„Jetzt müssen wir für die Frauen und Familien kämpfen“: Kristijan Aufiero (1000plus) über die Petition KEINE ABTREIBUNG BIS ZUR GEBURT

„Jetzt müssen wir für die Frauen und Familien kämpfen“: Kristijan Aufiero (1000plus) über die Petition KEINE ABTREIBUNG BIS ZUR GEBURT

Am 13. Mai feiern wir Fatima und deshalb veröffentlicht der Cathwalk an diesem Datum auch ein legendäres Interview mit Kristijan Aufiero von 1000plus, in dem es um das wichtigste Thema unserer Zeit geht und darum, wie wir alle zum Guten beitragen können. Aufiero ermutigt uns: „Jetzt ist es an der Zeit zu kämpfen … Niemand hat das Recht, in solch ernster Stunde mittelmäßig zu sein.“

Lieber Kristijan Aufiero, weshalb hat 1000plus gerade jetzt die Petition „KEINE Abtreibung bis zur Geburt“ auf den Weg gebracht?

Kristijan Aufiero: Weil die Gefahr einer totalen Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt in Deutschland noch nie so groß war wie jetzt. Bestrebungen, durch eine Streichung der Paragrafen 218 und 219 StGB die Abtreibung bis zur Geburt vollständig zu legalisieren, gibt es ja schon länger. Neu ist, dass ein breites Bündnis zu einem derart organisierten Angriff angesetzt hat. Und neu ist vor allem, dass eine reale Chance besteht, dass mit GRÜNEN, SPD und LINKEN gleich drei Parteien an der nächsten Regierung beteiligt sein könnten, die diese Forderungen vertreten. Machen wir uns nichts vor: Wenn es für eine linksgrüne Regierung reicht, wird diese auch kommen – und mit ihr die Verschärfung einer Politik, die der hl. Papst Johannes Paul II. eine Kultur des Todes nannte.

Kristijan Aufiero, Gründer von 1000plus

Warum geht angesichts dieser Zukunftsperspektive kein Schrei durch unser Land – und vor allem: warum geht kein Schrei durch die Reihen der Kirche?

Zunächst einmal steht ein Großteil der Medienschaffenden auf der Seite derjenigen, die die Abtreibung bis zur Geburt wollen, und nicht auf der Seite von Schwangeren in Not und ihren ungeborenen Kindern. Das hat ganz praktisch zur Folge, dass die Propaganda der angeblichen Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit in der Diskussion überrepräsentiert ist. Gleichzeitig werden alle, die sich für den Schutz von Schwangeren in Not und für ihre ungeborenen Kinder einsetzen, mit allen Mitteln diffamiert. Jene, die aus wirtschaftlichen, aus ideologischen und aus politischen Gründen Abtreibungen propagieren, haben eine Lobby. Wir, die für das Ja zu jedem Leben stehen, haben diese Lobby nicht. Mit ihren Formulierungen und Forderungen wenden die Propagandisten der Abtreibung eine althergebrachte List an: Sie verschleiern, vernebeln und verleugnen ihre eigentlichen Absichten. Sie verlangen ja „nur“ die Streichung von Paragrafen aus dem Strafgesetzbuch. Sie werfen mit Begriffen wie „Selbstbestimmung“, „Entscheidungsfreiheit“und „Entkriminalisierung“ wie mit Nebelkerzen um sich.

Jeder, der die wirklichen Situationen von schwangeren Frauen in Not kennt, weiß, dass Schwangerschaftskonflikte mit diesen Schlagworten nicht das Geringste zu tun haben.

Nein, worum es diesen Ideologen geht, ist die logische Konsequenz, die sich aus der Streichung der §§ 218 und 219 StGB ergibt: Die vollständige Legalisierung der Tötung ungeborener Kinder, die außerhalb des Mutterleibs überlebensfähig sind – mit dramatischen Konsequenzen für Mütter, Familien und für die ganze Gesellschaft. Weil diese Forderungen verschleiert und nicht beim Namen genannt werden, bleibt der Aufschrei aus. 

Deshalb ist es so ungeheuer wichtig, dass wir den Menschen in diesem Land sagen, was „weg mit §218“ wirklich bedeutet!

Erklärt das auch das weitestgehende Schweigen der Kirche in Deutschland?

Nein, das denke ich nicht. Hier entfalten meines Erachtens andere Kräfte, Kalküle und Ängste ihre fatale, lähmende Wirkung. In der Kirche sind sich die meisten durchaus bewusst, was da gefordert wird, womit wir es hier zu tun haben und was nach der nächsten Bundestagswahl ganz konkret auf uns zukommen könnte. Der Aufschrei bleibt trotzdem aus. Erklärt werden kann dies meiner Meinung nach nur damit, dass die Kirche in Deutschland, die sich schon jetzt schwerstem Beschuss ausgesetzt sieht, es sich nicht gänzlich mit dem System verscherzen will, das sie füttert. Es herrscht nackte Angst davor, den Preis für das Aussprechen der Wahrheit und das Zeugnis des Glaubens zu zahlen.

