The Cathwalk

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Schlagwort: Augustinus

Augustinus-Variationen

Mein Gewicht ist meine Liebe

Eine Rezension von Matthias Matussek

Mit seinen „Bekenntnissen“ hat Kirchenvater Augustinus 401 die erste große Autobiografie der Weltliteratur vorgelegt. Sie sind sowohl Lebensbeichte wie Glaubensbekenntnis, ein inneres Gespräch mit seinem Schöpfer, eine Innenschau, die radikal ist, denn sie schildert auch die Abwege, Menschliches, Allzumenschliches dieses Spätberufenen, die nichts beschönigt, aber immer wieder in den Jubel ausbricht über den Schöpfer und die lebensverwandelnde Kraft des Glaubens.

Die „Bekenntnisse“ sind in all ihrer platonischen Begriffsschärfe ein exuberantes Lob, eine Einladung zum Tanz, zum Gesang, zu Freudentränen, tatsächlich waren die Messen damals erfüllt davon: „Wie aber soll ich anrufen ihn, meinen Gott und Herrn? Denn zu mir hinein rufe ich ihn ja, wenn ich ihn anrufe.“

Der immens begabte junge Dichter Marco Kunz nutzt den großen Text des Augustinus wie das Streichholz die Reibfläche – er lässt sich entzünden, wieder und wieder, in seinen „Augustinus-Variationen“, die nun unter dem Titel „Mein Gewicht ist meine Liebe“ im Verlag „Wort im Bild“ erschienen sind. Er ruft in sich hinein und ruft zu Gott, zu dem er gefunden hat, mit einem Brennen und schließlich der allerschönsten, glänzenden Gewissheit, denn, so das berühmte Augustinus-Wort, „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ Mit verblüffender poetischer Sicherheit nimmt er jeweils einen Satz aus den Bekenntnissen oder anderen Werken des Kirchenvaters und dichtet ihn weiter, und spielt ihn weiter, z.B. so:
(Die Augustinus-Worte sind kursiv gesetzt)

Mein Gewicht ist meine Liebe.
Sie ist’s, die mich treibt
wohin es mich auch treiben mag

und dann springt Marco Kunz auf:

ist alles was mir bleibt,

was in der Ewigkeit besteht
und immer schon verband,
was in der Zeit nur Stückwerk ist
und Hoffnung auf das Land,

aus dem ich stamm und das ich ahne,
wissend wie im Traum,
mich ziehend in mein Ur-Zuhaus
jenseits von Zeit und Raum

Besser kann man diesem Platoniker Augustinus wohl kaum nachspüren und schöner auch nicht.

Immer wieder greife ich zu diesem Band, wie einer, der mitsingen möchte in dieser einzigartigen Glaubenvergewisserung durch einen jungen Dichter.

Die „Augustinus-Variationen“, 37 Gedichte, basierend auf Sätzen des heiligen Augustinus (354-430) erschienen Ende September 2017 als A5-Gedichtheft mit dem Titel „Mein Gewicht ist meine Liebe“ zum Preis von 1,75 Euro beim Verlag Wort im Bild. Außerdem vertonte der „Altmeister“ der christlichen Popszene, Siegfried Fietz („Von guten Mächten wunderbar geborgen“), einen Teil der Gedichte, teilweise nach gemeinsamer liedgerechter Bearbeitung. Das so entstandene Musik-Album „AUGUSTINUS“ erschien ebenfalls Ende September 2017 beim Musikverlag abakus.

Marco Kunz (* 1974) veröffentlichte neben zahlreichen Publikationen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften bisher den Gedichtband „Gezeitenrhythmus in HD“ (2014), außerdem die Romane „Rain Dogs“ (2015) und „Selbiger“ (2016). Mehr Informationen finden Sie auf seinem Blog: www.marcokunz.wordpress.com

Matthias Matussek (*1954) ist einer der bekanntesten und umstrittensten deutschen Journalisten und Publizisten. Er leitete mehrere Jahre das Kulturressort des Spiegel, arbeitete für den Stern und die Welt und veröffentlichte mehrere Bestseller, u.a. Die vaterlose Gesellschaft (1998), Wir Deutschen (2006) und Das katholische Abenteuer (2011). Zurzeit schreibt er als freier Autor und Korrespondent für das Schweizer Wochenmagazin Die Weltwoche.
 

