The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Kategorie: Musik (Seite 1 von 3)

Rede vor Ex-Gang-Mitgliedern

Jim Carrey: „Leiden führt zur Erlösung“

"Glaube und Vergebung" – Was das wirklich bedeutet, jenseits billigen Geschwafels: Ausgerechnet Jim Carrey hat das auf den Punkt gebracht wie wenige.

Von Anian Christoph Wimmer, CNA Deutsch

Wer hört, wie der Komiker („Ace Ventura“) und Schauspieler („Truman Show“) vor tätowierten Ex-Gangstern und Knackis spricht, weiß, worum es geht. Wie wir mit Leid umgehen, und vor welche Entscheidung uns das Leiden stellt.

Jim Carrey spricht vor ehemaligen Gang-Mitgliedern über christliche Gnade
Foto: Foto: Homeboy Industries / YouTube (Screenshot)

Das Leiden ist nicht nur die erste „edle Wahrheit“ unseres Daseins, wie es Gautama Buddha lehrte. Sie ist auch eine Herausforderung für Christen – und ein Schlüssel zum Verständnis der Erlösung, und welche Rolle wir spielen müssen, erklärt Carrey:

Wir müssen irgendwie akzeptieren, nicht leugnen, sondern unser Leid und unsere Verluste spüren. Und dann müssen wir eine von zwei Entscheidungen treffen: Entweder entscheiden wir uns, durch das Tor der Verbitterung zu gehen, das zur Vergeltung führt, das zur Selbst-Verletzung führt, das dazu führt, dass wir anderen Leid antun. Oder wir gehen durch das Tor der Vergebung, das zur Gnade führt.

Der 55 Jahre alte Schauspieler spricht aus eigener Erfahrung, kämpft mit Depression und bipolarer Störung.

Gesprochen hat Carrey bei einem Treffen für ehemalige Kriminelle , veranstaltet von den „Homeboy Industries“ in Los Angeles.  Seine Ansprache wurde auch in „The Blaze“ und bei „Aleteia“ thematisiert.

Nach eigenen Angaben betreut die Gruppe jedes Jahr über 10.000 ehemalige Gang-Mitglieder und Gefängnisinsassen. Gegründet hat „Homeboy Industries“ der Jesuitenpater Gregory Boyle – der als „Father Greg“ die Ausbildung und Arbeitsvermittlung leitet, mit der ehemalige Gangster die Chance auf eine neues Leben bekommen.

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Linkin Park

Chester Bennington und Linkin Park: Somewhere I Belong

Chester Bennington, der Sänger der Band Linkin Park, hat sich das Leben genommen. Die Trauer unter den Fans ist groß. Wer war Chester Bennington und was macht die Band Linkin Park aus? Worüber singt sie? Welche Botschaften und Sehnsüchte werden angesprochen?

Foto: Flickr.com / Schröder+Schömbs PR_Brands Media Lifestyle. Lizenz: CC BY-ND 2.0

Die Band Linkin Park

Die Band, deren Stil irgendwas zwischen Metal und Pop ist, bestand aus 6 Mitgliedern: Chester Bennington (Sänger), Mike Shinoda (Keyboard, Hintergrundgesang), Brad Delson (Gitarre), David Farrell (E-Bass), Joe Hahn (DJ, Hintergrundgesang) und Rob Bourdon (Schlagzeug). Die Bandmitglieder haben mitunter selbst traumatische Lebenserfahrungen hinter sich, die sie in ihre Musik einbringen. Die Biografie des Sängers Chester Bennington lässt es jedenfalls verständlich erscheinen, warum dessen Gesang mitunter in Geschrei überging. Benningtons Kindheit und Jugend war alles andere als einfach. Als Kind wurde er vernachlässigt. Später wurde er von einem Bekannten der Familie sexuell missbraucht und lebte jahrelang heimlich mit diesem Trauma. Er kam mit Drogen in Kontakt und war oft alleine.

Die lyrische Verarbeitung von Lebenserfahrungen: „Numb“

Ein bekanntes Album der Band ist „Meteora“ mit den Singleauskopplungen „Numb“ [zu Deutsch: „gefühllos/betäubt“] und „Somewhere I Belong“. Es geht in diesen beiden Liedern intensiv über die Verarbeitung von Alleinsein, Fremdsein und der Sehnsucht nach Erlösung.

