Dienstag, 6. Dezember 2022

Moderne Führungs- und Managementkultur aus dem (heiligen) Geist der Tradition

In der wirtschaftlichen Führungs- und Managementkultur ist der Begriff ‚New Work‘ seit einigen Jahren in aller Munde.

Dahinter verbirgt sich die Transformation der modernen Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung, den sich daraus ergebenden technischen Möglichkeiten für die Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung und nicht zuletzt die Ansprüche der auf den Arbeitsmarkt drängenden Generation Z.

Dabei kann die Generation Z durchaus selbstbewusst auftreten – stehen ihr doch mit oft guter Ausbildung viele Türen offen – gleichzeitig werben die Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels teilweise händeringend um gutes Personal.

Im Unterschied zu vorhergehenden Generationen stellt die Generation Z nicht das Geldverdienen oder das berufliche Prestige in den Vordergrund, sondern möchte mit ihrer Arbeit etwas Sinnvolles bewirken. Gleichzeitig reagieren die jungen Männer und Frauen dieser Generation recht verschnupft auf allzu autoritäre Führungskräfte oder gar solche, die ihre Mitarbeiter schikanieren. In diesen Fällen fällt ihnen der Wechsel des Arbeitsgebers relativ leicht.

In der Folge gewinnt auch eine neue Generation von Führungskräften an Bedeutung.

Gefragt ist inzwischen weniger der Macher, der durchentscheidet, sich regelmäßig Zwischenergebnisse der Arbeit zur Kontrolle vorlegen lässt und seine Mitarbeiter als Ausführende seines eigenen Genius betrachtet, sondern der zurückhaltende, empathische und demütige Chef, der vor allem die Stärkung und Entfaltung seiner Mitarbeiter im Blick hat.

Der Gedanke und die Erfahrung dahinter sind unter anderem, dass gestärkte und kreative Mitarbeiter durch ihre eigenen Talente, Fähigkeiten und deren Weiterentwicklung zu einem größeren Unternehmenserfolg beitragen.

Für diesen Führungsstil gibt es tatsächlich einen Namen: ‚Humble Leadership‘. Übersetzt bedeutet dies „demütige, bescheidene Führung“.

Zurückhaltung und Demut darf freilich nicht mit Schwäche verwechselt werden, im Gegenteil. Die Stärke dieser Führungskräfte liegt gerade in ihrer demütigen Zurückhaltung. Sie stellen nicht den Gewinn um jeden Preis und auf Kosten möglichst reibungslos funktionierender Mitarbeiter in den Vordergrund, sondern die Mitarbeiter selbst.

Sie sehen ihre wichtigste Aufgabe darin, eine Kultur der Geborgenheit für ihre Mitarbeiter zu schaffen und diese dadurch dazu zu befähigen, ihre eigenen Talente und Potentiale zu erschließen.

Soweit so gut – was hat das alles nun mit dem (heiligen) Geist der Tradition zu tun?

Verdeutlichen möchte ich dies an dem Beispiel des Unternehmers Bodo Janssen. Nach eigener Aussage war er jahrelang ein „schlimmer Chef“. Als er in seinem Unternehmen eine Umfrage durchführte und um ein Feedback bat, war das Ergebnis nicht besonders vorzeigbar.

Daraufhin begab er sich in einem Benediktinerkloster auf die Suche und fand die Antwort in der Regel des hl. Benedikt, die er nun in der modernen Arbeits- und Berufswelt umsetzt.

Er hat zu diesem Weg mehrere Bücher geschrieben und, so könnte man sagen, in seinem Unternehmen, einer Hotelkette, eine Kultur der Wertschätzung und des Zuhörens etabliert.

Es sind diese Empathie und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern, die wesentliche Eckpfeiler des ‚Humble Leadership‘ bilden

Bodo Janssen beschreibt sich in den Texten, die ich von ihm gelesen habe, nicht explizit als Katholiken. Dennoch bildet für ihn die Regel des hl. Benedikt den Ausgangspunkt und den roten Faden seiner Unternehmenskultur.

Dass sich der hl. Benedikt für seine Ordensregel vom Heiligen Geist leiten ließ, dürfen wir hingegen guten Glaubens annehmen.

So findet die benediktinische Spiritualität Eingang in die moderne Arbeits- und Berufswelt und leitet die Menschen zu einem achtsamen, empathischen und wertschätzenden Umgang untereinander an – mit wirtschaftlichem Erfolg, wie Bodo Janssen anhand des Wachstums seines Unternehmens bestätigt.

Manch einer mag sich nun noch fragen, ob der klingende Ausdruck ‚New Work‘ – ‚Neue Arbeit‘ ein Modebegriff ist, der in einiger Zeit wieder in der Versenkung verschwinden wird.

Um das zu klären, ist es wichtig, diesen Begriff mit Leben zu füllen. Füllt man ihn wie oben beschrieben aus, ergänzt um die optimale Nutzung technischer Möglichkeiten, so kann daraus tatsächlich eine ‚neue‘ Kultur der Arbeit entstehen.

Wir alle können dazu beitragen, diese Kultur zu gestalten und mit dem Heiligen Geist der Tradition zu füllen.

Die Welle kommt sowieso – also lasst sie uns reiten – zur größeren Ehre Gottes.

1 Kommentar

  1. An sich eine sehr gute Sache. Diese ganze Dynamik dass Unternehmen zunehmend wertschätzend mit Mensch und Umwelt umgehen. 😊

    Dieses ganze Ausnutzen, Schikanieren oder Autoritäre bringt letzenendes sowiso nichts. Kurzfristig ja aber langfristkg macht es die Mitarbeiter kaputt.
    Sie werden krank oder machen krank. Oder wechseln eben den Arbeitsplatz. Unzufriedene Mitarbeiter sind eher unerlich und stehen nicht hinter dem Unternehmen 🙂

    Freundlichkeit und Demut ist sicherlich eine wichtife Stärke eines Leaders.

    Allerdings: Es macht einen Unterschied ob man das mit der Herzenshaltung macht dem Unternehmen zu dienen.
    Oder eben um Gott zu dienen und Jesus ähnlicher zu werden.

    Dieser Geist ist sicher freundlich und sinnvoll. Dennoch ist es nicht der Heilige Geist der alles bewirkt.
    Der Heilige Geist ist eben Heilig und viel sanfter. Er bringt uns wahren Frieden mit Gott.

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