The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Kategorie: Literatur (Seite 1 von 14)

Gedicht zum Sonntag –

„Segelfahrt“ von Christian Morgenstern (1871-1914)

Nun sänftigt sich die Seele wieder
und atmet mit dem blauen Tag,
und durch die auferstandnen Glieder
pocht frischen Bluts erstarkter Schlag.

Wir sitzen plaudernd Seit‘ an Seite
und fühlen unser Herz vereint;
gewaltig strebt das Boot ins Weite,
und wir, wir ahnen, was es meint.

Christian (Otto Josef Wolfgang) Morgenstern (1871-1914) wurde am 6. Mai 1871 in München geboren. Im Kindesalter erkrankte er an Tuberkulose; seine Mutter war bereits 1881 an der Krankheit verstorben. Nach dem Abitur besuchte Morgenstern auf Wunsch des Vaters eine Militär-Vorbildungsschule. Kurze Zeit später verließ er jedoch die Einrichtung. Ein in München begonnenes Studium musste Morgenstern wegen seines schlechten Gesundheitszustandes abbrechen. Er entschloss sich, fortan als Schriftsteller tätig zu sein. Im April 1894 zog Morgenstern nach Berlin, wo er eine Anstellung in der Nationalgalerie annahm. In dieser Zeit war er außerdem für verschiedene Zeitschriften tätig. Im Frühjahr 1895 veröffentlichte Morgenstern sein erstes Buch, „In Phantas Schloß“. In der Folgezeit unternahm er Reisen an die Nordsee und nach Salzburg. Er unterzeichnete einen Vertrag mit dem S. Fischer-Verlag für die Übersetzung von Werken Henrik Ibsens. 1900 verbrachte Morgenstern einen Kuraufenthalt in Davos. Weitere Reisen führten ihn nach Italien, u.a. nach Rom. 1903 kehrte er nach Berlin zurück. Er wurde literarischer Lektor im Verlag Bruno Cassirers. In den Folgejahren unternahm Morgenstern weitere Reisen aus gesundheitlichen Gründen. 1909 lernte Morgenstern Rudolf Steiner kennen, mit dem ihn eine enge und lange Freundschaft verband. Morgensterns Gesundheitszustand war immer wieder sehr geschwächt; im Frühjahr 1911 begab er sich in das Deutsche Krankenhaus in Rom. Morgenstern lebte damals zwischen Davos und Arosa. Christian Morgenstern starb am 31. März 1914. Der Nachwelt ist er vor allem für seine komischen Gedicht bekannt, die aber nur einen Teil seines Werks ausmachen.

Quelle: Britta Dörre, zenit.org

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Gedicht zum Sonntag

„Warm die ersten Strahlen beben“

„Morgenandacht“ von Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920)

Sehnsucht hat mich früh geweckt;
wo die alten Eichen rauschen,
hier am Waldrand hingestreckt,
will ich dich, Natur, belauschen.

Jeder Halm steht wie erwacht;
grüner scheint das Feld zu leben,
wenn im kühlen Tau der Nacht
warm die ersten Strahlen beben.

Wie die Fülle mich beengt!
so viel Großes! so viel Kleines!
wie es sich zusammendrängt
in ein übermächtig Eines!

Wie der Wind im Hafer surrt,
tief im Gras die Grillen klingen,
hoch im Holz die Taube gurrt,
wie die Blätter alle schwingen,

wie die Bienen taumelnd sammeln
und die Käfer lautlos schlüpfen –
oh Natur! was soll mein Stammeln,
seh ich all das dich verknüpfen:

wie es mir ins Innre dringt,
all das Große, all das Kleine,
wie’s mit mir zusammenklingt
in das übermächtig Eine!

Richard Dehmel 1905 auf einer Fotografie von Rudolf Dührkoop.

Richard (Fedor Leopold) Dehmel (1863-1920) wurde am 18. November 1863 in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz in der Mark Brandenburg geboren. Nach dem Abitur studierte Dehmel ab 1882 in Berlin Naturwissenschaften, Nationalökonomie und Philosophie. Seine Studien schloss er 1887 mit einer Promotion ab. Im Anschluss war er im Versicherungswesen, beim Zentralverband Deutscher Privater Feuerversicherungen, in Berlin tätig.

1893 zog Dehmel nach Hamburg, wo sein Freund Detlev von Liliencron (1844-1909) lebte. 1895 war Dehmel einer der Mitbegründer der Zeitschrift PAN und widmete sich fortan hauptberuflich der Schriftstellerei. Während des Ersten Weltkriegs diente Dehmel, der sich freiwillig gemeldet hatte, an der Front. Er starb am 8. Februar 1920 an den Folgen einer Venenentzündung, die er sich im Krieg zugezogenen hatte.

