The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Evangelischer Kirchentag 2017

Hurra – 500 Jahre tiefste Spaltung der Christenheit!

2017 ist ein ganz besonderes Jahr, vor allem für uns Deutsche. Es ist so besonders, dass wir in diesem Jahr einen zusätzlichen bundeseinheitlichen Feiertag bekommen – den 31. Oktober 2017. Das liegt daran, dass wir viel zu feiern haben: Ein Plakat, das die Welt verändert. Ein Rant zum evangelischen Kirchentag 2017.

Grell orangenes Plakat zum ev. Kirchentag 2017, wie überall in Berlin zu sehen sind.

Grell orangenes Plakat zum ev. Kirchentag 2017, wie überall in Berlin zu sehen sind.

In diesen Minuten geht eine Großverantstaltung zu Ende. Es ist eine Großveranstaltung in meiner Stadt, die Stadt, die schon viele Großveranstaltungen gestemmt hat. Richtig, die Rede ist vom großartigen Berlin. Es war evangelischer Kirchentag 2017. Die ganze Stadt ist gepflastert mit kommerzieller Werbung, überall hängen die orangen Plakate herum, seit Monaten wurde ich von den Veranstaltern in beißenden Farben darauf hingewiesen, dass die evangelischen Kirchen in Deutschland nun 500 Jahre Luther feiern. Also feiert die evangelische Kirche ein ganzes Jahr lang, dass der tiefste und nachhaltigste Riss in der Geschichte der Kirche stattfand. Ein Riss, der bis heute andauert und wohl auch nie mehr zu beheben sein wird. Freikirchliche Laienprediger, gegenüber hochausgebildeten und mit den entsprechenden Würden ausgestattete Priester.

Die Stadt wird mit Polizei aus allen Bundesländern übersät, die Bahnhöfe sind mit martialisch aussehenden Polizisten gesichert, das war nicht einmal nach dem furchtbaren Attentat im vergangen Dezember so extrem gewesen.

Die Stadt ist geflutet mit Menschen in religiösem Wahn und einer Kirche, die sich nach meinem Geschmack etwas zu weltlich gibt. So wird Angela Merkel in einem „Gottesdienst“ eine Bühne gegeben, Martin Schulz (SPD) durfte im Berliner Dom Wahlkampf machen – Positionen zu den Anschlägen auf Dopten im arabischen Raum habe ich jedoch nichts vernommen. Es werden Resolutionen beschlossen, US Präsidenten a.D. schwingen Reden, Überall in der Stadt rotten sich menschen mit orangefarbenen Kopftüchern und Schlüsselbändern zusammen, die Lebensadern der Hauptstadt sind überfüllt, menschen vom Lande bilden Sprechchöre im ÖPNV.

Es gibt eine wunderbare Plakatserie des Berliner Senats zum Thema Rücksicht, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kleben Hinweise in U-Bahnen, Busse und Straßenbahen, dass man nicht zu laut sein soll, andere Fahrgäste nicht belästigen soll und eben Rücksicht nehmen soll. Diese Plakate fehlten. Stattdessen Reklamen für Opernvorführungen, Werbefrimen, die mit Luther werben und überall in der Stadt das Konterfei des Kirchentages: ein schielendes Paar Augen.

Schnappschuss Plakat: Überall Luthers Worte – Martin Luther im Nationalsozialismus

Schnappschuss Plakat:
„Überall Luthers Worte – Martin Luther im Nationalsozialismus“

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Wirtschaft, Senat, Kirchen und auch Kirchentagsveranstalter vergessen haben, dass Berlin eine Stadt ist, in der Menschen leben, wohnen arbeiten. Eine Stadt mit 3,5 Mio. Einwohnern, die mehrere Zehntausend Besucher aufnimmt und aber noch funktionieren soll.

Mich persönlich ärgert auch, dass meine katholische Kirche bei dem Schabernack auch noch mit macht, hilft und sogar das Bistumslogo auf einigen Drucksachen zu finden ist. Schön und gut: Protestanten glauben auch an den einen wahren Gott. aber dennoch haben sie sich von unserer Mutter Kirche abgespalten, essen würdelos Toastbrot und trinken Traubensaft in ihren Andachten. Sie freuen sich der Tatsache, dass sie vor 500 Jahren die heilige Kirche verließen, aufhörten an die Realpräsenz Christi zu glauben, alles ablehnten und ablehnen, an das wir Katholiken, Orthodoxe und auch die Koppten glauben. Stattdessen lesen sie die Bibel wortgenau. Das Buch, das die katholische Kirche zusammen stellte, in ihrer mehrfachübersetzten und zum Teil vereinfachten Form, berufen sich auf diese unscharfen Beschreibungen, fanatisieren sich in Teilen und nennen das dann die reine Lehre.

