The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Josef Bordat

Ohne Holland, mit Alaba. Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich

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von Dr. Josef Bordat

Heute beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. Und was für eine! Diesmal darf wirklich fast jeder mitspielen, der will. Also – mal abgesehen von den Niederländern. Startete der Wettbewerb in den Gründerjahren des zusammenwachsenden Europa mit vier Mannschaften, wurde 1980 auf acht und 1996 auf sechzehn Mannschaften aufgestockt.

Nun sind es beim UEFA-Chef Platini seiner Heim-EM vierundzwanzig Mannschaften. Der nächste Schritt wäre dann die Aufstockung auf zweiunddreißig Teams. Wahrscheinlich werden wir das auch noch er- und überleben. Doch: Erst wenn vierundsechzig Mannschaften an den Start gehen und Spanien mit Zypern, Moldawien und dem Vatikan in einer Gruppe um den Einzug ins Sechzehntelfinale kämpft, werden Sender und Sponsoren merken, dass Vermarktbarkeit Grenzen hat. Indianerehrenwort.

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Maria ist die„Protochristin“

von Dr. Josef Bordat

Im Monat Mai steht in der Katholischen Kirche die Gottesmutter ganz besonders im Mittelpunkt. Maria ist Mutter, sie ist aber vor allem Kind Gottes und hat damit die größte aller Gnaden empfangen: die Gnade des Glaubens. Sie lebt uns vor, wie wir als Christen leben sollten, noch bevor es das Christentum gibt. Maria ist „Protochristin“. Wir sollen auf sie schauen, wenn wir Christus nachfolgen wollen – rät uns Jesus noch vom Kreuz herab, wenn er seinem Lieblingsjünger Johannes auf den Weg gibt: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19, 27).

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Stephan Lochner; Muttergottes in der Rosenlaube, um 1448, Mischtechnik auf Holz – eines der wichtigsten Ausstellungsstücke des Wallraf-Richartz-Museums

Christus nachzufolgen heißt heute auch, Christus wieder neu in die Welt zu bringen, damit der Natur des Menschen die Gnade Gottes, damit der Erde ein Stück Himmel zuteil wird. Auch wir sind  insoweit „Gottesgebärer“, die in einer glaubensfernen Welt die Mittlerrolle spielen. Das ist der Kern der katholischen Marienverehrung: die petrinischen Hierarchie der Kirche um eine marianische Frömmigkeit zu ergänzen, die sich nicht als Marianismus verselbstständigt, sondern stets das Ziel im Auge behält – Christus zur Welt zu bringen.

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Leseprobe – aus Josef Bordat: Credo (2016)

„Ich glaube nicht an den Weihnachtsmann. Und auch nicht an Gott.“ – Das schrieb mir mal ein Diskussionspartner in einem Mail-Wechsel zum Thema Glaube. An einen Gott, der wie der Weihnachtsmann ist, glaube ich auch nicht. Es wäre schlicht unvernünftig, an einen Gott zu glauben, der sich wie der Weihnachtsmann verhält, der einmal im Jahr zu einem festen Termin in unserer Welt auftaucht und dann wieder verschwindet, der konkrete Wünsche erfüllt, der sich an unsere Agenda hält, der im Grunde so ist wie wir, nur etwas schneller und besser, den wir halt brauchen, damit das Leben etwas spannender, spektakulärer und unterhaltsamer wird. Der Weihnachtsmann ist dazu da, unsere ruinöse Lebensform des Konsumismus mit einer feierlichen Fassade zu verkleiden. Und Gott? Der auch? Dieser Vorwurf steckt ja in dem Vergleich. Wie gesagt: An einen solchen Gott könnte ich nicht glauben.

Ich glaube an einen Gott, der sich in unserer Geschichte zeigt, in der jedes einzelnen Menschen, aber auch der ganzen Menschheit, sich aber auch verhüllt und sich gerade dadurch als für den einzelnen Menschen und die ganze Menschheit unverfügbarer Herr dieser Geschichte erweist, an einen Gott also, der sich nur in Paradoxien entäußert, den wir als „ganz Anderen“ (Rudolf Otto) ernst nehmen müssen, auch wenn wir Ihn nie vollständig einplanen können in unser Leben, und dem wir deshalb den notwendigen Raum geben sollten, Seinen Plan nach Seinem Willen für uns und mit uns zu realisieren. Ich glaube an einen Gott, der keine Wünsche erfüllt, sondern vom Wünschen befreit. Der Weihnachtsmann muss immer wieder kommen, immer wieder Geschenke bringen und es dürfen nicht weniger sein als im letzten Jahr, sonst ist die Enttäuschung groß. Gott ist einmal in die Welt gekommen und hat uns „zur Freiheit befreit“ (vgl. Gal 5, 1), auch zur Freiheit von Bedürfnissen. Dafür schenkte Er uns die unendliche Liebe Seiner Barmherzigkeit. Dagegen hat es der Weihnachtsmann schwer.

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Credo. Wissen, was man glaubt

von Josef Bordat

11231041_173395496344167_1179400731351073545_oDas Apostolische Glaubensbekenntnis ist weit mehr als eine Auflistung von zu glaubenden Aussagen über Gott. Es ist ein dichter, vernünftiger und anspruchsvoller Text von tiefer Weisheit, in dem die zentralen Glaubenswahrheiten als Einsichten vieler Generationen von Christen tradiert sind. Zugleich spricht das Credo die philosophischen Grundfragen des Menschseins an, um Sie von Gott her, aus dem Glauben heraus zu beantworten.

Es ist sicher ein gewisses Wagnis, das Credo als Philosoph zu kommentieren, nicht als Theologe. Aber solange man dabei katholisch bleibt, sollte das wohl möglich sein. So nähere ich mich den Glaubenswahrheiten philosophisch an – Zeile für Zeile, Wort für Wort -, getragen von der festen Überzeugung, dass Glaube und Wissen, Herz und Verstand sich nicht ausschließen, wenn es darum geht, das Glaubensbekenntnis in seiner metaphysischen Weite zu durchdringen.

Rasch stößt man dabei auf die Theodizeefrage: Wie verhalten sich der Vater und der Allmächtige zueinander? Das Apostolische Glaubensbekenntnis bindet die Charakterisierungen Gottes ganz eng zusammen und macht aus ihnen schließlich eine Einheit. Zunächst folgt auf „Vater“ gleich der „Allmächtige“, dann ist vom „allmächtigen Vater“ die Rede; den „väterlichen Allmächtigen“ mag man sich hinzudenken. Wer in seiner Gottesvorstellung A sagt (wie allmächtig) und B (wie barmherzig), der muss sich der Theodizeefrage stellen.

Ich tue dies mit Gottfried Wilhelm Leibniz (dessen 300. Todestag wir in diesem Jahr begehen), aber auch mit Hans Jonas, ehe ich das Golgatha-Ereignis als Antwort auf die Theodizeefrage vorstelle: Aufgrund des Kreuzes können wir „barmherziger Vater“ und „allmächtiger Herr“ in einem Atemzug sagen. Auch in den tiefsten Abgründen des Lebens, in denen wir Verlassenheit spüren, ist Gott da. Gleichzeitig erfährt auch der gekreuzigte Jesus die Gottferne des Menschen. Gott ist in Jesus Christus bei uns, auch, wenn wir leiden. So gibt es kein sinnloses Leid, weil alles im Kreuz aufgehoben ist, im Leid der Gottverlassenheit, das größer ist als jedes andere Leid.

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