Im Musikvideo zum Lied „Numb“ geht es um eine Jugendliche, die in der Schule gemobbt wird. Sie wird abgelehnt, ausgelacht und herumgeschubst. „Gefühllos“ scheint hier weniger eine emotionale Schwäche der Protagonistin zu sein, als eine Art „Schutzpanzer“, um die Kränkungen überleben zu können. Die Band Linkin Park tritt in dem Video selbst auf und performt in einer Kirche. Gegen Ende des Videos läuft die Teenagerin in die Kirche hinein, dabei ist die Band bereits verschwunden, die Kirche ist leer, das Video aus. Das lyrische Ich drückt mehrmals seine Verzweiflung an der stets scheiternden Anpassung aus:

„Ich bin müde von ihren Erwartungen an mich. Ich fühle mich glaubenslos, verloren unter der Oberfläche. Ich weiß nicht, was ihr von mir erwartet. […] Jeder Schritt, den ich tue, ist ein weiterer Fehler für euch. […] Alles, was ich tun will, ist mehr wie ich sein und weniger wie ihr.“ (Übersetzung des Autors)

Das Lied endet dann mit der Feststellung: „Ich bin so gefühllos geworden. Ich kann euch dort nicht mehr fühlen. Ich bin müde von euren Erwartungen. Ich bin gefühllos geworden. Ich kann euch dort nicht mehr fühlen. Ich bin müde von euren Erwartungen.“

Stattdessen wird sich danach gesehen, man selbst sein zu können. Chester Bennington bietet seinen typischen Schreigesang auf. Der Schrei nach Erlösung bleibt ein Schrei der Sehnsucht und Suche, des Wunsches. Die Perspektive des Musikvideos ist vor allem eine Problemdarstellung ohne Lösung. Dies mag daran liegt, dass es Situationen gibt, in denen es keine andere Antwort als das Aushalten zu geben scheint.

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Metal & Romantik

Die Rammstein-Welt: dunkle Romantik und unerlöste Sehnsucht

Rammstein ist momentan eine der erfolgreichsten deutschen Bands im In- und Ausland. Sie besingt meist die Abgründe des Menschen, hat aber auch Liebesballaden und tief sehnsüchtige Romantik in ihrem Programm. Sie feuert auf ihren Live-Konzerten mehr Pyrotechnik ab als die meisten Silvesterfeiern in mehreren Jahren. Was macht Rammsteins Reiz aus, was vermittelt die Band religiös und theologisch? Eine Auseinandersetzung anhand ihrer Lieder.

Von Jonas Rogowski – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27592068

Wer und was Rammstein ist

Die Band „Rammstein“ besteht aus sechs Personen: Leadsänger und Dichter Till Lindemann, Leadgitarrist Richard Z. Kruspe, Rhythmusgitarrist Paul H. Landers, Elektrobassist Oliver Riedel, Drummer Christoph „Doom“ Schneider und Keyboarder Christian Flake“ Lorenz. Alle sechs Mitglieder kommen aus der ehemaligen DDR und haben dort ihre Jugend verbracht. Als die Mauer fiel, waren sie Anfang bis Mitte zwanzig und haben ihre bisherigen Band- und Musikerfahrungen 1994 in der Gründung der Band Rammstein zusammengeführt. Sie wollten weder eine deutsche Band gründen, die einen Abklatsch der englischsprachigen Popmusik darstellt, noch Schlagersänger sein. Aus der Punk- und Vergangenheitserfahrung der Mitglieder ist schließlich eine Art Metal-Band, geworden wie es sie kein zweites Mal gibt: Gewalt wird zu dunkler Kunst. Aus Abgrund wird Lyrik, aus Vergewaltigung und Mord werden Lieder gemacht. Der Bandname leitet sich nicht von dem Rammstein eines Rammbocks ab, was wegen der Schreibweise naheläge, sondern, laut Paul Landers, von der Flugkatastrophe in der Stadt Ramstein, der Name wurde aus Unkenntnis mit zwei „m“ geschrieben.

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Gedicht zum Sonntag

„Wer führt die Sonn‘ aus ihrem Zelt?“

„Die Ehre Gottes aus der Natur“ von Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)

Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre,
ihr Schall pflanzt seinen Namen fort.
Ihn rühmt der Erdkreis, ihn preisen die Meere;
Vernimm, o Mensch, ihr göttlich Wort!