Einige merken so langsam, dass ihnen in ihrem calvinistischen und staatskirchlichen Verständnis einiges abhanden kam und fangen nun an, Katholisches zu kopieren.

Nebenbei hat der evangelische Kirchentag noch ein ganz anderes moralisches Problem. Der offizielle Anreisepartner ist das Unternehmen Flixbus. Flixbus ist der Konzern, der wegen schlecht bezahlter Subunternehmer in der Kritik steht und gerade ein Quasimonopol im Bereich der Fernbusanbierter aufgebaut, sowie nahezu alle Konkurrenten mit Kampfpreisen auf Kosten der Fahrer und Buseigner vom Markt gedrängt hat. Ist das die Übernahme sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung, die der Kirchentag doch in seinen Resolutionen fordert?

Nur wenn ich weiss wo ich her komme, weiß ich wo ich hingehöre. Etwas zu bejahen schliesst etwas gegenteiliges aus. Ich bin Katholik. Punkt. Meine Konsequenz ist, dass ich einfach bei der nächsten derartigen Großveranstaltung das machen werde, was ich und viele andere Einwohner zum 1. Mai und Sylvester auch tuen: Ich verlasse die die Stadt.

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Imperium der Päpste (1/3) – Duell zwischen Kreuz und Krone

Die neue Imperium-Reihe mit Maximilian Schell, dokumentiert Aufstieg und Fall des Papsttums von der grössten weltlichen Macht bis zum drohenden Untergang.
Vom Gang nach Canossa bis zur Plünderung Roms.

Aufwändige Reenactments spiegeln lebendige Bilder grosser Epochen wider, in denen der Vatikan zum politischen, kulturellen und religiösen Brennpunkt der europäischen Geschichte wurde.

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Der Ort hinter dem sichtbaren Raum

Giotto und Beato Angelico stellen das Mysterium der Himmelfahrt dar

Ascensione Angelico

Giotto wurde mit der Gestaltung der Fresken in der am Ort eines ehemaligen römischen Amphitheaters neu erbauten Kapelle beauftragt. Diese wurde von der Familie Scrovegni um das Jahr 1300 mit dem Ziel erworben, einen (heute nicht mehr erhaltenen) Familienpalast und die Palastkapelle zu errichten.

Die Malarbeiten Giottos wurden schätzungsweise zwischen 1303 und 1304 auf den direkten Auftrag von Enrico Scrovegni hin ausgeführt. Dabei handelt es sich um den Sohn des im 17. Gesang von Dantes „Inferno“ als Wucherer charakterisierten Reginaldo.

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40 Jahre Star Wars

Eine neue Hoffnung: Warum Star Wars die richtige Film-Saga für unsere Zeit ist

Von Stefan Ahrens

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…“

Als auf den Tag genau morgen vor 40 Jahren das erste Mal diese ikonische Textzeile über lediglich 32 Leinwände in den US-amerikanischen Kinos flimmerte, konnte niemand ahnen, dass an diesem Tag die Filmgeschichte sowie die gesamte Popkultur um ein neues, entscheidendes Kapitel bereichert werden würde.

Denn um 10 Uhr 45 Ortszeit lief damals in San Francisco ein Film an, der von Brancheninsidern als großer Flop gehandelt wurde. Das Filmstudio 20th Century Fox rechnete mit dem Allerschlimmsten – und der von den vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Dreharbeiten immer noch entkräftete Regisseur und Produzent floh schon einmal vorsorglich nach Hawaii, um dem erwartbaren Hohn und Spott zu entkommen.

Es kam jedoch anders.

Denn statt einem Flop wurde der obengenannte Film einer der größten Filmerfolge aller Zeiten und Auftakt einer bald neun Teile umfassenden Science-Fiction-Saga – und der oben genannte Regisseur und Produzent avancierte zu einem der wirkmächtigsten (und nebenbei milliardenschweren) Filmemacher und Produzenten Hollywoods.

Der Name des Films lautete Star Wars, der Name seinen Schöpfers George Lucas. Namen, die heute so gut wie jedes Kind auf unserem Erdball kennt – und all die Filme, Comics, Serien, Computerspiele, Actionfiguren und Bücher, die mit diesem „Imperium der Träume“ zusammenhängen, sowieso.

