vom Skapulierträger lediglich gefordert:

1. Dass er dasselbe Tag und Nacht trage und

2. Im Allgemeinen die Muttergottes verehrt, wie dies schon durch jedes Ave Maria geschieht.

Möchte jemand zusätzlich das Samstagsprivilegium erhalten, so ist Folgendes zu beachten:

1. Die standesgemäße Keuschheit bewahren,

2. Die kleinen Tageszeiten beten oder am Mittwoch und Samstag sich der Fleischspeisen enthalten, kann man dieser Anforderung nicht nachkommen, so erbittet man sich von einem Priester eine Abwandlung, z.B. in Form eines täglichen Mariengebetes.

Auf Bitten der Missionare hat Papst Pius X. erlaubt, die Skapuliermedaille zu tragen, wünscht jedoch, dass das Stoffskapulier getragen wird. Die Medaille wird eigens als solche gesegnet und zeigt auf der einen Seite das Bild des göttlichen Herzens Jesu und auf der anderen ein Marienbild.

Wer das Skapulier trägt, gehört in besonderer Weise Unserer lieben Frau an, es ist ein Ausdruck der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens. Der Skapulierträger soll ihr Ritter sein, der lieber sterben würde, als dass ihr Kleid befleckt würde und er soll ihr in ihren Tugenden nacheifern, so der Keuschheit, Demut, Bescheidenheit, dem Gebet und Opfer.

Die Muttergottes hingegen verspricht ihren Schutz und ihre Hilfe in diesem Leben sowie im zukünftigen. Sie schenkt eine Fülle an Wohltaten. Bei der Öffnung der Särge der beiden Marienverehrer Alfons Ligouri und Don Bosco fand man jeweils das Skapulier unverwest.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Skapulier ein besonderes Zeichen der Hingabe an Maria ist. Und so wie sie uns den Rosenkranz als ihre Waffe gegeben hat, so gab sie uns das Skapulier als Schutz für alle leiblichen und seelischen Gefahren. Das Fest unserer lieben Frau vom Berge Carmel wird am 16. Juli gefeiert.

Heilige Maria vom Berge Carmel, bitte für uns!

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