Pius X.: Verteidiger des Glaubens

Pius X.: Verteidiger des Glaubens

Ignis ardens – brennendes Feuer nennt die Malachiasweissagung Pius X. Das ist auch der Titel der Pius-Biographie von Wilhelm Hünermann, der den Papst als Mensch und Heiligen zu würdigen wusste. Seine schnelle Heiligsprechung durch Pius XII. 1954 beweist, dass von Giuseppe Sarto, so der bürgerliche Name Pius X., eine große Wirkung ausging.

Aber wie alle großen Gestalten ist auch Sarto nicht unumstritten. „Sanft und demütig von Herzen“ sagt seine Grabinschrift. Pius X. habe eine Organisation (das Sodalitium Pianum*) gebilligt, gesegnet und ermutigt, um außerhalb und innerhalb der Hierarchie und sogar unter den Kardinälen zu spionieren. Damit habe er eine Art von Freimaurerei in der Kirche etabliert, etwas Unerhörtes in der Kirchengeschichte, sagte Kardinal Gasparri vor der Tribunal zur Heiligsprechung des Papstes.

Wer war Pius X.? Was war sein Geheimnis? Er hat einfach geliebt, kann man mit Gregorius Hesse sagen. Sein bloßer Anblick hat einen Seminaristen zum Weinen gebracht und in seinen letzten Jahren soll er aus den Augen geleuchtet haben (Video dazu unten). Auf jeden Fall war er eine Ausnahmeerscheinung auf dem Papstthron. Ein großer Mann aus kleinen Verhältnissen, der Sohn eines Postbeamten aus Riese in Norditalien. Sarto hatte 3 Brüder und 6 Schwestern und besuchte das kleine Seminar in Treviso und das Priesterseminar in Padua. 1858 wurde er zum Priester geweiht. Seine Laufbahn begann als Landpfarrer in Venetien und endete als Nachfolger Petri.

Tolkien schrieb über ihn: „Ich denke, die größte Reform unserer Zeit war die, die vom hl. Pius X. ausgeführt wurde. Sie überbietet alles, was das Zweite Vatikanische Konzil, mag es auch nötig sein, erreichen wird.“ (Brief an seinen Sohn Michael, Nr. 250, 1963).

Die Reformen Pius X., die Tolkien hier lobte, sind wahrscheinlich die Einführung der Kinderkommunion (1910) und die Empfehlung, täglich die Kommunion zu empfangen, wenn man im Stand der Gnade ist.

Das Leben des Papstes ist ohne die Vorsehung nur schwer zu verstehen. Eigentlich sollte er auch nicht Papst werden, weil das Konklave zunächst Rampolla favorisierte. Der österreichische Kaiser drohte für Rampollas Wahl sein Veto (Exklusive) an. Dann wurde Giuseppe Sarto am 4. August 1903 zum Papst gewählt und gab sich den Namen Pius X., weil die Päpste, die sich „Pius“ nannten im vergangen Jahrhundert erfolgreich gegen Sekten und Irrtümer gekämpft hätten. Sein Motto war: Instaurare omnia in Christo („Alles in Christus erneuern“).

Maßnahmen gegen Modernismus

Zu der größten Reform, die während seines Pontifikats verwirklicht wurde, zählt auf der Ebene der Verwaltung die Kurienreform. Die pianischen Reformen hätten zwar nicht die Eleganz Leos XIII. dafür waren sie aber, so Joseph Schmidlin, aus praktischer Erfahrung getragen. Pius X. verstand sich in erste Linie als Seelsorgepapst. Er galt mit seinen Reformen als zweiter Gründer der Kurie. An der Spitze der Kongregationen stand in dieser Neuordnung das Heilige Offizium, das die Lehre schützen und über Häresien entscheiden sollte.

Pius X. verfolgte einen strikt unnachgiebigen intransigenten Kurs gegen modernistische Strömungen. Die intellektuellen und politischen Strömungen waren stark gegenläufig. Es gab Versuche der Erneuerung und der Restauration zur selben Zeit. Während es Reformen im Breich der Liturgie, der Kurie und der Kanonisation des CIC gab, war das Handeln in Bezug auf den Modernismus reaktionär-integralistisch.