Remember the 70s: Star Wars als Gamechanger im Filmgeschäft

„Mehr als ein Film – ein beispielloses Ereignis!“: Original-Trailer zu „Krieg der Sterne“ von 1977 in deutscher Sprache

Man vermag sich kaum mehr eine Zeit ohne Star Wars vorstellen: so omnipräsent ist die Science-Fiction-Saga heutzutage, so ikonenhaft  sind ihre Figuren wie Luke Skywalker, Darth Vader, Obi-Wan Kenobi, Yoda, Prinzessin Leia, C3PO und R2D2 geworden. Jeder kennt den dazugehörigen oscarprämierten Soundtrack von John Williams oder Redewendungen wie „Möge die Macht mit dir sein“. Und vermutlich Jungs (und sicherlich auch viele Mädchen) jeder Generation wollten schon einmal Jedi-Ritter sein oder als Pilot an Bord von Han Solos Millenium Falcon es mit dem gesamten bösen Galaktischen Imperium aufnehmen.

Doch woran lag es, dass dieser allgemein als totsicheres Kassengift betrachtete Film 1977 entgegen aller Branchenkenntnisse und Expertenmeinungen einschlug wie die buchstäbliche Bombe?

Offenkundig traf der Film einen besonderen Nerv der Zeit. Er war Balsam auf der durch Vietnam und Watergate angeknacksten amerikanischen Seele: Er entführte an faszinierende Orte, bot Eskapismus, Romantik und Mystizismus, er präsentierte neue Helden, die zur Identifikation einluden, und ein klares Gut-Böse-Schema. Und obwohl es um Konflikte, Kampf, eben um Krieg ging, wurde er als positive Utopie aufgenommen.

Machen wir uns nichts vor: Auch damals war es so wie heute, dass Filme und TV-Serien unterschwellig und verfremdet immer widerspiegelten, was Menschen zu einer bestimmten Zeit bewegt. Während in den 1970er Jahren im US-Fernsehen charmante Detektive und Schnüffler wie Peter Falks „Columbo“ oder Telly Savalas‘ „Kojak“ Bösewichtern auf die Finger klopften, und Familienserien wie die „Waltons“ oder „Unsere kleine Farm“ an bessere Zeiten erinnern sollten, gab es im Kino der vom Watergate-Skandal und Vietnam-Fiasko heimgesuchten USA zwei vollkommen entgegengesetzte Trends: Zum einen das intellektuelle Autorenkino des sogenannten „New Hollywood“ mit Vertretern wie Robert Altman, Peter Bogdanovich, John Cassavetes, Francis Ford Coppola oder Martin Scorsese, die sich den Schattenseiten des „American Dream“ widmeten und die Leinwand mit Antihelden und einer Anti-Establishment-Haltung füllten. Gleichzeitig feierten sogenannte „Disaster Movies“ („Katastrophenfilme“) wie „Airport ’77 – Verschollen im Bermuda-Dreieck“, „Erdbeben“, „Flammendes Inferno“ oder „Die Höllenfahrt der Poseidon“ große Erfolge an den Kinokassen und boten den von der Lebensrealität verunsicherten Amerikanern ein Ventil, um die als bedrohlich empfundene Weltlage psychologisch verarbeiten zu können. Von Horrorfilmen wie „Der Exorzist“, „Das Omen“ und noch viel härterem Filmstoff ganz zu schweigen.

In diese Zeit der allgemeinen Niedergeschlagenheit innerhalb und außerhalb des Kinosaals platzte dann der erste Star Wars-Film hinein. Der Film wurde ein Gamechanger (Spielveränderer), aber nicht nur in Bezug auf den Wandel vom „New Hollywood“-Kino hin zum „Blockbuster“-Kino, sondern auch mentalitätsgeschichtlich.

Star Wars bereitete den politischen und gesellschaftlichen Optimismus der 80er und 90er Jahre vor

Er berichtete über das Kennedyattentat, die Mondlandung – und über Star Wars:  Walter Cronkite trug zum Erfolg von George Lucas´ „Space Opera“ bei.

Das amerikanische journalistische Urgestein Walter Cronkite (1916–2009) erkannte als einer der ersten Journalisten, dass Star Wars mehr als nur ein Film war. „The most trusted man in America“ berichtete am Tag der Premiere von den meterlangen Schlangen, die sich vor den Kinos bildeten und ermutigte seine Zuschauer, sich diesen Film anzusehen. In der Dokumentation „Empire of Dreams“ (2004) über die „Star Wars“-Filme betonte er gar,  dass das popkulturelle Phänomen „Star Wars“ – obwohl es betontermaßen nur ein Hollywood-Produkt war – mit seinem sprühenden Optimismus ganz allein die USA von der bis dato vorherrschenden Katastrophenstimmung hin zu einem überbordenden Optimismus führte. Und dem festen Glauben daran erzeugte, dass es auch in Zeiten schlimmster Hoffnungslosigkeit möglich ist, sich aus dem Sumpf zu ziehen. Genauso wie es im Kino möglich war, als Farmersjunge von einem unbedeutenden Planeten ein gesamtes „galaktisches Imperium“ in die Knie zu zwingen, sollte es auch im realen Leben möglich sein, alle Widerstände in die Schranken zu weisen. „Star Wars“ war mehr als ein Film – er war ein Gefühl, wurde eine Lebenseinstellung.

