The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Bernhard von Clairvaux

Liebt einander!

Über Liebe, Partnerschaft und Sexualität – Teil 3

von Georg Dietlein

1873_Pierre_Auguste_Cot_-_Spring

Le printemps („Der Frühling“, 1873), von Pierre Auguste Cot.

Die Schönheit der Schöpfung

Wer sich die vielen Gefahren vor Augen führt, die im Verhältnis von Mann und Frau lauern, könnte fast meinen, Männer bzw. Frauen seien Wesen, um die man besser einen großen Bogen machen sollte. Und in der Tat: Versuchungen locken überall. „Die Versuchung hat drei Merkmale: Sie wächst, steckt an und rechtfertigt sich.“ (Papst Franziskus) – Doch möglicherweise ist die Furcht vor der Versuchung gar nicht der richtige Weg, um ihr zu widerstehen. Die beste Methode, um den Nachstellungen des Teufels zu entgehen, ist nämlich die Liebe. Wenn ich aber nur ängstlich-schüchtern und mit verschlossenen Augen durch die Welt renne, entgeht mir jede Gelegenheit zu lieben und mich hinzugehen.

Blicken wir auf den Herrn! Wie ging Jesus mit den Frauen seiner Zeit um? Etwa mit Maria von Magdala oder der Samariterin am Jakobsbrunnen? Die Antwort lautet: Völlig unverkrampft – sehr mutig – und man könnte sogar sagen: „locker“ und unkonventionell. Jesus hat weder Hemmungen mit Maria von Magdala ins Gespräch zu kommen, die als besessene Prostituierte bekannt war, noch mit einer Samariterin, deren Volk mit den orthodoxen Juden befeindet war. Im Übrigen nimmt er sich einer Ehebrecherin an und rettet ihr in beeindruckender Weise das Leben: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie“ (Joh 8, 7). Damit geht er einen Schritt, der für einen orthodoxen Juden seiner Zeit undenkbar gewesen wäre. Jesus gibt sich mit Sündern ab und macht sich damit unrein. Vielmehr noch: Er begegnet ihnen in Liebe und nimmt sie sogar als Gesprächspartner für tiefgehende theologische Diskussionen ernst. Mit anderen Worten: Jesus hat hohe Achtung vor den Frauen seiner Zeit. Für ihn sind Frauen und Männer nicht nur gleich viel wert, sondern bedürfen auch in gleicher Weise seiner liebevollen Begegnung. Jesus geht unverkrampft und unverblümt auf Frauen zu, spricht mit ihnen und heilt sie. Viele Frauen gehören zu seinen engsten Freunden und möglicherweise wird sich auch die eine oder andere in Jesus verliebt haben. Doch Jesus kennt seine Sendung – auch in dieser Hinsicht. „Ich bin gekommen, um den Armen eine gute Nachricht zu bringen, den Gefangenen die Entlassung und den Blinden das Augenlicht zu verkünden und die Zerschlagenen in Freiheit zu setzen.“ (Lk 4, 18) Die Sendung Jesu und seine Liebe sind universal. Seine Liebe geht so weit, dass er sich der ganzen Welt verschenken möchte. Darum ist sein Lebensstil auch die Ehelosigkeit.

Vielleicht kann der beeindruckende Umgang Jesu mit dem anderen Geschlecht auch uns dabei helfen, in diesem Punkt zu wachsen. Gehen wir unverkrampft, offen und interessiert in den Tag und lassen wir uns wirklich mit aller Liebe auf den Nächsten ein. Wenn wir etwa an einer attraktiven jungen Dame bzw. einem attraktiven Herrn vorbeigehen, so brauchen wir unsere Augen nicht aus Angst verschließen oder uns dafür schämen, dass wir unser Gegenüber körperlich attraktiv finden. Danken wir Gott dafür, dass er seine Schöpfung so schön gemacht hat und uns liebt – etwa mit einem kleinen Stoßgebet: „Ich danke Dir, Gott, dass Du Deine Schöpfung so schön gemacht hast. Im Menschen, der Dein Abbild ist, offenbarst Du uns die Schönheit Deiner Liebe!“

Freilich sollten wir unsere Sinne auch stets unter Kontrolle haben. Äußere Schönheit ist nicht alles im Leben. Lassen wir uns zunächst auf die Person ein und lernen sie in ihrer Ganzheitlichkeit kennen. So schwer dies manchem fallen wir: Einer Dame tief in den Ausschnitt zu schauen oder ihr Hinterteil zu begutachten mögen animalische Instinkte in uns sein, gehen aber an der Würde der menschlichen Person vorbei. Vielleicht kann es daher sogar ratsam sein, zu gewissen Personen zunächst Distanz zu halten und sich nicht von ihren körperlichen Reizen überfluten zu lassen. Ein Schritt zurück, ein Blick auf den Boden und andere Abtötungen der Sinne können hier sehr nützlich sein. Lassen wir uns nicht zu Sklaven unserer Sinne und Triebe machen. Allein die Liebe zählt!

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Sünde, Sektierertum, Savonarola, oder warum wir gerade als Katholiken Papst Alexander VI. dankbar sein sollten!

Girolamo-Savonarola

Girolamo Savonarola schaffte es, binnen weniger Monate aus dem lebenslustigen Florenz einen hässlichen, asketischen Gottesstaat zu machen. Er wirkte Lastern und Sittenlosigkeit mit einem „Fegefeuer der Eitelkeiten“ entgegen.

Zoon katholikon – die Kolumne von Klemens Stenzel

  • Sie sind katholisch.
  • Sie glauben an den freien Willen.
  • Sie glauben an Gott.

Vergessen Sie das einfach.

