Dienstag, 9. August 2022

Charismatische Bewegungen haben falsche Grundlagen

Auf dem Weltjugendtag 2008 in Sydney sang Darlene Zschech von „Hillsong United“ „Worship-Songs“. Mission: „Ganz viel Gefühl“. So in etwa wie „My Heart Will Go On“, Herzschmerz und Sehnsucht, aber christlich. Ich glaube, dass solche Auftritte eher schlechte Celine-Dion-Kopien sind und weder die Musik noch den Glauben voranbringen. Ich gehe sogar noch weiter und sage, dass charismatische Bewegungen falsche Grundlagen haben.

Warum sage ich, dass charismatische Bewegungen falsche Grundlagen haben? Weil sie den Glauben ganz falsch verstehen. Sie schaffen keinen Glauben, sondern Gefühle. Sie schaffen nicht Glaube, Hoffnung, Liebe, sondern bestärken den Ich-Kult der Moderne, indem sie Glauben zum Gefühl machen. Verstand und Vernunft bleiben auf der Strecke. Sie bleiben das Feld der kalten Berechnung, während der Mensch „im Herzen“ eine Ruhestätte für den Gefühlsgott hat. So kommen keine nachhaltigen Bekehrungen zustande.

Was heißt Glauben? Thomas von Aquin behauptet, dass der Glaubensakt wesentlich im Wissen besteht. Glaube ist ein intellektueller Akt, dessen Gegenstand die Wahrheit ist. Er hat sowohl einen subjektiven als auch einen objektiven Aspekt. Von Seiten des Subjekts ist es die Zustimmung des Verstandes zu dem, was nicht gesehen wird: „Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1). Außerdem kann diese Zustimmung als Willensakt für den Gläubigen verdienstvoll sein, auch wenn sie immer auch den Beistand der Gnade Gottes einschließt.

Glaube ist also das Gegenteil von „fühlen“, er ist eine intellektuelle Handlung mit dem Beistand der Gnade. Glauben heißt, die Wahrheit annehmen. Gefühle können als Nebenprodukt hinzukommen, als Freude über die Wahrheit, sie sind aber nicht nötig. Gefühle haben mit Glauben nichts zu tun, auch nicht mit dem Willen oder mit dem Herzen, sie sind im Kern eine ganz egozentrische Regung. Sie können motivieren, mehr nicht. Rafael Hüntelmann schreibt: „Jede menschliche Tätigkeit soll so sein, dass der Verstand führend ist. Man sollte sich also weder vom ‚Bauchgefühl‘ leiten lassen noch von Emotionen, Gefühlen oder der Sinnlichkeit. Wer sich von der Sinnlichkeit leiten lässt, isst z.B. mehr als vernünftig ist und wird auf die Dauer krank. Wer sich von seiner Wut beherrschen lässt, kann z.B. andere Personen verletzten und handelt somit böse.“

Wenn wir unseren Glauben von Gefühlen abhängig machen, bleiben wir im Ich gefangen, schwach und manipulierbar – und der Glaube beherrscht dann auch nicht unser ganzes Wesen. Der Gefühlskult ist ein Produkt der Moderne, die die Wahrheit ausklammert und stattdessen mit „guten Gefühlen“ neue Konsumenten gewinnen will. Christus aber fordert das „Ja“ von unserem Verstand.

Es ist uns nicht verheißen, dass wir uns „gut fühlen“ sollen, wenn wir an Christus glauben. Christus sagt das Gegenteil: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ Lk. 9, 23). Der Heilige Geist ist kein Gefühlsgeist. Seine Gaben sind Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und  Gottesfurcht.

Franz Xaver ging nach Indien und Japan und starb einsam vor einer Insel in China. Pater Damian De Veuster ging in eine Lepra-Kolonie infizierte sich selbst und starb. Sie haben sich dabei kaum gut fühlen können. Aber sie haben Zeugnis gegeben: Gott ist größer als der Tod.

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