Wer trägt der Himmel unzählbare Sterne?
Wer führt die Sonn‘ aus ihrem Zelt?
Sie kömmt und leuchtet und lacht uns von ferne,
Und läuft den Weg gleich als ein Held.

Vernimm’s und siehe die Wunder der Werke,
Die die Natur dir aufgestellt!
Verkündigt Weisheit und Ordnung und Stärke
Dir nicht den Herrn, den Herrn der Welt?

(aus: „Geistliche Oden und Lieder“, 1757)

Das Gedicht wurde 1803 von Ludwig van Beethoven (1770-1827) für Singstimme und Klavier vertont, Opus 48,4, Sechs Lieder (nach Gedichten von Christian Fürchtegott Gellert). Die vorliegende Fassung wurde in der Stiftskirche Fiecht am 19. Oktober 2013 zum 875-jährigen Jubiläum der Benediktiner aufgeführt.

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100 Jahre Fatima

Ein Lied zu Fatima

Von Marco F. Gallina

An diesem Sonntag, statt des üblichen Gedichtes: ein kurzes Innehalten und Gedenken an die Marienerscheinung vor 100 Jahren in Fatima. Zu diesem Anlass kam mir kürzlich eine mittelalterliche Ballade aus den Cantigas de Santa Maria von Alfons X. von Spanien unter. Nicht in Fatima, aber im portugiesischen Faro spielt diese Legende, die in der Liedersammlung unter der 183 eingetragen ist. Der Titel ist zugleich der Refrain:

„Da pesar a Santa María quien, por deshonrarla, hace mal a su imagen, y Ella se lo castiga.“
(Wer ihr Bild entehrt, bereitet der Heiligen Maria Kummer und den bestraft sie schwer)

Die Geschichte handelt von einem Wunder, das geschieht, als die muslimische Bevölkerung ein Bildnis Mariens ins Meer wirft. Daraufhin holen die Fischer keinen Fang mehr ein. Erst als die Mauren den Fehler einsehen und das Stück nicht nur bergen, sondern zwischen die Mauerzinnen setzen, damit es jeder sehen kann, können die Fischer wieder ihren Fang einholen – und sogar mehr als zuvor.

Der Originaltext befindet sich im Youtube-Video samt englischer Übersetzung.

Esta es de un milagro que mostró Santa María en Faro, cuando era de moros.

„Da pesar a Santa María quien, por deshonrarla, hace mal a su imagen, y Ella se lo castiga.“

De esto diré un milagro que la Virgen Santa María hizo, en Faro, en tiempo de Abén Mahfudha que tenía el reino del Algarve, en aquel tiempo, a guisa de hombre esforzado, tanto en la guerra como en la paz.
En aquel castillo había una imagen, como he aprendido, de la Virgen muy gloriosa, hecha como os diré, de piedra, bien figurada, y que estaba, como de cierto he hallado, en la ribera del mar, frente a él, de cara.
Ya del tiempo de los cristianos se sabía que estaba allí, y, por eso, los cautivos iban siempre a adorarla, y, por esta razón, nombraban „Santa María“ a la villa de Faro, pero el pueblo malvado de los moros que allí había tuvo gran pesar por ello, y la echaron al mar, sañudos, con gran desprecio; mas un gran milagro mostró sobre esto la Virgen que tiene el mundo bajo su mando, y a quien desagrada la soberbia.
Porque hizo que ningún pescado pudieran volver a coger, mientras dejaran que aquella imagen siguiese yaciendo en el mar.
Los moros, cuando tal vieron, fueron a levantarla, y la pusieron en el muro, de frente, entre las almenas.
Desde entonces, tanto pescado tuvieron que nunca había habido tanto, como he oído decir a moros y cristianos, que me lo contaron a mí.
Por ello, loemos a la Virgen, en la que tanto bien yace.

Dies ist eine Legende über ein Wunder der Heiligen Maria, das sich zutrug, als Faro den Mauren gehörte.

