Prinzipientreue und Frömmigkeit: Thomas More zum Vorbild nehmen

Prinzipientreue und Frömmigkeit: Thomas More zum Vorbild nehmen

Wann ist der Mann ein Mann? – Wenn er zu seinem Wort steht, Mut und Prinzipien hat. Alles das hatte Thomas More. Gekrönt mit katholischem Glauben und Humor ist der englische Jurist das Vorbild eines katholischen Laien. Der Heilige passt gut in die heutige Zeit, weil er als Laie, zusammen mit wenigen Priestern und Mönchen, für die Ehe, die Ehre Gottes und die katholische Kirche einstand, während alle Bischöfe – bis auf John Fisher – untreu wurden.

More stand treu zum König und seiner Familie, aber seine erste Treue galt Gott. In dieser Haltung konnte er alle Verleumdungen und Gehässigkeiten durchstehen. Ein überlieferter Sinnspruch von ihm bezeugt das in unübertrefflicher Weise: „Es ist mir egal, was Menschen über mich sagen, solange Gott mich gutheißt.“ („I do not care very much what men say of me, provided that God approves of me.“)

Geboren wurde Thomas More 1478 in London, wo er auch am 6. Juli 1535 hingerichtet wurde. In Oxford widmete er sich humanistischen Studien und der Rechtswissenschaft. Zeitweise überlegte er, Priester zu werden und war Postulant des Kartäuserordens. Er wählte den Weg als weltlicher Jurist und führte ein streng religiöses Leben. In Chelsea bewohnte er mit seiner Frau und seinen vier Kindern ein Landhaus. Mit Erasmus von Rotterdam stand er im Briefkontakt.

More wurde 1504 ins englische Parlament gewählt und fiel durch Redegewandtheit und Freimut auf. Dadurch lud er die Ungnade Heinrichs VII. (Vater Heinrichs VIII.) auf sich. Deswegen zog sich aus dem öffentlichen Leben wieder zurück und betrieb humanistische Studien. Nach dem Tod Heinrich VII. bekleidete er wieder öffentliche Ämter. Heinrich VIII. schätzte Thomas sehr wegen seiner Bildung und seines reichen Geistes. 1523 wurde er Sprecher des Unterhauses („Speaker of the House of Commons of England“).

Als Wolsey starb wurde More 1529 sein Nachfolger als Lordkanzler. Schon bald geriet er auch mit Heinrich VIII. in Konflikt. More blieb trotz allem „charaktervoll und seiner kath. Überzeugung treu, indem er gegen protestantische u. kirchenfeindliche Tendenzen in Wort u. Schrift entschieden auftrat und den König von seinen unseligen Ehescheidungsplänen u. romfeindlichen cäsaro-papistischen Neigungen zurückzuhalten suchte.“ 1532 nahm More Abschied von allen öffentlichen Ämtern und zog sich erneut ins Privatleben zurück, dabei verlor er fast sein ganzes Vermögen.

Der Rücktritt Mores verhinderte eine Verdächtigung wegen Hochverrats. Doch kurz darauf wurde More wegen angeblicher Annahme von Bestechungsgeldern angeklagt. Die Anklage musste wegen Mangels an Beweisen abgewiesen werden. Anfang 1534 wurde More von Thomas Cromwell beschuldigt, dem „Mädchen von Kent“, der Nonne Elizabeth Barton, Ratschläge gegeben zu haben. Barton hatte prophezeit, dass der König seine Seele ruiniert hätte und wegen seiner Scheidung ein schnelles Ende finden würde. Weil man More nichts nachweisen konnte, wurden beide Anklagen fallen gelassen.

Heinrich VIII. entfernte sich indes immer weiter von der katholischen Kirche. Im März 1534 verabschiedete das Parlament den Act of Succession. Das Thronfolgegesetz besagte, dass alle Kinder Heinrichs VIII. und Anne Boleyns legitime Erben seien. Die Autorität des Papstes wurde abgelehnt und dem König zugesprochen. Ergänzt wurde dieses Gesetz vom Act of Supremacy, das im November desselben Jahres erlassen wurde und die „Anglikanische Kirche“ gründete.

Durch diese Zuspitzung hatte sich Mores Situation deutlich verschlechtert. Er wurde schließlich in den Tower von London geworfen, weil er sich weigerte den Sukzessionseid zu schwören. Als er auch den Suprematseid nicht leistete, wurde er zusammen mit John Fisher des Hochverrates angeklagt und trotz glänzender Verteidigungsrede verurteilt und enthauptet.

Beeindruckend ist der oscarprämierte Film „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“ (1966) mit Paul Scofield als Thomas More. In diesem Film gibt eine Szene, die die Größe dieses Mannes ausdrückt. Seine Tochter Margaret besucht ihn im Tower, bittet ihn, den Eid zu schwören und nach Hause zu kommen. More solle den Eid schwören und im Herzen denken, was er wolle. Er lehnt ab: „Aber ein Eid, Margaret, das sind Worte, die wir zu Gott sprechen … Wenn ein Mann einen Eid ablegt, dann hält er in seinen eigenen Händen sein ganzes Selbst, so wie Wasser. Und wenn einer dann seine Hände öffnet, dann kann er sich selber darin nicht mehr wiederfinden. Viele Menschen versagen vor dieser Aufgabe, aber ich kann mir nicht denken, dass ich zu ihnen gehören würde.“

Thomas More werden edle Charaktereigenschaften zugeschrieben: „sonnige Heiterkeit des Gemüts, köstlicher Humor, strahlende Güte u. Leutseligkeit, hochherzige Nächsten- u. selbst Feindesliebe, tiefe Herzensfrömmigkeit, prinzipienklare, überlegene u. stets schlagfertige Geistesschärfe, unerschrockener Mut u. unverwüstliche Seelenruhe.“

Am 29. Dezember 1886 wurde More zusammen mit 53 anderen englischen Martyrern seliggesprochen und am 19. Mai 1935 mit John Fisher heiliggesprochen.

Papst Pius XI. legte den Festtag Thomas Mores auf den 9. Juli. Paul VI. änderte in der Liturgiereform 1970 das Datum und verschob ihn auf den 22. Juni, den Tag der Hinrichtung von John Fisher. Am 31. Oktober 2000 erklärte Papst Johannes Paul II. More „zum himmlischen Schutzpatron der Staatsmänner und Politiker“. Außerdem ist More Schirmherr der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in Deutschland.

More verfasste mehrere Schriften mit humanistischem Gepräge, sein Werk „Utopia“ (1509-1516) erlangte Weltruf.

Quelle: Schmitt, Alois, Morus, in: LThK 7 (1935), Sp. 334 f.

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