Dieser „Geist von Star Wars“ war in den von Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Helmut Kohl politisch geprägten 1980er Jahren und darüber hinaus noch bis zum Ende der 1990er Jahre unter Bill Clinton und Tony Blair in der westlichen Welt popkulturell und politisch vorherrschend. Und schien nicht die Änderung der weltpolitischen Lage wie beim Ende des Kalten Krieges oder des Falls der Berliner Mauer einem Denken recht zu geben, welches nichts für unmöglich und alles für erreichbar hielt? In so einer gesellschaftlichen Stimmung konnten auch die Thesen eines Francis Fukuyama vom „Ende der Geschichte“ reifen, die noch Anfang der 1990er Jahre sehr plausibel klangen.

Wegmarke 9/11: Rückkehr der Dunkelheit in Politik und Unterhaltung

Verkörpert das düstere Actionkino seit 9/11: Christopher Nolans Batman-Verfilmung „The Dark Knight“

Mag sein, dass dieses Denken einen zutiefst naiven Kern beinhaltet. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 jedenfalls versetzten dem bis dato vorherrschenden Optimismus in der transatlantischen Welt einen schweren Schlag. Und die seitdem hinzugekommenen politisch-ökonomischen Rückschläge durch die Finanz- und Schuldenkrise, die islamistischen Terroranschläge von Manchester, Berlin, Marseille, London, Madrid und Paris, dem gescheiterten „arabischen Frühling“, dem Erstarken des IS sowie der Flüchtlingskrise lassen manche Zeitgenossen in pure Hoffnungslosigkeit versinken.

Auch in der Unterhaltungswelt geht es seitdem betont düster zu: Paradebeispiel ist hierfür das Actionkino, wie es Christopher Nolan mit seiner Batman-Neuinterpretation in der „The Dark Knight“-Trilogie von 2005 bis 2012 zelebrierte: Nämlich in Zeiten von  9/11, NSA-Abhörskandalen und Anti-Terror-Kampf ein die katastrophale geopolitische Lage kommentierendes, anspruchsvolles, betont „realistisches“ und mitunter deprimierendes Kinoerlebnis zu erschaffen – bevölkert von gnadenlosen Bösewichten und gebrochenen, sich am psychischen und physischen Limit befindenden Helden, denen nur wenig fehlt, um selbst als Schurke zu enden. Ein Paradigma, dem sich selbst der altehrwürdige James Bond in der Daniel Craig-Ära nicht entziehen konnte und das auch – passend zum gegenwärtigen „Goldenen Zeitalter der Fernsehserien“  – in handwerklich sehr gut gemachten Fernsehserien wie „Breaking Bad“, „Mad Men“ oder „True Detective“ mit deren ambivalenten Protagonisten seinen Weg auf die Mattscheibe zuhause gefunden hat.

Doch ebenso wie Mitte der 1970er Jahre ist es auch heute nicht ausgeschlossen, dass sich ein neues positives Denken sowie der Glaube daran verbreiten kann, dass mehr in uns steckt, als einfach nur Probleme entweder zu verschweigen, sich durch diese versuchen hindurchzuwurschteln oder nur zu verwalten. Hier kann man am Beispiel von George Lucas‘ erstem „Star Wars“-Film lernen: Denn Lucas gab den Zuschauern mit seiner aus so unterschiedlichen Quellen wie Joseph Campbell, „Flash Gordon“, Akira Kurosawa sowie stoischer und buddhistischer Philosophie schöpfenden Weltraumsaga nicht einen Film, den sie erwarteten, sondern einen Film inklusive Botschaft, die sie sich – ohne es zu wissen – erhofft hatten. „Eine neue Hoffnung“ nannte Lucas bezeichnenderweise seinen Film von 1977 später im Untertitel. Und die lieferte er seinem Publikum – weit über das Kino hinaus.

Gamechange reloaded: Die neuen Star Wars-Filme seit 2015

Auch die neuen Star Wars-Filme versprühen Hoffnung: Deutscher Trailer zu „Das Erwachen der Macht“ von 2015.