„Wer ihr Bild entehrt, bereitet der Heiligen Maria Kummer und den bestraft sie schwer“

Nachdem ich dies gesagt habe, erzähle ich euch von dem Wunder der Heiligen Jungfrau Maria, welche dieses in Faro wirkte, zu Zeiten des Mauren Aben Mafon (Musa ibn Muhammad ibn Nusair ibn Mahfudh, der König von Niebla), der das Königreich der Algarve damals als tapferer Mann in Krieg und Frieden beherrschte.
Im dortigen Kastell war eine Statue, soweit ich unterrichtet bin, von der glorreichen Jungfrau. Sie war meisterlich aus Stein gehauen. Mit aller Sicherheit kann ich sagen, dass Sie am Strand stand und hinaus auf das Meer schaute.
Es ist bekannt, dass Sie dort steht, seitdem es Christen gibt, und die Gläubigen sammelten sich dort um zu beten. Aus diesem Grund nannten sie die Stadt „Santa Maria“ de Faro.

Das boshafte maurische Volk ärgerte das sehr und warf daher das Bildnis unter großem Spott ins Meer. Die Heilige Jungfrau allerdings, welche die Welt in Ihrer Macht hält und jede Arroganz verachtet, wirkte deswegen ein großes Wunder.
Ihretwegen waren die Mauren nicht mehr fähig, Fische aus dem Meer zu ziehen, solange das Steinbild im Wasser lag. Als die Mauren das bemerkten, zogen sie das Marienbild wieder heraus und stellten es zwischen die Zinnen der Stadtmauer.
Von diesem Moment an zogen sie mehr Fische denn je aus dem Meer, was ich von Mauren wie Christen hörte, die mir diese Geschichte erzählten.
Darum lasst uns die Jungfrau preisen, der so viel Mildtätigkeit innewohnt.

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Der Stern von Montserrat

von Marco F. Gallina

Religion – und besonders das Christentum – ist immer Teil einer höheren, ewigen Ästhetik. Diese Ästhetik widerspricht dem heutigen Ideal der Mittelmäßigkeit der Masse, da alles, was außergewöhnlich und entkoppelt von der Gegenwart erscheint, in den Ruch des Elitären gerät. Die abendländische Kunst atmet nicht im Jahrhunderttakt, sondern sehnt sich nach dem Ewigen. In den ältesten Kirchen Syriens erblicken wir diese Sehnsucht nach der Kunst bereits in der ersten Hauskirche. Sie schaut uns durch die Augen von Raffaels Sixtinischer Madonna an. Sie tönt in Beethovens Credo, trauert in Michelangelos Pietà und singt in den Canzonen von Dantes Göttlicher Komödie. Im Stein tausender Dome und Kathedralen nimmt sie die Form irdischer Gestalt als Leiter zum Himmel an.

Ein Sehnsuchtsort der Symbiose von Kunst und Ewigkeit erhebt sich auf den Klippen von Montserrat. Hellgrüne Sträucher verdecken die Steilhänge des Fingermassivs nur als Einsprengsel in der felsigen Landschaft. Wie aus dem Stein gehauen thront dort das Marienkloster von Montserrat. Dreißig Meilen von der Hauptstadt Barcelona entfernt, gilt dieser Ort als ein nationales Symbol der Region Katalonien. Der Legende nach fand ein Schäferjunge eine schwarze Marienstatue in einer Gebirgshöhle. Da die Madonnenfigur auf wundersame Weise zu schwer zur Überführung erschien, verfügte der Bischof eine Klostergründung am selben Ort. Ab dem Beginn des 11. Jahrhunderts ist eine Benediktinergemeinschaft in Montserrat nachweisbar. Die „Schwarze Madonna“ wurde zur Schutzpatronin Kataloniens und machte Montserrat zum Wallfahrtsort.

Im Schatten des berühmten Jakobsweges scheint diese Pilgerroute heute fast vergessen. Dabei endete hier vor einem halben Jahrtausend die beschwerliche Reise eines einstigen Ritters. Bei der Belagerung von Pamplona 1521 zerschmettert eine Kanonenkugel seine Beine. Der spanische Draufgänger war wochenlang ans Bett gefesselt, wo die Ärzte seine Brüche fixierten und die Knochen erneut brachen – in einer Zeit ohne Schmerz- oder Narkosemittel. Nach der Operation blieb ein Bein kürzer als das andere, seine Militärkarriere war beendet. Auf dem Krankenbett nur mit geistlicher Literatur ausgestattet, beschloss er darauf, sein Leben zu ändern, und hinkte über die Pilgerroute nach Montserrat. Hier, am Marienaltar, hat er während der nächtlichen Vigil ein spirituelles Erlebnis – und trennt sich nach dreitägiger, vollumfänglicher Beichte von Schwert und Degen, die er der Maria überlässt.