Das Dekret „Lamentabili“, die Enzyklika „Pascendi“ und das Motu Proprio Sacrorum Antistitum gelten als die drei Kernmaßnahmen gegen den Modernismus. Claus Arnold prägte dafür den Begriff der „antimodernistische[n] Offensive“. Damit war Ende 1910 der Antimodernismus als eine religiöse und disziplinäre Gegenmaßnahme in feste Formen gegossen.

Max Bierbaum urteilte über ihn, Pius sei „weder ein fremder“ Typ unter den Päpsten gewesen, noch habe er eine bloß durchschnittliche Intelligenz besessen. Ausgezeichnet habe er sich „durch Herzensgüte u. Volksverbundenheit … doch fehlte auch ein Zug herber Strenge nicht.“ (LThK 8, 1936)

Der menschliche Papst

Pius X. galt als volksnah und einfach und bildete damit einen starken Kontrast zu seinem Vorgänger Leo XIII. Hünermann berichtet in seiner Biografie, dass der Papst zunächst nicht in die Prunkgemächer des Vatikans einziehen wollte: „Ich bleibe lieber im dritten Stock … da unten in den seidebespannten Prunkgemächern mag wohnen, wer will, ich nicht!“

Pius X. soll unter der Last und Enge des Pontifikates sehr gelitten haben und Heimweh nach der lombardischen Weite verspürt haben. Vieles am vatikanischen Protokoll war ihm fremd und wirkte auf ihn abstoßend. So reagierte er heftig, als er merkte, dass sich die Arbeiter versteckten, wenn er die Vatikanischen Gärten betrat: „Ich bin doch kein wildes Tier oder ein Menschenfresser, daß jeden Sterblichen von meinen Wegen vertreibt! Lassen Sie die Leute in Zukunft ruhig weiter ihre Arbeit tun!“ (Hünermann).

Die Herzlichkeit des Papstes beschreibt eine weitere Anekdote: Einmal hatte eine Dame mit ihrem 4-jährigen Sohn eine Audienz bei ihm. Der Sohn legte dem Papst seine Hand aufs Knie. Seine Mutter war schockiert über den Bruch des Protokolls. Pius fragte nur: „Du hast etwas auf dem Herzen, John?“ – „Wann darf ich kommunizieren?“, fragte John den Papst. Nach einer kurzen Unterhaltung stellte Pius die entscheidende Frage: „Wen empfängst du in der heiligen Kommunion?“ – „Jesus Christus!“, antwortete John. „Und wer ist Jesus Christus?“, wollte Pius wissen. John reagierte sofort: „Jesus Christus ist der Gottes Sohn!“. Pius war beeindruckt und sagte seiner Mutter: „Bringen Sie das Kind morgen früh um 6 Uhr hierhier. Ich will ihm selbst in meiner Privatkapelle die heilige Kommunion spenden. Keinen Tag sollst du mehr warten …“ (Hünermann).

Als sich der Erste Weltkrieg immer deutlich ankündigte, wurde Pius immer schwächer. „Meine Kinder!“ Meine armen Kinder! … Ich leide für alle, die auf dem Schlachtfeld sterben! Oh dieser Krieg! – Ich spüre es, dieser Krieg ist mein Tod. Aber ich opfere mein Leben gern für meine Kinder und den Frieden der Welt!“ (Hünermann).