Dehmels Gedichte, die auch von Kollegen wie Rainer Maria Rilke (1875-1926) oder Thomas Mann (1875-1955) geschätzt wurden, wurden von bedeutenden Komponisten wie Richard Strauss (1864-1949) , Arnold Schönberg (1874-1951) – „Verklärte Nacht“ aus dem Jahr 1899 – oder Kurt Weill (1900-1950) vertont.

Britta Dörre, zenit.org

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Gedicht zum Sonntag

„Wer führt die Sonn‘ aus ihrem Zelt?“

„Die Ehre Gottes aus der Natur“ von Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,
ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.
Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere;
Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort!

Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?
Wer führt die Sonn‘ aus ihrem Zelt?
Sie kömmt und leuchtet und lacht uns von ferne,
Und läuft den Weg gleich als ein Held.

Vernimm’s und siehe die Wunder der Werke,
Die die Natur dir aufgestellt!
Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke
Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt?

(aus: „Geistliche Oden und Lieder“, 1757)

Das Gedicht wurde 1803 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) für Singstimme und Klavier vertont, Opus 48,4, Sechs Lieder (nach Gedichten von Christian Fürchtegott Gellert). Die vorliegende Fassung wurde in der Stiftskirche Fiecht am 19. Oktober 2013 zum 875-jährigen Jubiläum der Benediktiner aufgeführt.

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Der Sonnengesang des Heiligen Franz

Der Sonnengesang ist ein Gebet, das Franz von Assisi im 13. Jahrhundert verfasste. Es preist die Schönheit der Schöpfung und dankt Gott dafür. Dieser Hymnus gilt als ältestes Zeugnis italienischer Literatur.

Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet, hell leuchtend und kostbar und schön.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft
und Wolken und heiteren Himmel und jegliches Wetter, durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernähret und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter.

Gelobt seist du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden, denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.

Entnommen einer kritischen Edition der Werke des Heiligen.

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Auf einem Fresko in der Basilika San Francesco stellte Giotto di Bondone um 1295 die Vogelpredigt dar.

Franziskus dichtete seinen Gesang auf die Schöpfung (Il Cantico delle Creature, Cantico di Frate Sole) an seinem Lebensende, vermutlich Ende 1224 oder Anfang 1225, als er schwerkrank in San Damiano bei Assisi lag. Er ruft darin den Menschen zum Lobpreis Gottes in all seinen Geschöpfen auf. Die Echtheit ist durch die Biografie des Thomas von Celano bezeugt, der berichtet, Franziskus habe das Lied in seiner Todesstunde von zweien seiner Brüder singen lassen.

Das Lied wurde von Franz von Assisi in „volgare umbro“, einem hochmittelalterlichen umbrischen Dialekt gedichtet. Im Gegensatz zu den meisten anderen Texten des Heiligen Franziskus ist vom Sonnengesang die umbrisch-volkssprachliche Fassung erhalten geblieben. Dichtung in der Volkssprache war in der italienischen Kultur dieser Zeit noch höchst ungewöhnlich. Der Sonnengesang gilt als ältestes Zeugnis italienischer Literatur.

Im italienischen Original ist von „Bruder Sonne“ und „Schwester Mond“ die Rede, weil im Italienischen wie im Lateinischen die Sonne männlich (il sole), der Mond weiblich (la luna) ist; dasselbe gilt für „Schwester Tod“ (la morte). Deutsche Übersetzungen passen den Text hier oft dem deutschen Sprachgebrauch an und sprechen von „Schwester Sonne“ usw. Die unten wiedergegebene Übersetzung ist dagegen wörtlich.

Der Sonnengesang gehört zu den am meisten rezipierten Gebeten des Franziskus. Es wird häufig im Sinne einer reinen Naturromantik betrachtet. Das ist jedoch unzutreffend; die Schöpfung steht zwar im Mittelpunkt, das Gebet richtet sich jedoch an Gott den Schöpfer. Die Schöpfung wird also nicht um ihrer selbst willen romantisch verklärt, sondern dient als Grund für Lobpreis und Dank Gottes.

