Teresa von Ávila

Teresa von Avila oder Teresa von Jesus, Teresa die Große, Teresa von Spanien ist eine heilige Karmelitin aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurde als adeliges Kind am 28. März in Avila geboren (3. von 9 Kindern). Ihr Vater war Alfonso Sanchez de Cepeda, ihre Mutter Beatrix de Ahumada.

Schon als Kind suchte sie auf Grund der Lesung frommer Bücher mit ihrem Lieblingsbruder den Martyrertod. Neben frommen Büchern las sie leidenschaftlich die damals beliebten Ritterromane und versuchte selber, solche zu schreiben. Als sie 12 Jahre alt war, starb ihre Mutter und sie weihte sich der Muttergottes. Der ungünstige Einfluss einer leichtlebigen Freundin auf sie machte ihren Vater und ihre älteste Schwester besorgt.

Der Gedanke zu heiraten und ein ausgeprägtes Ehrgefühl bewahrten sie vor Fehltritten. Mit 16 Jahren wurde sie zur weiteren Erziehung den Augustinerinnen übergeben, schwankte zwischen Ehe- und Klosterberuf. Infolge einer nervösen Erkrankung kehrte sie zum Vater zurück; die Lesung der Briefe des hl. Hieronymus entschied ihren Ordensberuf.

Sie trat am 2. November 1535 in das Kloster der Menschwerdung zu Avila ein. Nach der Gelübdeablegung wieder erkrankt, begab sie sich zu ihrem frommen Onkel, bei dem sie das innerliche Gebet aus dem „Dritten geistlichen ABC“ des Franziskaners Franz von Osuna kennenlernte. Trotz einer Kur in Becedas kam sie dem Tode nahe; vier Tage lag sie scheintot da. Die Moralia in Job Gregors des Großen verstärkten in ihr den Zug zum Beschaulichen, den nach ihrer Rückkehr ins Kloster viele Freundschaften und Zerstreuungen wieder unterdrückten.

Der Tod des Vaters 1543, die „Bekenntnisse“ des hl. Augustin, ihr neuer Beichtvater, Vincente Baron, und eine Erscheinung Christi führten sie endgültig dem mystischen Leben zu: Gebet der Ruhe, der Vereinigung und der Ekstase. Im Kloster entstand eine Bewegung gegen sie. Von berühmten Geistesmännern erklärten sich einige (u.a. der hl. Franz de Borja) für, andere gegen ihre mystischen Zustände. Jesuiten, besonders Balthazar Alvarez SJ übernahmen ihre Seelenführung. Nach Indizierung der damaligen kastilianischen Frömmigkeitsliteratur durch die Inquisition blieben Teresa nur noch die Heilige Schrift und das Leben der Heiligen.

Seit 1561 waren Dominikaner, besonders Domingo Báñez OP ihre Seelenführer. Den Franziskanern verdankte sie die Kenntnis des innerlichen Gebets, den Jesuiten strenge Zucht des Seelenlebens, den Dominikanern den Sinn für das Apostolat. Die Überzeugung, dass es „für Eltern besser wäre, ihre Töchter zu verheiraten, als in Klöster ohne strenge Zucht ein treten zu lassen“, legte der Heiligen die Reform des Karmelitenordens nahe.

Von Dona Guiomar de Ulloa geldlich unterstützt, gründete sie nach Überwindung großer Widerstände auf Grund eines päpstlichen Dekrets und mit Erlaubnis des Bischofs von Avila das 1. Reformkloster zum hl. Josef und nannte sich von an Teresa von Jesus. Weiterer Gegnerschaft begegnete das Eingreifen Philipps II. und ein zweites päpstliches Dekret. Drei Mitarbeiter standen ihr im Reformwerk zur Seite: Johannes vom Kreuz, Antonio de Herédia und Hieronymus Gracián a Matre Dei. Die Gründungen vollzogen sich in drei Perioden: 1567-71 Medina del Campo, Malagon, Valladolid, Toledo, Pastrana, Salamanca. Alba de Tormes (ein Verbot des Provinzials unterbrach die Gründungstätigkeit); 1574-76 Segovia, Veas, Sevilla, Caravaca (heftiger Kampf zwischen der milden und der strengen Richtung unterbrach wiederum); 1580-82 Villanueva, Palencia, Granada, Burgos.

