Aufklärung und Atheismus: Wie unsere Gegenwart im 18. Jahrhundert entstand

Die Epoche der Aufklärung prägt unsere Gegenwart mehr als alles andere. Ihr ideologischer Beginn kann zu Beginn des 18. Jahrhunderts angesetzt werden und ihr politischer Erfolg besteht seit der Französischen Revolution fort. Das Christentum wurde durch die Aufklärung maßgeblich beeinflusst und auf eine Art „Kulturchristentum“ reduziert. Fast alle Christen sind heute von den Ideen der Aufklärung beeinflusst und ihr Glaube hat großen Schaden erlitten. Aber nur wenige sind sich dessen bewusst. Es ist Zeit für eine Aufklärung der Aufklärung.

Religionskritik ist eine der Hauptideologien der Aufklärung. Alles, was mit christlicher Offenbarung und Kirche zusammenhängt, gilt als „Verfinsterung des Geistes“ oder gar als „Afterdienst“ (Kant). Das Christentum hat keinen Wahrheitswert mehr, sondern nur noch einen praktischen Nutzen zur Moralerziehung. Anerkannt wird nur noch der Glaube an die „ratio“, der deistische oder gar naturalistische Züge trägt. Kant definierte Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Das ist letztlich nicht anderes als die philosophische Grundlage für die Selbstvergottung des Menschen, wie später gezeigt wird.

Die Aufklärung nach Kant wollte die Vernunft „autonom“ machen, das heißt selbstgesetzgebend und unabhängig von Gottes Geboten und sinnlichen Motiven. Moralisch sei das, was „zum allgemeinen Gesetz werden könne“ und „aus Pflicht“ der Vernunft geschehe“, nicht, was in den Zehn Geboten steht.

Die Aufklärung konnte durch verschiedene historische Ereignisse zu ihrer Macht gelangen: zuerst durch die Katastrophe der Reformation, die das Christentum spaltete, dann durch den brutalen 30-jährigen Krieg, der Europa ins Chaos stürzte und schließlich durch die Zunahme des Wohlstands im 18. Jahrhundert. Kant lieferte in der „Kritik der reinen Vernunft“ (1781) eine radikale Kritik an der traditionellen Metaphysik, die uns bis heute beschäftigt.

Gotteserkenntnis wurde durch Kant in Frage gestellt, ja sogar als unmöglich abgelehnt. Selbst „konservative“ Christen hängen heute oft dem kantischen Irrtum an. Für Kant gilt nur das als sichere Erkenntnis, was auch sinnlich wahrnehmbar ist und durch Prädikate (messbare Eigenschaften) und Sinneseindrücke abgesichert ist. Weil das für Gott nicht gilt, ist Gott für Kant jenseits der Erkenntnis. Gott wird nur noch als Postulat (Forderung) der Moral aufgestellt, weil die Moral sonst unvernünftig wäre. Ohne Gott, Freiheit und die Unsterblichkeit der Seele gibt es für Kant keine Gerechtigkeit für moralisches und unmoralisches Verhalten. Oder anders gesagt: wer glückswürdig ist, muss auch die Möglichkeit haben, glückselig zu werden und das geht nur, wenn es das ewige Leben gibt.

Die Aufklärung, geprägt von Skepsis und Nominalismus, interessiert sich für „messbare“ Fakten. Während das Christentum auf Vernunft-Logik (Scholastik) und Vertrauen setzt, baut die Aufklärung auf Misstrauen, Zweifel und Unglauben. Durch die Aufklärung kam ein starker empirischer Zug ins Denken und an die Universitäten. Ewige Wahrheiten, die Philosophia perennis und scholastische Axiome wurden abgelehnt. Philosophie und Theologie verloren massiv an Bedeutung und „Wissenschaft“ wurde immer mehr zu einer „wissenschaftlichen Methode“, die Messwerte und naturalistische Erklärungen liefern soll.