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„Don‘t shake hands with Lucifer!“ – Eine Dieter Bohlen-Betrachtung zum ersten Fastensonntag

(TheCathwalk.deDieter Bohlen lehrt uns: Um dem Teufel zu widerstehen, muss man nicht verbissen sein. Im Himmel ist auch Platz für Playback-Harfen.

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Der Plot ist alt: Jemand zieht sich zur Reflexion an einen entlegenen Ort zurück und kämpft dort mit dem Teufel, der die Abgeschiedenheit nutzt, um „auf offener Flanke“ angreifen zu können. Das kulturgeschichtliche Vorbild aller Vorbilder ist auch hier Christus, der in der Wüste 40 Tage fastete und vom Teufel versucht wurde. Mit dem Unterschied freilich, dass Christus diese Versuchung von außen zulies, wohingegen die Wüstenväter und mancher Erimit nach ihnen mit Versuchungen konfrontiert wurden, die tatsächlich am Inneren dieser sündigen Menschen anknüpfen konnten.

Anfang der 1990er-Jahre machte sich auch Dieter Bohlen diesen großen abendländischen Topos zueigen. Mit seiner Band Blue System (das war die Bohlen – Formation zwischen den beiden Modern Talking-Ären) sang auch er von einem Duell mit dem Teufel. Wie im Evangelium des ersten Fastensonntags findet dieses Aufeinandertreffen ebenfalls an einem abgelegenen Ort statt:

In room 66 – the devil´s playing against me
At the end of the world – there’s a place called the hell
On flight number 9 – there’s smoke without fire

Im Gegensatz zum Evangelium wissen wir nicht, wie die Geschichte ausgeht – die eindringliche Warnung „Dont’t shake hands“ bleibt aber als Ohrwurm haften. Wir dürfen die Geschichte deshalb als persönlichen Anruf verstehen. Auch wir befinden uns noch in der Lebens-Wüste, wollen mit Christi Hilfe unseren persönlichen Versuchungen widerstehen. Der eindringliche Appell Dieter Bohlens kann uns in Situationen, in denen wir uns bewähren müssen, deshalb auch über die 40 Tage der Fastenzeit hinaus zu einem treuen Begleiter werden:

Don’t shake hands – oh baby don’t shake hands with lucifer
Take your chance – ´cause baby all dreams will be crucified
Oh oh – don’t play with lucifer
He catchs you if you fall

Hear the words from heaven
Don’t play with lucifer
Don’t you hear him call
Can’t you see his raven

Dieter Bohlen lehrt uns: Um dem Teufel zu widerstehen, muss man nicht verbissen sein. Oder gar mit unterdrücktem Ärger auf Gott, weil man eigentlich am liebsten doch sündigen würde, wie es nur allzu oft bei moralinsauren Sittenwächtern rüberkommt. Nein, unser „Don´t shake hands“ können wir auch freud- und lustvoll schmettern. Sollen wir sogar, siehe das Evangelium am Aschermittwoch: „Wenn ihr fastet, so macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler.“

Sie fragen sich jetzt: Ist dem Cathwalk nicht aufgefallen, dass der Bohlen in der Aufnahme aus der ZDF-Hitparade ziemlich überdreht hin und her hüpft? Dass er in weiten Teilen gar nicht ins Mikro singt? Dass er mit seiner E-Gitarre alles mögliche macht außer E-Gitarre spielen? Und das alles soll mich heiliger machen, dieses ganze Gehüpfe und Geschreibsel des Cathwalks dazu?

ANTWORT: Vielleicht sollten gerade Sie verstärkt über das Bibelwort der Narren um Christi willen nachdenken. Und desweiteren: Vielleicht einfach mal auch die einfachen Hilfsmittel annehmen, die uns der liebe Gott schenkt. Es gibt nicht nur Bach-Cantaten, es gibt eben auch wirksame Gedanken von Blue System & Co. Vielleicht sollten gerade Sie bei der nächsten Versuchung schlicht und eingängig intonieren: „Dont´s shake hands!“

Dieter Bohlen kann uns so eine Hilfe sein. Im Himmel ist auch Platz für Playback-Harfen.

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