Aber: Ich kann an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass es in Deutschland auch Bischöfe, Pfarrer, Kapläne, Diakone, Gemeinden, Kongregationen und Gläubige gibt – und zwar zu Tausenden! –, die unsere Beratung und Hilfe nach Kräften unterstützen und für Schwangere in Not einstehen. Viele von ihnen nehmen dafür Druck, Diskriminierung und Diffamierung in Kauf. Diese Menschen sind die Hoffnung für die Zukunft der Kirche in Deutschland!

Nehmen Sie einen Unterschied zwischen dem Engagement der Kirche in Deutschland auf der einen und der eigentlich recht klaren Position „Roms“ auf der anderen Seite wahr?

Sagen wir es so: Die Stimme der Päpste gerade in Fragen hinsichtlich Abtreibung und Schwangerschaftskonflikt ist seit jeher sehr klar und ermutigend. So war es der hl. Papst Johannes Paul II., der schon vor über 25 Jahren in seiner Enzyklika Evangelium Vitae vor einer um sich greifenden „Kultur des Todes“ gewarnt hat. Derselbe Papst hat auch in seinem Interviewbuch „Die Schwelle der Hoffnung überschreiten“ vom Pro-Woman-Prinzip gesprochen – also von der Notwendigkeit, Schwangeren in Not mit Barmherzigkeit und tatkräftiger Nächstenliebe zu begegnen. Ich persönlich denke auch dankbar an die Privataudienz zurück, die Papst Franziskus dem Projekt 1000plus im Juni 2016 gewährt hat. Das war ein untrügliches Signal der Ermutigung. Ja, man kann wahrlich sagen, „Rom steht“ in dieser Frage!

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Kristijan Aufiero bei der Privataudienz mit Papst Franziskus. Papst Franziskus lobt 1000plus mit den Worten: „Was für eine wunderschöne Arbeit!“

Wie sieht es eigentlich mit den Erfolgsaussichten der Petition aus – müsste man angesichts der medialen Übermacht der gegnerischen Seite nicht verzweifeln?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, 100.000 Unterschriften für diese Petition zu sammeln. Ich weiß nicht, ob diese Zahl ausreicht, um diejenigen zum Nachdenken zu bewegen, die verbissen für die Abtreibung bis zur Geburt kämpfen. Die Frage ist, ob es überhaupt eine Zahl gibt, von der sich linke Ideologen wirklich beeindrucken ließen. Schließlich gehört die Zwangsvorstellung, besser zu wissen, was für die Menschen gut ist, als diese selbst, zur Grundkonstitution linker Ideologie. 

Aber diese Art von Erfolg ist gar nicht, worauf es im Letzten ankommt. Es gibt andere bedeutendere „Erfolgsdimensionen“: Zum einen formiert sich durch diese Petition Widerstand gegen den größten Angriff auf das Leben ungeborener Kinder und das Wohl Schwangerer in Not, den die Bundesrepublik je gesehen hat. Je mehr Menschen sich uns anschließen, um so mehr Menschen werden wachgerüttelt und motiviert, selbst etwas für Schwangere in Not zu tun. Und: Desto mehr ungeborene Kinder werden dadurch vor einer Abtreibung bewahrt werden. Erinnern wir uns bitte daran: Jeder einzelne Mensch ist unendlich wertvoll!

Insofern bietet diese Situation eine große Chance für einen echten Aufbruch im Sinne einer Kultur des Lebens. Und dann gibt es noch etwas anderes: Ich denke, dass jeder von uns eines Tages vor seinem Schöpfer und auch vor künftigen Generationen die Frage beantworten muss: Was hast Du getan, als in Deinem Land das größte Unrecht des Jahrhunderts entfesselt wurde? Schweigen und Nichtstun sind keine angemessene Antwort. Jetzt ist es an der Zeit, zu kämpfen! Jetzt müssen wir für die Frauen und Familien kämpfen.

Was treibt eigentlich die Leute an, die sich für die Streichung der Paragrafen 218 und 219 StGB und damit für die Abtreibung bis zur Geburt einsetzen?

Zunächst ist zu sagen, dass diese Leute sehr genau wissen, um was es geht. Das zeigen beispielsweise Mitschnitte des Juso-Bundeskongresses 2018, die uns vorliegen. Auf ihnen ist zu sehen, dass die Jusos sehr genau wussten, was sie mit der Abschaffung der Paragrafen 218 und 219 StGB fordern. Das Verstörendste an diesem Video-Mittschnitt ist übrigens, wie die Delegierten, die sich gegen die Legalisierung der Abtreibung bis zur Geburt ausgesprochen haben, von Feministinnen aus den eigenen Reihen niedergebrüllt wurden. Dass einige Delegierte die Streichung von §§ 218 und 219 StGB als das bezeichnet haben, was es ist – nämlich Abtreibung bis zur Geburt –, stand so sicher nicht im Drehbuch des damaligen Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. 

