Montag, 3. Oktober 2022

„Maria braucht kein Update!“: MARIA 1.0 im Cathwalk-Interview

Cathwalk: Vielleicht gibt es CATHWALK-Leser, die heute das erste Mal von Euch hören. Könnt Ihr kurz beschreiben, was Ihr macht und worin Ihr Eure Aufgabe seht?

MARIA 1.0: Maria 1.0 wurde 2019 als Reaktion auf Maria 2.0 gegründet, in der Erkenntnis, dass es viele Frauen gab und gibt, die in der katholischen Kirche Heimat gefunden haben und sich mit den Thesen von Maria 2.0 nicht identifizieren können. Unsere Aufgabe ist vor allem, die katholische Lehre in ihrer Schönheit und Wahrheit zu verbreiten und Sprachrohr zu sein für alle Katholiken, die eine positive Haltung gegenüber der Kirche und dem Papst haben. Wir verbreiten durch mediale Präsenz Informationen zur katholischen Lehre, vernetzen Katholiken, reagieren auf aktuelle Geschehnisse in der katholischen Kirche, und gestalten so den Diskurs rund um katholische Themen mit. Dabei sind bei Maria 1.0 nicht nur Frauen, sondern auch Männer jeden Alters erwünscht. Unsere Aktivität ist dabei nicht nur auf Deutschland begrenzt, sondern sie erstreckt sich über den gesamten deutschsprachigen Raum.

Vom Etikett her fallt Ihr aus dem üblichen Raster: Ihr nennt euch nicht „konservativ“ oder „progressiv“, sondern „marianisch“. Was versteht Ihr darunter?

Wir sind marianisch in dem Sinne, dass wir die Gottesmutter als Vorbild nehmen. Wie Maria lieben wir die Kirche, die Jesus gegründet hat! Wie Maria wollen wir Jesus und seine heilbringende Botschaft in uns tragen und an andere weitergeben, für das Heil und die Erneuerung aller Menschen, was ja auch die Aufgabe der Kirche ist. Und wie Maria wollen wir mit Demut auf Gottes Willen hinhören und somit uns nach der Lehre seiner Kirche ausrichten, statt einen sich von dieser Lehre unterscheidenden eigenen Weg zu gehen und die Kirche wie einen weltlichen Verein zu sehen und sie zu verändern zu versuchen.

Es gibt ja das anti-katholische Paradox, welches manchmal in Internet-Diskussionen gesichtet werden kann: Besonders illustre Online-Schriftgelehrte behaupten ja nicht nur die Bibel auswendig gelernt zu haben, sondern schmeißen auch mit Vers und Fußnote um sich, gipfelnd im Vorwurf, die Katholiken hätten Maria zum Götzen erhoben. Was sagt Ihr diesen „Social-Media-Bibelforschern“?

Maria ist in keiner Weise mit Gott gleichgestellt, sie ist auch Mensch und Geschöpf Gottes; sie ist keine Göttin. Aber wir glauben, dass Gott sie auf wunderbare Weise vor Adams Erbsünde bewahrt hat, als eine besondere Gnade für sie als Mutter Jesu.

Verwirrung besteht häufig zwischen der Verehrung, die der Gottesmutter (und den Heiligen) entgegengebracht wird, und der Anbetung, die allein Gott gebührt. Dies sind zwei unterschiedliche Sachen. Im Griechischen gibt es drei Begriffe: doulia ist die Ehre, die wir den Heiligen aufgrund ihrer Nähe zu Gott und ihrem Vorbild entgegenbringen. Hyperdoulia (sprich: ganz viel doulia) gehört der Gottesmutter. Und latria ist die wahre Anbetung, die nur für Gott bestimmt ist. Was die Bibel angeht: Im Alten Testament hat vor allem die Mutter des Königs, nicht seine Frau, als Königin (hebr. gebirah) gegolten. Diese hatte im Haus Davids eine besonders hohe Stellung und galt als Ratgeberin und Fürsprecherin. Als Mutter Jesu – Mutter des Königs der Könige – hat dementsprechend auch Maria diese Rolle.

Mal angenommen, es kommt ein indischer Pfarrer auf Euch zu, der noch nicht lange in Deutschland lebt. Daheim sieht er arme Menschen und volle Kirchen und hier das exakte Gegenteil und er fragt: „What´s wrong with Germany?“. Was würdet Ihr antworten?

Es geht uns hier in Deutschland einfach zu gut! Wir sind eine wohlhabende Gesellschaft, in welcher materielle Dinge und der Aufstieg in der Karriereleiter oder in der Gesellschaft als höchstes Gut zählen. So denken Leute, dass sie Gott nicht brauchen. Sie können alles selber erreichen, wenn sie nur hart genug arbeiten und sich lange genug optimieren. Jesus hatte zu Recht gesagt, man kann nicht zwei Herren dienen: Gott und dem Mammon. Wenn das eine sehr wichtig wird, wird das andere unwichtig. Das bedeutet nicht, dass alle in Armut leben sollen, aber alles soll seinen richtigen Platz in unseren Herzen haben, damit Geld und Geschöpfe nicht zu Götzen werden.

Man kann oft beobachten, dass „ausgerechnet“ besonders traditionelle Gemeinden und Verbände einen wesentlich jüngeren Altersdurchschnitt haben als das „liberale“ Pendant und auch an Euch kam schon der leicht neidige „Vorwurf“, was Euch denn eigentlich einfalle, so jung zu sein. Woher kommt das? Müsste es nicht genau umgekehrt sein?