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Die Verteidigung der Tradition

Der Gongschlag des Roberto de Mattei

Eine Buchkritik von Hannes Kirmse

Der Titel „Verteidigung der Tradition“ klingt reißerisch. Er verweist auf das in der Kirche in allen Zeiten gültige Prinzip der Überlieferung, aber auch der Auslieferung an die sich im Wandel befindliche Welt. De Mattei ist es daran gelegen, uns zu zeigen, daß sich dieses Traditionsprinzip nicht ausschließlich auf die apostolische Sukzession in Form der Weitergabe einer Amtsvollmacht bei Bischofsernennungen beschränkt, wie gemeinhin angenommen werden könnte. Die Tradition will sich gar nicht als eine rein bürokratisch-ernüchternde Kategorie verstanden wissen. Sie will durch ihre universelle und reichhaltige Vitalität nicht nur überzeugen, sondern gerade auch den Menschen inspirieren und erfüllen. Sie will in ihrer Schönheit in die Welt der unübersichtlichen Obskurität und Ungewissheit hineinstrahlen. Da ist es in diesem Zusammenhang nicht zu leugnen, daß es die Missa tridentina ist, die durchweg die großen Komponisten immer wieder angeregt hat. Ohne die wie ein Schatz gehütete traditionelle Liturgie mit ihrer Ästhetik und Formensprache, die nicht von dieser Welt ist, könnten wir heute genauso wenig die Klänge von Haydns grandioser Paukenmesse, von Mozarts Krönungsmesse, wie die von Verdis Messa da Requiem vernehmen. Die Töne dieser Werke mit ihrem Verweis auf die Transzendenz wären uns unwiederbringlich abhandengekommen. Die Welt wäre laut, sehr laut sogar, könnte aber keine wahren lichthaften Momente für uns bereithalten. 2017 als Erscheinungsjahr der deutschsprachigen Ausgabe von de Matteis‘ Schrift ist dann auch neben dem Fátima-Jubiläum das Jahr, in dem sich das Summorum Pontificum Benedikts XVI. zum zehnten Mal jährt, aus dem ein besonderes Bewußtsein für die überlieferte Liturgie neu erwachsen ist.

Auf dem Umschlag der im St. Grignion Verlag bei Altötting erschienenen Übersetzung von Roberto de Matteis „Apologia della Tradizione“ prangt Erzengel Michael, wie er auch auf dem römischen Castel Sant’Angelo anzutreffen ist. Er erscheint uns keinesfalls drohend, aber sehr wohl sich seiner Bedeutung bewußt. Es ist ihm anzusehen, daß er in die Welt hineinragen, sich behaupten und seine Fittiche gebrauchen will. Der als Büchnerpreisträger und Verfasser der „Häresie der Formlosigkeit“ bekanntgewordene Martin Mosebach empfängt den Leser mit einem knappen, aber fundierten Prolog. Er will uns heranführen zu jenem neuralgischen Punkt, an dem die katholische Amtskirche nunmehr angelangt ist. Es wird bei ihm nicht gefragt, wie der amtierende Papst handelt, wie sein Handeln unter bestimmten Gesichtspunkten zu bewerten sei und gibt sich damit auch keiner gewissen Lagerbildung im Inneren der Kirche hin. Er weist, wie Roberto de Mattei es dann fortführt, auf die Frage hin, der wir uns angesichts der gegenwärtigen Lage ausgesetzt sehen: Was ist das Wesen des Papstamtes und wie ist die Kirche, für die er wirkt, beschaffen? Es wird versucht, das anklingen zu lassen, woran sich der Papst in seinem bewussten Handeln selbst bemessen sollte. Theologisch greift Mosebach hierfür die von Benedikt XVI. 2005 eingeführte Hermeneutik der Kontinuität auf, der die Hermeneutik der Diskontinuität, des Bruches gegenübersteht. Daß dies kein Alleingang des gerade frisch in das Amt Eingeführten war, zeigt sich auch daran, daß sein Vorgänger Johannes Paul II. 1980 während seiner Reise nach Lisieux zwei Tendenzen ansprach, die dem katholischen Glauben abträglich seien: Integralismus und Progressismus. Die Kirche darf sich der Welt nicht verschließen, muß aber gleichwohl sich ihres Sendungsauftrages bewußt bleiben. De Mattei gräbt sich dann durch die Tiefenschichten des Werdens der Kirche wie wir sie heute vorfinden – durch das Zeitalter der Verfolgungen, die Krise von Avignon, bishin zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Kirche hatten in diesem Werden zahlreiche Krisen und Zerwürfnisse erlebt, die aber nie eine Sinncrisis werden konnten durch die Rückkopplung an die Ursprünge, an das Mysterium, an die Heilsnotwendigkeit, an die Tradition.

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