 

 

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Die Gefahr der Verweltlichung

Was heute für Christen dazugehört, beispielsweise das Nichteinhalten der kirchlichen Feiertage bzw. des Sonntages, wäre zumindest für ein Großteil der ersten Christen unvorstellbar gewesen.

von Markus Lederer

Eine soziale Isolation kann entweder selbstgewählt oder aufgezwungen werden. Beispielsweise kann es zu einer Profilierung der eigenen Gruppe gegenüber Fremden kommen. Dies ist für mich greifbar, wenn zwei Fußballmannschaften mit unterschiedlicher Tradition, unterschiedlichen Trikots versuchen, sich voneinander abzugrenzen. Jedoch kann eine Isolation auch aufgezwungen werden, wenn man gesagt bekommt, dass man zu dieser Gruppe nicht dazugehört. „Hier gehörst du bestimmt nicht hin!“ Die Folgen sind Ghettoisierung und Marginalisierung.

Die frühste Jesus-Gruppe war zunächst eine jüdische Gruppe unter vielen. Durch die Wahl der 12 sollten die zerstreuten Stämme Israels wieder gebündelt werden, sodass zunächst keine Rede von einer Isolation sein kann; dies änderte sich jedoch mehr und mehr. Insbesondere versuchte man sich gegenüber der heidnischen Umwelt abzugrenzen. Für die Heiden waren die Anhänger Jesu nicht mehr, als eine jüdische Sekte, eine Splittergruppe. Als die Christen nicht mehr als jüdische Sekte wahrgenommen wurden, genossen sie nicht mehr 5 die religiöse Toleranz des römischen Staates. Die Folge waren heftige Auseinandersetzungen und Marginalisierung. Indes kann man sagen, dass die ersten Christen sich eher selbstgewählt von der römischen Welt und Kultur distanzierten. Natürlich änderte sich dies durch die Konstantinische Wende und insbesondere, als das Christentum 380 n. Chr. zur Staatsreligion wurde.

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Kritik des reinen Unverstands

Amoris laetitia und der antikatholische Reflex

376753e454ce8dac7_720x600Was würden die Physiker dieser Welt sagen, wenn ich mich erdreistete, einfach mal ohne jegliche Expertise darüber zu räsonieren, wie Physik eigentlich sein sollte? Was würde ein Facharzt sagen, wenn ich ihm reinquatschen würde, wie er seine Arbeit eigentlich auszuführen hätte? Und wie würde ein Profifußballer reagieren, wenn ich ihm erklären würde, wieso die Abseitsregel überholt ist und man eigentlich das gesamte Regelwerk des Fußball überarbeiten müsse, es sei doch viel besser, mit den Händen zu spielen?

Richtig, man würde mich entweder auslachen oder etwas ungehalten reagieren.

Nur bei einer komplexen Lehre, die 2000 Jahre kontinuierliche Vertiefung und Entfaltung erfahren hat, da kann jeder Hinz und Kunz sagen, was besser wäre, ohne auch nur den geringsten Schimmer zu haben, worum es geht.

Kaum ist amoris laetitia heraus, sind schon wieder alle möglichen selbstermächtigten Propheten unterwegs, die uns Katholiken erklären, wie Katholizismus sein müsse.

Dabei möchte man, mit den Worten des Augustinus und des Salafisten auf dem Marktplatz diesen Menschen zurufen: LIES! Und zwar nicht das postsynodale Schreiben. Mein Vorschlag: Lies zuerst 150 Seiten der Summa des Thomas von Aquin und verstehe sie. Dies ist mit dem üblichen relativistisch-unphilosophischen Mindset des Menschen von heute praktisch umöglich. Ziel ist auch nicht das Verstehen der Textpassage, sondern das Entwickeln wenigstens der rudimentären Einsicht, dass man viel weniger weiß und versteht, als man so gemeinhin annimmt, und dass es selbst im finsteren Mittelalter extrem schlaue Leute gegeben hat, die komischerweise meistens ziemlich katholisch waren. Ist dieser erste Lernerfolg erzielt, nimm den Katechismus der Katholischen Kirche zur Hand und tritt ein in die faszinierend andere Welt des Katholizismus.

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Augustinus und der Chloe-Skipullover 2016

Wer Gott, der auch die Schönheit ist, auf die rechte Weise liebt, wird nicht nur Moralsünden meiden, sondern auch Modesünden.

von Deborah Görl

Jede Saison aufs Neue wundert man sich über die seltsamen Kombinationen, die uns die Designer präsentieren. Letztes Jahr fiel besonders die pinke, löchrige Jogginghosen-Maxi-Bouclémantel-Kombination von Karl Lagerfeld bei Chanel auf.

Für die Saison Spring 2016 geht mir die Maxi-Blümchenrock-mit-Bändern-Retro-Skipullover-Kombination bei Chloé nicht mehr aus dem Kopf. Da fragt man sich automatisch, was das eigentlich soll.

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Bildquelle und Bildrechte by: http://assets.vogue.com

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