Die ganze Zeit hatte die Heilige unsäglich zu leiden unter Widerständen, Feindseligkeiten, Verfolgungen, Verleumdungen und unter schweren Sorgen um ihre Familie. Auf dem Weg von der letzten Gründung Burgos nach Ávila führte heroischer Gehorsam sie nach Alba de Tormes, wo sie todkrank ankam. Sie empfing die Sterbesakramente, lag 14 Stunden bis zum Tod, das Kreuz umklammernd, mit entflammtem Angesicht in seraphischer Beschauung und starb am 4. Oktober 1582 in den Armen ihrer Gefährtin Anna vom heiligen Bartholomäus. Am folgenden Tag trat die Kalenderreform Gregors XIII. in Kraft, worauf auf dem 4. Oktober direkt der 15. Oktober folgte, ihr Festtag.

Ihr Leib, obwohl tief in die feuchte Erde gesenkt, war nach zwei Jahren noch unversehrt. Er ruht heute in einem kostbaren Schrein auf dem Hochaltar der Karmelitinnenkirche in Alba de Tormes. Ihr von einem Seraph mit einem Pfeil durchbohrtes Herz (Fest der Transverberatio cordis S. Theresiae am 27. August) ist in einem Kristallgefäß aufbewahrt.

Teresa von Avila wurde am 24. April 1614 selig und und am 12. März 1622 heiliggesprochen. Ein Karmelitenbruder, Johannes a Miseria, malte sie zu Lebzeiten. Darnach richteten sich spätere Künstler.

Teresa war nach einer zeitgenössischen Beschreibung von anmutiger, würdevoller Gestalt und bezwingender Liebenswürdigkeit. Sie war ebenso groß als Mensch wie als Heilige. Der Zug ins Große, Geniale, Heroische (vgl. ihr Gelübde, stets das Vollkommenere zu tun) lag ihr im Blute. Sie war aufgeschlossen für alles Wahre, Schöne, Gute und Heilige, assimilationsfähig und doch ursprünglich und schöpferisch. Sie lebte ganz in ihrer Gottes- wie Nächstenliebe. Ihre Frömmigkeit hat nichts Düsteres, Weltverneinendes, atmet vielmehr Liebe und Freude für alles und alle. Sie ist eine der vollendetsten, harmonischsten Persönlichkeiten, von seltener Autorität und Organisationshingabe, mit ausgeprägter Anlage zu Gemeinschaft und Freundschaft. Bossuets sagte über sie: Teresa allein hat in der Mystik dieselbe Bedeutung wie Thomas von Aquin in der Dogmatik.“

Pius X. hob hervor, dass Teresa die seelische Seite im mystischen Erleben einzigartig beschreibe. Er bezeichnete sie deshalb als „Meisterin der Psychologie der Mystik“. Von allen Mystikern, soweit wir über sie unterrichtet sind, erstieg Teresa die höchste hienieden erreichbare Stufe mystischer Gottvereinigung. Ihre Darstellung zeichnet sich durch Unmittelbarkeit und Klarheit aus. Teresa gebrauchte für Mystik den Ausdruck „übernatürliches Gebet“. und verstand darunter ein Gebet, das nicht von unserer, sondern von der Initiative Gottes abhängt. Das mystische Erleben vollzieht sich in der Seele, insofern sie reiner Geist ( espiritu im Gegensatz zu alma) ist und als solcher sich betätigen kann. Ziel ist der Mystik ist die vollkommenste Gottvereinigung in der Liebe.

1944 ernannte Pius XII. sie zur Schutzpatronin der Schachspieler. 1970 wurde sie von Paul VI. als erste Frau zur Kirchenlehrerin ernannt.

Festtag: 15. Oktober

Attribute: Herz, Pfeil, Taube

Patronate: Spanien, Kranke, Ordensleute, Menschen, die wegen ihrer Frömmigkeit verspottet werden, Klöpplerinnen, Požega, Kroatien, Talisay City, Cebu, Philippinen

Quelle: Alois Mager OSB, Theresia von Jesus, in: LThK 10 (1938), Sp. 90-95.

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