Dienstag, 6. Dezember 2022

Das Synodale Anti-Evangelisierungsprogramm

Der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing hat am 4. September beim Ludgerusfest – nur wenige Tage vor dem Beginn der IV. Vollversammlung des Synodalen Weges – eine programmatische Predigt gehalten. Bekennerhaft stellte er fest: „Wir gehen auf eine neue Ära zu.“ Bätzing skizziert in einem ausgiebigen Exkurs die Welt des heiligen Liudger im 8. Jahrhundert, zieht Parallelen zur Gegenwart und bemerkt kampfeslustig: „Wie kommen … durchaus kluge Köpfe heutzutage zu der völlig ungeschichtlichen Behauptung, die Kirche habe keine Vollmacht, ihre Lehre in der Auseinandersetzung mit der Gegenwartskultur und ihren Prägungen zu verändern, denn dies bedeute Treulosigkeit gegenüber Christus und seinem Evangelium? Ich bin – nicht zuletzt im Blick auf unser Ringen um Veränderungen im Synodalen Weg – entschieden anderer Meinung: Die Weigerung der Kirche, ihr Verhältnis zur Welt zu bedenken, bedeutet nicht Treue zur apostolisch grundlegenden Vergangenheit, sondern sie verrät damit ihre geschichtlich bezeugte stete Durchdringung von Kirche und Welt, die durch ihre gegenseitige Veränderung zu einer beispiellosen Erfolgsgeschichte der Kirche geworden ist.“ Die Begriffe lassen staunen. Die „Erfolgsgeschichte der Kirche“? Bischof Bätzing spricht, als diskutierte er über Anpassungsstrategien eines säkularen Unternehmens, das sich neu profilieren muss, um weltlich wettbewerbs- und konkurrenzfähig zu bleiben. Von der „Erfolgsgeschichte“ spannt Bätzing den Bogen in der Sprache der seelenlosen Ökonomie weiter: „Für mich ist die Auferstehung unseres Herrn und die Hoffnung, die für uns daraus erwächst, die größte Errungenschaft der Menschheitsgeschichte, der entscheidende Wandel

einer Ära, den Gott selbst herbeigeführt hat.“ Die Auferstehung Christi versteht der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz als die „größte Errungenschaft der Menschheitsgeschichte“? Das hat mit römisch-katholischer Theologie nichts mehr zu tun – und auch orthodoxe wie protestantische Christen werden über markige Worte wie diese auch nur verwundert den Kopf schütteln.

Bischof Bätzing streitet für den „Dialog mit der Gegenwart“, dem sich ja nie niemand verweigert – höchstens der geschmeidigen Anpassung an den postmodernen Zeitgeist. Bätzing aber findet es „diffamierend“, wenn heute – so vielleicht etwa den Vordenkern des Synodalen Weges – „billige Zeitgeistigkeit“ unterstellt wird. Reform sei der „beständige Weg der Kirche“: „Insofern müssen wir uns auch die Frage stellen, was denn eigentlich zum Kern der Wahrheit des Christentums gehört und ob nicht möglicherweise bestimmte Aspekte der Lehre die Wirksamkeit der Wahrheit des Glaubens eher belasten und behindern, obwohl sie keineswegs zu den Grundlagen des christlichen Glaubens zählen.“

Auf den Gedanken, dass die verbindlich gültige Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte die „Wirksamkeit der Wahrheit des Glaubens“ mindern kann, muss man erst einmal kommen. Einfach gläubige Katholiken und vermutlich auch nicht wenige der von Bischof Bätzing genannten „durchaus klugen Köpfe“ möchten nichts, aber auch gar nichts über die vermeintliche „Erfolgsgeschichte der Kirche“ oder die Auferstehung des Herrn als „größte Errungenschaft der Menschheit“ hören, sondern vom Evangelium Jesu Christi und der Lehre der Kirche. So verkünden wir den Tod des Herrn am Kreuz und preisen seine Auferstehung, bis Er wiederkommt in Herrlichkeit. Und seien Sie gewiss und getrost, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, dieser Tag steht uns allen bevor. Der emeritierte Hildesheimer Bischof Norbert Trelle sagte in diesem Sinne gern in Predigten zu Kirchweihfesten: „Das Beste kommt noch!“  

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