Montag, 3. Oktober 2022

Wir haben vergessen, was Liebe ist und deswegen zerbricht alles

Wenn man bei Google „Liebe“ eingibt, kommt oben als Ergebnis ein Auszug aus Wikipedia: „Liebe (über mittelhochdeutsch liep, „Gutes, Angenehmes, Wertes“ von indogermanisch *leubh- gern, lieb haben, begehren) ist eine Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung.“ Darunter kommen Schlagzeilen von TV Digital wie „Sturm der Liebe“. Weiter unten erscheinen Zeitungsartikel aus der Süddeutschen und der Zeit mit Titeln wie „Liebe: Die heißeste Verbindung zwischen zwei Menschen“

Das ist alles Boulevard und zeigt, dass wir nicht mehr wissen, was Liebe ist. Das Gefühl, das man als Liebe bezeichnet, Verliebtsein, ist zunächst einmal Selbstliebe: man liebt das Gefühl, das jemand einem gibt und darin sich selbst. Im besten Fall erkennt man dadurch etwas Größeres und es ist es eine Motivation für eine gottgegebene Ehe. Im schlimmsten Fall führt es zu Ehebruch und Scheidung. Gefühle haben mit Liebe erst mal wenig zu tun.

Die große Tragik unserer Zeit ist, dass wir heute alles nur auf uns selbst beziehen, nicht nur, sondern besonders die Liebe. Liebe heißt heute „ein gutes Gefühl“ haben. Damit ist Liebe nicht viel mehr als Alkoholgenuss. Liebe wird aber in der abendländischen und christlichen Tradition, in der Tradition, die unsere Kultur und Kathedralen baute, anders gesehen. Liebe heißt, sich hinzugeben, weil man andere bejaht. Liebe ist Opferbereitschaft, Liebe ist Leiden, Liebe ist: Ich will das du bist und dafür gebe ich mein Leben. Liebe ist vor allem eine Sache des Willens. Und vor allem geht es um andere, nicht um mich.

Liebe leben alle Familien, die sich füreinander hingeben. Liebe lebt der Soldat, der aus Liebe sein Vaterland mit seinem Leben verteidigt. Liebe lebt der Priester, der sein Leben gibt, um Seelen zu retten. Der Schauspieler Shia LaBeouf hat es im Interview mit Jon Bernthal so ausgedrückt: „[Pater Pios] Aufgabe war es, für andere zu leiden. Ich fragte mich, worum es in diesem Job geht. Es geht darum, da zu sein und auszubluten.“

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Man kann es auch literarischer sagen. Tolkien erklärt Liebe und Opferbereitschaft im Buch „Der Herr der Ringe. Die Rückkehr des Königs“ als Sam Frodo fragt, warum er nicht im Auenland bleiben kann:

„Aber“, sagte Sam, und Tränen traten ihm in die Augen „ich dachte, auch du würdest noch Jahr um Jahr am Auenland deine Freude haben, nach alldem, was du getan hast“ – „Das dachte ich auch einmal. Aber ich bin allzu tief verwundet, Sam. Ich habe das Auenland zu retten versucht, und es ist gerettet worden, doch nicht für mich. So geht es oft zu, Sam, wenn etwas in Gefahr ist: Der eine muss es aufgeben, es verlieren, damit die anderen es behalten können.“ 

Liebe schafft neues Leben. Dazu muss man Opfer bringen. Aber es gibt nichts Größeres als etwas aus Liebe zu tun.

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