Dienstag, 6. Dezember 2022

Die Borgias: Mehr als eine Sex and Crime Story

„Die Borgias: Sex. Macht. Mord. Amen.“ – So lautet der deutsche Titel einer amerikanischen Serie. Mit acht Kindern von verschiedenen Mätressen, einem rücksichtslosen Nepotismus und skrupelloser Machtpolitik, gilt der Borgia-Papst Alexander VI. als der Inbegriff der Dekadenz des Renaissancepapsttums. Ein gefundenes Fressen für eine, nein, gleich zwei zeitgenössische internationale Serien. Selbstverständlich nicht unter FSK 16. Doch wer meint, der Name Borgia bedeute nur eine Schande für die Kirche, hat die Rechnung ohne den hl. Franz von Borgia gemacht.

Als ältester Sohn des Erzbischofs von Gandia und Urenkel von Papst Alexander VI. 1510 geboren, stand ihm ein glanzvolles Leben im Adel offen. Durch seine Großmutter und Tante in den Genuss einer christlichen Erziehung gekommen, hat er schon als junger Adeliger ein innerlich tugendhaftes und doch äußerlich glanzvolles Leben geführt: Als begünstigter Höfling des römisch-deutschen Kaisers wurde er Markgraf, hat geheiratet und wurde Vater von acht Kindern. Er wurde Vizekönig von Katalonien und zeichnete sich durch eine erfolgreiche Regentschaft aus. Nach dem Tod des Vaters erbte er sein Herzogtum und schien für höchste Ämter in der Regierung des kaiserlichen Thronfolgers vorgesehen zu sein. Doch die göttliche Vorsehung hatte einen anderen Plan: Er musste sich in einem drei Jahre andauerndem Sturm der Feindschaft anderer Fürsten in sein Herzogtum zurückziehen. Er nutzte diese Zeit im Dienste seiner Untergebenen und für das Studium der Theologie, doch in dieser Zeit starb auch seine Frau. Durch diese Schicksalsschläge bewegt kam es dazu, dass er in den Jesuitenorden eintrat; Doch zunächst nur heimlich und mit päpstlicher Dispens, in der Welt bleiben zu können, bis er seine weltlichen Verpflichtungen als Vater und Herrscher erfüllt hatte. Als die Kinder versorgt und der älteste Sohn reif genug war, dankte er ab, verließ seine Ländereien für immer und wurde zum Priester geweiht.

Anders als anderes Heilige, die sich erst nach einem ausschweifendem weltlichen Leben bekehrt haben, gehörte er gewissermaßen zu den Arbeitern der ersten Stunde. Aber das Ende der Fahnenstange der Heiligkeit war noch lange nicht erreicht. Als Jesuit wirkte er durch seine natürlichen Fähigkeiten, aber eben vor allem durch seine Demut, seinen Gebetseifer und Drang zur Heiligkeit mit so großem Erfolg, dass er als zweiter Gründer der Gesellschaft Jesu bezeichnet werden kann: Bald als Generalkommissar der Gesellschaft in Spanien, dann als Leiter der Missionen in Indien, als Gründer von Missionen in Lateinamerika und später als General der Jesuiten. Gemeinsam mit anderen Heiligen seiner Epoche, mit denen er gemeinsam wirkte, etwa dem hl. Ignatius, dem hl. Papst Pius V. und dem hl. Karl Borromäus lieferte er einen großen Beitrag,  der von Reformation und innerkirchlichen Krisen gebeutelten katholische Kirche zu neuem Glanz zu verhelfen. Er starb nach einer ausgedehnten Reise im päpstlichen Auftrag am 1. Oktober 1572 im Alter von 61 Jahren. Sein Gedenktag wird am 10. Oktober gefeiert.

Was für ein Vorbild auch für unsere, von anderen Krisen in der Kirche gebeutelten Zeit. Immer, wenn die Kirche an einem Tiefpunkt zu stehen scheint, sendet Gott große Heilige, um das Haus Gottes wieder aufzubauen. Franz von Borgia war einer davon.

Wen diese ungewöhnliche und bewegte Heiligenbiographie auch neugierig gemacht hat, der kann im aktuellen Video von Certamen mehr über sein umfangreiche Wirken erfahren.

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