  • Lassen Sie lieber Savonarola für Sie denken.
  • Lassen Sie lieber Savonarola urteilen.
  • Lassen Sie sich vom Puritanismus in seiner übelsten Form dank Savonarola unterjochen.

Wenn sogar Machiavelli einer Person attestiert, daß diese verblendet sei, sollte einem dies zu denken geben. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einem reformwütigen Mönch, nicht bescheiden und human wie der Heilige Bernhard von Clairvaux, sondern von der Blaupause für Martin Luther, wobei dieser noch den Anstand hatte, für sich selbst ein weltliches Leben zu reklamieren. Savonarola hingegen sah schon allein im Besitz schöner Dinge eine Verkommenheit, verhetzte Kinder zu Denunzianten und forderte den Ikonoklasmus.

Und da soll der gute Alexander VI. ein „Monster“ gewesen sein? Ein Mann der zwar als Kind seiner Zeit hart war, politisch versiert, aber ein Freund der Künste, des Lebens, des Freien Willens?

Nein, meine Damen und Herren, es ist ganz klar: mehr Borgia, weniger Savonarola, vor allem und gerade in unseren heutigen Zeiten, wo sich der Moralapostel und Verbotsgeist so radikal zu etablieren sucht. Dort wo diese Kraft die Kirche entfernt hat, für ein Vakuum sorgte, welches sie nun ideologisch mit Gewalt zu füllen trachtet. Und dabei klassische Werte unseres Glaubens wie Freiheit und Toleranz mißbraucht.

Das meine Damen und Herren war, ist und bleibt Savonarola, die vermeintliche Erlösung, die einem nur die Freiheit, das Individuum, die Seele raubt. Seien sie lieber ein Mensch des 21. Jahrhunderts, ein Katholik und damit automatisch ein bisserl Borgia. Wir können uns selbst damit nur gut tun und damit unserem Nächsten.

Girolamo.SavonarolaWer war Savonarola?

Vor dem radikalen Bußprediger und Revolutionär Savonarola (1452-1498) zitterten Fürsten und sogar der Papst. Dennoch ist er heute weitgehend vergessen. Savonarola gilt vielen als die dunkelste Gestalt in einer der faszinierendsten Epochen der Menschheit, der Renaissance. Der Dichterfürst Goethe sah in ihm ein "fratzenhaftes, phantastisches Ungeheuer". Doch dem Reformator und Mönchskollegen Martin Luther galt der Glaubensfanatiker als "wahrer Heiliger".

Der Mönch war einer der wortgewaltigsten Prediger, die es je gegeben hat. Zehntausende warteten viele Stunden lang, um im Dom von Florenz seine Stimme zu vernehmen. Savonarola geißelte in seinen Reden den sündigen Lebenswandel seiner Zeitgenossen ebenso wie die Unmoral der Reichen, der weltlichen und kirchlichen Fürsten. Unerschrocken ergriff er Partei für die Armen und Schwachen. Seine unheimlichen Prophezeiungen versetzten die Herrscher in Angst und Schrecken, weil manche der Tod verheißenden Ankündigungen tatsächlich in Erfüllung gingen.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht riss Savonarola die Herrschaft über das reiche und mächtige Florenz, damals eine Weltmetropole, an sich und errichtete einen Gottesstaat. Eine von ihm gegründete Kinderpolizei durchstreifte die Stadt und terrorisierte alle angeblichen Frevler: Geldwechsler, Liebespaare und zu aufreizend gekleidete Frauen. Savonarola wurde bald zur Gefahr für das gesamte Papsttum: Mit Alexander VI. Borgia, einem der berüchtigtsten Päpste in der Geschichte des Vatikans, geriet er in einen unerbittlichen Zweikampf.

Schließlich wurde auch Girolamo Savonarola mit zwei anderen Mönchen am 23. Mai 1498 erst gehenkt und dann verbrannt. Dies geschah auf der Piazza della Signoria, wo er ein Jahr zuvor das "Fegefeuer der Eitelkeiten" entfacht und dabei Werke von Botticelli und Co. dem Scheiterhaufen übergeben hatte.
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Perlen der Moderne II – Sakralarchitektur im 21. Jahrhundert

von Deborah Görl

Seit einigen Jahren lässt sich in der modernen Sakralarchitektur ein Trend beobachten: man baut nicht mehr in erster Linie funktionale Versammlungsbauten, sondern man entdeckt die Transzendenz im Bauen wieder. Es dominiert ein „spiritueller Minimalismus“, der sehr stark Licht als Gestaltungselement einsetzt, was sich wiederum bei einer christlichen Sakralarchitektur äußerst gut anbietet.

Auch im 21. Jahrhundert ist die Unterscheidung zwischen Sakral- und Profanarchitektur kein einfaches Unterfangen. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Sakralarchitektur zu sehr an der Profanarchitektur orientiert ist und ihre Eigenart negiert, sondern vielmehr daran, dass die Profanarchitektur „transzendenter“ geworden ist.

Die Architektur eines Museums bspw. hat die Funktion, die Kunstwerke, die es beherbergt, möglichst gut zur Geltung zu bringen. Vor 150 Jahren legte man darüber hinaus noch auf den dekorativen und repräsentativen Charakter des Gebäudes Wert, aber das war es dann eigentlich schon. Nun findet man eine Museumsgeneration vor, deren markante Gestaltungmittel Licht und Unendlichkeit andeutende Formen bzw. Raumkonstruktionen sind. Diese Museen sind, allein von der Architekturerfahrung her gesehen, zu spirituellen Räumen geworden. Eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung erhält man, wenn man den modernen Städtebau in China betrachtet.

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