Kant hat mit der Ablehnung der klassischen Metaphysik die Scholastik getötet und die traditionelle Philosophie. Aristoteles und Thomas von Aquin argumentieren weniger empirisch, sondern vor allem mit Logik. Thomas von Aquin rezipiert Aristoteles in der Philosophie und für ihn folgt aus der Logik, dass es Gott gibt. Warum? Weil man sonst nichts auflösen kann. Thomas argumentiert: In der Welt sei Bewegung. Alles Bewegte werde von einem anderen bewegt, d. h. nichts könne sich selbst die erste Bewegung geben. Die bewegte Welt setze einen ersten Beweger voraus. Diesen unbewegten Beweger würden alle Gott nennen.

Aber Kant und seine Gesinnungsgenossen setzten sich immer mehr durch. Nach und nach wurden die europäischen Universitäten von der Aufklärung eingenommen und erobert. Besonders in Würzburg und durch Georg Hermes in Bonn gelangten aufklärerische Ideen auch an die theologischen Hochschulen.

Der anti-theistische Zug der Aufklärung führte im 19. Jahrhundert zu einer starken Spaltung zwischen rationalistischen Fortschrittspredigern auf der einen und irrationalen Romantikern auf der anderen Seite. Beide sind Kinder der durch die Aufklärung ins Leben gerufenen Spaltung des Menschen in Geist- und Gefühlswesen. Eine Spaltung, die schon auf Descartes zurückgeht.

Die Aufklärung hat sich in den letzten 300 Jahren immer wieder verändert. Kant ist längst überwunden, wenn es um heutige Moral geht. Die Aufklärung hat uns aber einen bis heute gebliebenen Schrecken gebracht: Die Geburt des modernen Gottestodes. Dadurch ist der Mensch an die Stelle Gottes getreten. Das ist auch deshalb möglich, weil die Aufklärung im Kern nicht die Vernunft betont, sondern die Autonomie des Menschen von Gott.

Die Aufklärung hat den Menschen zum Souverän gemacht und diese Souveränität an seine Vernunftbegabung oder nur an seinen Willen gekettet. Objektive Maßstäbe spielen dann keine Rolle mehr, denn Souveränität steht über den Fakten. So kommt es, dass heute alles, was der Mensch wollen kann und artikuliert als unhinterfragbare Offenbarung eines „Gottes“ daherkommt. Einzige Einschränkung ist, dass er dadurch die „Selbstbestimmung“ eines anderen „Gottes“, seines Nächsten, nicht einschränke. So kann heute ein biologischer Mann sagen, er sei aber eigentlich eine Frau, der Regenbogen stehe für Homosexualität und die Ehe für alles und nichts.

Niemals hat der Mensch es aber geschafft, seine eigenen Interessen nicht auf Kosten anderer zu leben. Der Mensch ist gefallen, verwundet und unfrei. Das Christentum nennt das Erbsünde. Ohne Gnade von außen kann er nicht werden, was er sein soll.

Die gegenwärtigen Opfer der Aufklärung sind die Opfer von Abtreibung und Euthanasie. Durch Abtreibungen werden Frauen zutiefst verletzt und ihre Kinder von Ärzten getötet. Durch die Euthanasie werden alte und kranke Menschen entweder getötet oder ihr Suizid ermöglicht. Das alles geschieht im Namen der Selbstbestimmung. Nie hat eine Ideologie mehr Tote gefordert, nie hat sie sich so gut verstecken können hinter den Wänden von Arztpraxen und Krankenhäusern.

Wer den souveränen Menschen einschränkt, gilt als Fremdbestimmer, als Tyrann und Diktator. Nichts fürchtet der „aufgeklärte“ Mensch mehr als „Heteronomie“. Nicht einmal Gott selbst, an dessen Existenz er zweifeln muss, darf ihm ins Handwerk pfuschen.

Die ganze Sache hat einen Haken. Es gibt eine Natur der Dinge und es gibt Gott. Wenn wir das nicht beachten, gehen wir unendlichem Leid entgegen. Glaube oder Unglaube ändern nichts an Gott, aber alles an uns.

Siehe auch: Massenmord und Menschenrechte: Die Französische Revolution

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