Alte Messe in Hamburg: Meine Kirchengemeinde hat sich in einem Jahr fast verdoppelt

Von Mervie Vernal

Aus allen Himmelsrichtungen kommen sie: Aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern … Meist erst zögerlich, fragend, suchend und ratlos. Dann sind sie oft begeistert und erstaunt, warum man es nicht schon früher „gewagt“ hat. Denn im Gegensatz zur Amtskirche fanden und finden 2020/21 bei den Piusbrüdern in Hamburg (fast) durchgehend alle Messen statt. Die Sehnsucht ist inzwischen so groß, dass sich auch eingefleischte Besucher der Neuen Messe zu ihr trauen – trotz des Klischees der „bösen“ Piusbruderschaft. Nicht alle bleiben, aber viele kommen inzwischen regelmäßig zu den Messen – wenn sie einen Platz bekommen!

Auffallend viele junge Menschen und Familien finden den Weg in die Gemeinde. So wurden noch Anfang des Jahrs 2020 zwei Kinder zur Erstkommunion geführt. Auf Grund die starken Zuwächse wurde ein zweiter Kurs angeboten und fünf weitere Kinder konnten dann im November die erste heilige Kommunion empfangen. Der Firmkurs stieg von drei Teilnehmern auf sieben, ein Wachstum von über 130%!

Wir sind – besser gesagt – waren eine kleine Gemeinde in der Diaspora. Als wir vor ca. 6 Jahren zur Gemeinde stießen waren die Gottesdienste (sonntags zwei Gottesdienste, die Kirche bietet ca. 60 Plätze) gut besucht und die Gemeinde war geschätzt um die 120 Mitglieder stark. Prozentual gesehen besuchen damit Katholiken, die die Alte besuchen, viel eher eine Heilige Messe als jene, die in die Neuen Messe gehen (im Erzbistums Hamburg ist der Prozentsatz der Gottesdienstbesucher in der Neuen Messe bezogen auf die Katholikenzahl 7,71% [2019] Quelle: Erzbistum Hamburg Kirchliche Statistik 2019, Seite 11).

Damit die Gottesdienste während Corona stattfinden können, müssen natürlich auch bei uns die Abstände eingehalten werden. Im Sommer wurde einfach die Tür geöffnet und ein Teil der Gemeinde hat im Freien die Messe mitgefeiert– – wunderschön. In der kalten Jahreszeit saßen die Gläubigen im Gemeinderaum, im Flur und der Küche des Gemeinderaums, im Keller, im Beichtvorbereitungsraum, in der Sakristei … und es muss dann doch noch dem einen oder anderen abgesagt werden. Zum Glück besuchen uns viele große Familien, so dass die Bänke gut genutzt werden können. Im Hochamt sind zumeist um die zwanzig und mehr Kinder anwesend, das sind fast ein Viertel der Messbesucher.

Mit den Anmeldelisten kann man zum ersten Mal etwas genauer, die Anzahl der Messbesucher nachvollziehen. Auch wenn die Anzahl der Sonntagsbesuche stark gestiegen ist, so fehlen leider jene Gemeindemitglieder, die gesundheitlich angeschlagen sind und deswegen den Gottesdienst nicht besuchen können und alle die diejenigen, die keinen Platz mehr abbekommen haben. Aber so weit es geht steht unser Pater mit diesen in Kontakt und spendet bei Hausbesuchen auch die Sakramente.

Auch besuchen inzwischen viele ehemalige Gemeindemitglieder der Gemeinde Osdorf, die auch eine Alte Messe (im Auftrag des Erzbistums Hamburgs) feiert, die Gottesdienste in Alsterdorf. Da der Priester dem Erzbistum untersteht und keine Mundkommunion anbieten kann, hat er keine Messe mehr angeboten. Hoffentlich kann dieses Angebot nach Corona wieder starten, denn hier finden all die Heimat, die die Alte Messe besuchen möchten, aber nicht zur Piusbruderschaft gehen möchten.

Die Gemeinde hat sich vor Corona schon deutlich vergrößert – im Corona-Jahr hat sich die Anzahl der Gemeindemitglieder fast verdoppelt. Spannend wird es sein, wieviel bleiben werden. Ich vermute, dass es nicht zu wenige sein werden, denn wer einmal die Alte Messe über längere Zeit gefeiert hat, für den ist der Weg in die Neue Messe kaum auszuhalten. Dann beginnt die eigentliche Arbeit und die Anzahl der Erwachsenen-Glaubensunterweisung wird auch noch steigen. Außerdem haben viele neue Gemeindemitglieder die Alte Messe noch nicht in der vollen Pracht erleben können, denn singen dürfen wir coronabedingt nicht.

Viele sagen, dass sie sich, neben dem Angebot der Alten Messe, sehr wohl bei uns fühlen und die Offenheit, Hilfsbereitschaft und die vielen Angebote (Katechismus, Erst- und Firmunterricht, Zeltlager, Ausflüge, Christenlehrer, Rosenkranzgebete, Einführung in den Schott etc.) sehr schätzen. Schade ist nur, dass man inzwischen viele Gemeindemitglieder nicht mehr näher kennenlernen kann, denn es finden keine Vorträge und Gemeinde-Cafés mehr statt. Aber das holen wir nach – sobald es wieder geht.

Fronleichnamsprozession 2018

Siehe auch:

1 KOMMENTAR

  1. Dass sich die Besucherzahl deutlich erhöht hat, ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, wenn man berücksichtigt, dass dafür die Messe im außerordentlichen Ritus im Hamburger Westen, Hamburg Lurup, weggefallen ist.

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