Nachts gegen 01:00 Uhr, am 20. August 1914, verstarb Pius X., der erste heilige Papst seit 500 Jahren. Auf seinem Sarkophag stand: „Arm und reich. Sanft und demütig von Herzen. Der starke Verteidiger der katholischen Sache, bestrebt, alles zu erneuern in Christus, fromm entschlafen am 20. August im Jahre des Herrn 1914.“

Selig- und Heiligsprechung

Pius XII. sprach Sarto 1951 selig und 1954 heilig. In der Ansprache zur Seligsprechung, lobte Pius XII. Pius X. dafür, dass er die exakte Diagnose der Krankheiten und Irrtümer der Zeit geliefert hätte, wie auch das entsprechende Heilmittel. Pius X. habe mit den Augen eines heiligen Hirten die Pflicht gesehen, mit einer christlichen Gesellschaft gegen ein kontaminiertes Christentum, die Zeitirrtümer und die Perversion des Jahrhunderts, vorzugehen. Durch die Klarheit und von einem zarten Gewissen beleuchtet, habe er Beschlüsse getroffen, die nur denjenigen einleuchteten, die von gleichem Leuchten erfüllt seien. Pius X. sei ein „Verteidiger des Glaubens, Herold der ewigen Wahrheit, Hüter der heiligsten Traditionen [gewesen und offenbarte] einen feinen Sinn für die Bedürfnisse, Sehnsüchte und die Energien seiner Zeit. Daher gehört er zu den glorreichsten Päpsten, die auf Erden die treuen Sachverwalter der Schlüssel des Himmelreichs sind und denen die Menschheit jedes Voranschreiten auf dem rechten Wege und jeden wahren Fortschritt verdankt“ (Allocutio zur Seligsprechung Pius’ X. vom 3. Juni 1951).

Bei der Heiligsprechung 1954 pries Pius XII. ihn ebenfalls deutlich: „Man muss anerkennen, dass die Klarheit und Festigkeit, mit der Pius X. den erfolgreichen Kampf gegen die Irrtümer des Modernismus führte, bezeugen, zu welchem heroischen Grad die Tugend des Glaubens in seinem Herzen, dem Herzen eines Heiligen, brannte. Einzig darum besorgt, dass das Erbe Gottes unversehrt für die ihm anvertraute Herde bewahrt werde, kannte der große Papst keine Schwächen im Angesicht jedweder hoher Würdenträger oder Autorität von Menschen, kein Schwanken angesichts verlockender, aber falscher Lehren innerhalb und außerhalb der Kirche, und auch keine Furcht davor, persönliche Beleidigungen und ungerechte Verkennungen seiner reinen Intentionen auf sich zu ziehen. Er hatte eine klare Gewissenhaftigkeit dabei, für die heiligste Sache Gottes und der Seelen zu kämpfen. In ihm erfüllten sich buchstäblich die Worte des Herrn an den Apostel Petrus: ‚Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre, und du … stärke deine Brüder'“ (Lk. 22, 32)“ (Pius XII., Allocutio zur Heiligsprechung Pius’ X. vom 29. Mai 1954).

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Quellen und Literatur:

Arnold, Claus, Kleine Geschichte des Modernismus, Freiburg i. Br. 2007. 

Bierbaum , Max, Pius X., in: LThK 8 (1936), Sp. 311-313.

Carpenter, Humphrey, Tolkien, Christopher (Hg.), The Letters of J.R.R. Tolkien, London 2006, hier: Brief an seinen Sohn Michael, Nr. 250, 1963.

Gasparri, Pietro, Testis 46 (7 ex officio), in: Sacra Rituum Congregatio, Disquisitio PII PAPAE X, Rom 1950, S. 6-11, hier S. 10.

Hünermann, Wilhelm, Brennendes Feuer. Papst Pius X. Innsbruck, Wien, München 1955.

Pius XII., Allocutio zur Seligsprechung Pius’ X. vom 3. Juni 1951, in: AAS 43 (1951), S. 468-478. 

Pius XII., Allocutio zur Heiligsprechung Pius X. vom 29. Mai 1954, in: AAS 46 (1954), S. 307-313. 

Schmidlin, Joseph, Papstgeschichte der neuesten Zeit, Band 3: Papsttum und Päpste im XX. Jahrhundert. Pius X. und Benedikt XV. (1903 – 1922), München 1936. 

Siehe auch:

*Artikel zum Sodalitium Pianum:

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