Letztlich gehört die totale Legalisierung der Abtreibung zum Forderungskatalog einer utopischen Ideologie, die eine ganz und gar neue Gesellschaft erschaffen will. Das größte Hindernis auf dem Weg, den dazugehörigen neuen Menschen zu erschaffen, ist die Liebe zwischen Mann und Frau, sind Ehe und Familie. Und der Gedanke an Kinder, die aus diesem – angeblich überholten und reaktionären – „Setting“ hervorgehen, in einer Familie großwerden und im Wesentlichen von ihren Eltern erzogen werden, ist linken Ideologen, die die „Lufthoheit über den Kinderbetten erobern“ wollen, ein Gräuel.

Die ganze Wahrheit ist: Frauen im Schwangerschaftskonflikt und ihre Nöte sind Abtreibungslobbyisten vollkommen gleichgültig. Wer Abtreibung anstelle von Beratung und Hilfe als die Lösung eines Schwangerschaftskonflikts propagiert, hat entweder keine Ahnung von Schwangerschaftskonflikten oder lügt ganz bewusst. Denn weiter kann man von der Lebensrealität Schwangerer in Not und ihren realen Wünschen nicht entfernt sein!

Warum?

Weil Schwangere in Not sich HILFE statt Abtreibung wünschen. Es hat sich noch keine einzige der inzwischen über 75.000 von 1000plus beratenen Frauen dahingehend geäußert, dass sie mit ihrer Entscheidung gerne bis zum 9. Monat warten würde. Stattdessen fragen sich diese Frauen: Woher bekomme ich Hilfe? Was soll ich tun, wenn mein Umfeld mich zu einem Spätabbruch in Holland zwingen möchte? Wer ist für mich da, wenn ich dieses Kind bekomme? Keine Frau wünscht sich im Grunde, ihre Schwangerschaft mit einer Abtreibung zu beenden. Was sie sich wünscht, sind belastbare Alternativen für ein Leben mit ihrem ungeborenen Kind. Wenn es ihnen wirklich um die betroffenen Frauen ginge – müssten die Abtreibungslobbyisten dann nicht in einen Wettstreit mit uns treten, wer die besseren Hilfsangebote für Schwangere in Not hat?

Die Vorstellung, dass Babys im Mutterleib legal getötet werden sollen, die außerhalb des Mutterleibs schon lebensfähig wären, hat etwas geradezu Apokalyptisches. Manch ein Cathwalk-Leser wird sich auch an eine Aussage von Schwester Lucia von Fatima erinnern, in dem vom „letzten Kampf Satans“ die Rede ist, bei dem Ehe und Familie angegriffen werden. Das klingt nahezu endzeitlich. Auf welche linksgrünen „Errungenschaften“ in diesem Bereich müssen wir uns denn noch einstellen?

Bei der Einschätzung zu vermeintlich oder tatsächlich stattfindenden „Endzeit-Szenarien“ halte ich mich prinzipiell zurück – schon allein, weil ich kein Theologe bin. Aber auch, weil ein Ja oder ein Nein auf diese Frage keinen Unterschied für die Antwort machen würde, die ich auf die Herausforderungen unserer Zeit geben will. Ich teile die Einschätzung, dass wir es auf gegnerischer Seite mit einer Ideologie zu tun haben, die das christlich-abendländische Konzept von Zivilisation, Familie und Lebensweitergabe letztlich zerstören will. Und ich fürchte wie viele andere, dass uns sehr schwere und dunkle Zeiten bevorstehen. Aber ganz gleich, ob wir es tatsächlich mit einem „Endzeit-Szenario“ zu tun haben oder nicht: Resignation ist keine Antwort. Sie war und wird es nie sein. Bitte lassen Sie mich meine Haltung in dieser Frage mit den wunderbaren und weisen Worten Papst Pius’ XI. aus dem Jahr 1937 ausdrücken, die er im Angesicht des Aufstiegs rechter und linker totalitärer Regime formuliert hat: „Ich danke Gott alle Tage, dass er mich in den augenblicklichen Umständen leben lässt.“ Denn: „Gut und Böse ringen in gigantischem Zweikampf miteinander. Niemand hat das Recht, in solch ernster Stunde mittelmäßig zu sein.“

Hier können Sie die Petition unterschreiben: https://www.1000plus.net/petition-keine-abtreibung-bis-zur-geburt

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