Die ältere sogenannte 68er Generation, die heute als eher liberal gilt, ist in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen. Es war eine Zeit des Umbruchs: das Zweite Vatikanum, die Frauenbewegung, die sexuelle Revolution, all das fällt in diese Zeit. Die Leute sind mit dieser Mentalität aufgewachsen, das Alte sei schlecht, alles müsse verändert werden und Frauenrechte müssten erkämpft werden. Und diese Mentalität prägt sie offensichtlich heute noch. Sie betrachten Traditionen als irgendetwas Schlechtes, als etwas, was sie einengt und was unbedingt weggeworfen werden soll. Unsere Generation dagegen ist nicht so geprägt. Wir haben keine schlechten Erfahrungen mit Traditionen gemacht. So können wir diese unvoreingenommen kennenlernen und wertschätzen. Wenn auch die junge Generation Traditionen schätzt, mit denen sie nicht unbedingt aufgewachsen ist, ist dies nicht ein Zeichen, dass an diesen Traditionen wohl etwas Gutes dran ist.

Nicht von einem rebellischen Laien, sondern von einem Bischof – nämlich dem großartigen Fulton J. Sheen – stammt der Spruch, dass die einfachen Gläubigen ihre Bischöfe und Priester daran erinnern sollen, wirklich auch Bischöfe und Priester zu sein. Wie seht Ihr das und welche Erfahrungen habt Ihr damit gemacht?

Manchmal ist es leider tatsächlich so, dass die Bischöfe und Priester ihre dem kirchlichen Lehramt entsprechenden Aufgaben versäumen. In Deutschland sind es derzeit mehrere Bischöfe, die eher dem Zeitgeist folgen als der Lehre der Kirche. Dann sollen tatsächlich die Gläubigen die Bischöfe daran erinnern, was ihre Aufgabe ist: die Lehre der Kirche treu zu bewahren und weiterzugeben, und für die Einheit der Weltkirche zu sorgen. Wir hoffen, dass unsere Pressemitteilungen, Reaktionen auf aktuelle Geschehnisse, und Informationen zu Glaubensinhalten einen Beitrag dazu leisten können.

Von Euch stammt ja die Postkarten-Aktion „DANKE PRIESTER“. Was hat es damit auf sich, läuft die Aktion noch und was war bisher die schönste Reaktion darauf?

Wir finden es wichtig, für Priester zu beten und ihnen Wertschätzung für ihren Dienst entgegenzubringen. Priester sind in ihrem Amt Repräsentanten Christi, sie sind uns geistliche Väter und spenden uns die Sakramente, die unentbehrlich für unser Heil sind. Doch Priester zu sein ist heutzutage keine einfache Aufgabe, und sie werden in den Gemeinden leider nur selten wahrgenommen, oft sogar angefeindet. Dank erhalten sie selten, obgleich er ihnen gebührt. Wir haben deshalb Postkarten gestaltet, die man Priestern persönlich schenken kann, um ihnen für ihren Dienst zu danken. Diese können auf unserer Website bestellt werden. Unsere persönliche Erfahrung zeigt uns dabei, dass sich die Priester riesig freuen, ein liebes Wort zu hören und nicht zuletzt ganz häufig einfach sprachlos sind.

Mal angenommen, es finden sich in einer Pfarrei oder Region ein paar Leute, die von MARIA 1.0 ganz begeistert sind: Was können die konkret tun?

Am besten, von uns erzählen und unsere Flyer weitergeben, damit auch andere von Maria 1.0 erfahren! Es ist uns ein Anliegen, Gleichgesinnte zu vernetzen, und wir haben Regionaltreffen für Katholiken, die sich mit Maria 1.0 identifizieren. Diese finden in alphabetischer Reihenfolge der Bistümer statt, zuletzt für das Bistum Köln. Weiter besteht auch die Möglichkeit, sich einer bereits bestehenden Regionalgruppe anzuschließen. Des Weiteren kann man sich auf unserer Webseite als Unterstützer eintragen, und/oder auch unseren Newsletter per Mail abonnieren. Darüber hinaus haben wir ein ehrenamtliches Mitarbeiterteam von ca. 50 Leuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich in unterschiedlichen Bereichen engagieren. Gerne können Interessenten per Mail Kontakt mit uns aufnehmen.

Ansonsten freuen wir uns über Unterstützung durch Spenden und vor allem Gebet.

Jemand zieht die Karte „Bankirrtum zu Deinen Gunsten“ und möchte MARIA1.0 finanziell unterstützen. Nehmt Ihr Spenden an und falls ja, wie setzt Ihr die ein?

Wir finanzieren unsere Arbeit ausschließlich durch Spenden und erhalten keinerlei Kirchensteuermittel. Wir sind deshalb sehr dankbar für jede Unterstützung, denn ohne Spenden wäre unsere Arbeit nicht möglich. Wir haben eine Treuhandstiftung, durch die unsere Projekte finanziert werden. Die Spenden dienen vor allem: dem Beschaffen und Versenden von Material; Ausgaben für Werbemaßnahmen auf Social-Media; Übernahme von Fahrtkosten unserer Vertreter bei Veranstaltungen (z.B. Katholikentag, Kongress „Freude am Glauben“, usw.).

Die Kontodaten für Spenden sind Folgende:

Kontoinhaber: Maria 1.0 Stiftung

IBAN: DE20 7102 2182 0033 4986 83

BIC: HYVEDEMM453

Bank: HypoVereinsbank


Link zur Homepage von MARIA 1.0:

https://mariaeinspunktnull.de

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