Mit Marias Augen auf Christus schauen: Eine marianische Betrachtung zum Marienmonat Mai

Mit Marias Augen auf Christus schauen: Eine marianische Betrachtung zum Marienmonat Mai

Von Thorsten Paprotny

Vielleicht möchten Sie einen großen Marienverehrer etwas näher kennenlernen? Am 17. April 2021 ist im gesegneten Alter von 93 Jahren Prälat Emmeram Hermann Ritter, gebürtiger Münchner, in Regensburg für immer nach Hause gegangen. Der Regensburger Bischof Dr. Rudolf Voderholzer würdigte ihn in seiner Predigt beim Requiem am 23. April 2021 in der Niedermünsterkirche.

Besonders Gläubige aus dem Bistum Regensburg gedenken des frommen Seelsorgers, der 1953 in Mariazell zum Priester geweiht wurde, mit großer Dankbarkeit. Er hatte sein Leben unter den besonderen Schutz der Gottesmutter, der „Patrona Bavariae“, gestellt. Die christozentrische Marienverehrung lag ihm, wie vielen einfach gläubigen Katholiken in Bayern und andernorts bis heute, sehr am Herzen.

Prälat Ritter baute das Referat für Selig- und Heiligsprechungsprozesse im Bischöflichen Offizialat Regensburg auf und leitete es viele Jahre, auch mit großer Nüchternheit und katholischer Normalität, wie ein Zitat aus einem Beitrag zeigt: „Im kanonischen Selig- und Heiligsprechungsprozess, so die Bezeichnung des Verfahrens, schafft oder ernennt die Kirche keineswegs Selige und Heilige, sondern sie stellt sie lediglich fest und verkündet: An diesem oder jenem Menschen war Gottes Gnade so sehr am Werk, dass hier die Seligpreisungen des Herrn in Erfüllung gegangen sind.“ Zu seiner Amtszeit wurde Anna Schäfer seliggesprochen.

Lange Jahre wirkte Prälat Ritter als Redakteur des weit verbreiteten „Boten von Fatima“ und war wissenschaftlich im „Institutum Marianum Regensburg“ 25 Jahre lang ehrenamtlich tätig. Fast 600 Publikationen stammen aus der Feder von Prälat Ritter. Wer sich über sein marianisch koloriertes Leben und Schaffen und das renommierte Regensburger Institut kundig machen möchte, wird fündig werden.

Mich hat ein Gebet auf seinem Sterbebild sehr angesprochen, platziert neben einem Foto der „Patrona Bavariae“ vor dem schönsten Himmel, den es in ganz Deutschland gibt – nämlich blau-weiß leuchtende Pracht über Bayern:

„Herr, Dir in die Hände,

sei Anfang und Ende,

sei alles gelegt!“

Es ist das Lieblingsgebet des Verstorbenen. Wir kennen heute so viele Gebete, Gebetstexte und Gebetbücher, so viele Worte, die wir dem Herrgott vortragen – und manchmal ist es mühsam, nachzuvollziehen, ob es unter lauter Nebensätzen auch einen Hauptsatz gibt. So vieles wird in frommer, frömmster Absicht vorgetragen, und manche Gebete gehorchen vielleicht auch dem Imperativ der politischen Korrektheit.

Wie anders, wie schlicht und zugleich wie marianisch erfüllt ist dieses tiefgründige Gebet von Prälat Ritter – ein Gebet, das wir jeden Tag sprechen können, am Morgen wie am Abend, ein Gebet, das die schöne Einfachheit und zugleich die große Weite unseres katholischen Glaubens zeigt. Ein betender Mensch, so scheint mir, muss nicht viele Worte machen. Das Gottvertrauen trägt.

Liebende Hingabe lehrt beten: In deine Hände, Herr, sei alles gelegt, unsere Zeit, unsere Lieben, wir selbst. Ja, es ist ein österliches Hoffnungsgebet. Eingezeichnet darin ist die Hoffnung auf Vollendung. Wie sehr wünschte ich mir, dass wir alle uns von diesem einfachen Glauben, verwurzelt im Credo der Kirche, formen lassen könnten. Aus dem Lieblingsgebet von Prälat Ritter spricht die Schönheit des „Fiat“ der Gottesmutter im Magnifikat. Der Marienmonat Mai lädt uns besonders ein, von innen her mit Marias Augen neu auf Christus zu schauen. Vielleicht entdeckt die eine oder der andere von Ihnen die Anmut dieses Gebets von Emmeram Ritter, fühlt sich davon so berührt wie ich:

„Herr, Dir in die Hände,

sei Anfang und Ende,

sei alles gelegt!“

Heilige Maria, Mutter Gottes, Patrona Bavariae und Maienkönigin, bitte für uns, jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.    

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