Diese These kann durch den unglaublichen Erfolg der neuen Teile der Star-Wars-Saga belegt werden, die seit Dezember 2015 in den hiesigen Kinos laufen. Anstatt Luke Skywalker im ersten „Star Wars“-Film ist es in der neuen Trilogie Rey (gespielt von Daisy Ridley), ein junges Mädchen vom Wüstenplaneten Jakku, das in „Das Erwachen der Macht“ ihren kargen Lebensunterhalt als Schrotthändlerin verdienen muss und noch im Trailer zum Film von sich sagt „Ich bin Niemand!“. Doch Rey entdeckt schließlich die „Macht“ – und schüttelt ihre Hoffnungslosigkeit ab, um gemeinsam mit dem „Widerstand“ in den Kampf gegen die sogenannte „Erste Ordnung“ (der Nachfolgeorganisation des bösen „Galaktischen Imperiums“ der Original-Trilogie) zu ziehen und dieser eine erste schwere Niederlage beizubringen. Reys Geschichte im Star Wars-Universum wird im Dezember diesen Jahres in „Die letzten Jedi“ fortgesetzt werden.

Und wieder ist es wie 1977: Denn nicht nur die Rekorde purzelten  (trotz Dezemberstarts erfolgreichster Film 2015, erfolgreichster Film aller Zeiten in Nordamerika, dritterfolgreichster Film aller Zeiten weltweit), als „Das Erwachen der Macht“ anlief und zielsicher auf ein weltweites Einspielergebnis von über 2 Milliarden US-Dollar zusteuerte. Sondern auch eine positive Grundstimmung breitete sich unter denjenigen aus, die diesen Film bereits gesehen haben – der sich so ganz antizyklisch zu dem zynischen und mitunter depressiven Kino- und Fernsehprogramm verhält, dass seit Jahren den Menschen zugemutet wird.

In Zeiten wie diesen braucht es nämlich nicht vor allem depressive Filme, Serien und ebensolche Helden, die auf der Kinoleinwand mit so vielen inneren und äußeren Dämonen zu kämpfen haben, dass man am Ende als Zuschauer ganz vergessen hat, dass es doch noch – seltsamerweise – zum Happy End gekommen ist. Auch im deutschen Fernsehen sollte man nicht einfach nur vorangegangenen Film-Paradigmen hinterherlaufen und suggerieren, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als vor der Wirklichkeit kapitulieren zu müssen. Sondern den Mut dazu haben, Geschichten erzählen, die mehr bieten als nur das Erwartbare und Machbare.

Selbst ein ultimatives Hollywood-Produkt wie „Star Wars“ kann hierbei Orientierung geben: Geschichten zu liefern, die Menschen dazu inspirieren, voranzuschreiten: in punkto Hoffnung, dem Glauben an sich selbst – und (was aus religiöser Perspektive noch am Interessantesten ist) dem Glauben an eine höhere, erlösende und befreiende „Macht“.

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Die katholische Liebeslehre

Die katholische Vision der sexuellen Liebe (Teil 2)

„Wer der päpstlichen Botschaft die Aufmerksamkeit schenkt, die sie verdient, wird entdecken, dass die katholische Kirche − trotz der angeblichen anti-Sex-Stimmung − eine Vision der sexuellen Liebe hat, die weit ruhmreicher ist als alles, wovon Sigmund Freud, Hugh Hefner, Britney Spears oder Howard Stern träumen oder was sie sich vorstellen könnten.“. (Christopher West)

CC BY-SA 3.0 Dr. Meierhofer

Hoffnung auf ein Leben in Fülle

Das Eingangszitat ist eine Übersetzung aus dem Buch „The Love That Satisfies“ von Christopher West. West, ein US-amerikanischer Theologe und Vertreter der „Theologie des Leibes“ sieht die katholische Liebeslehre jenseits von Prüderie und Ausschweifung als wahrhaft menschlich an. Daher verkündet er selbstbewusst, dass die katholische Vision ruhmreicher als alles sei, wovon die Vertreter säkularerhedonistischer Sexualmoral nur träumen könnten. Denn die katholische Vision schenkt nach West die wahre Erfüllung.

Die katholische Sichtweise ist mit der Hoffnung verbunden, dass ein Leben in Fülle möglich ist, wenn man auf Gott vertraut. Denn die Kirche lehrt, dass Gott Anfang und Ziel aller Menschen ist und als solcher mit der natürlichen Vernunft erkannt werden kann. Dies steht im Zentrum, wenn man die Frage stellt, warum die Kirche eine Vision hat und nicht nur die empirische Realität rezipiert.

Erfüllte Sexualität

Das Leben ist nach dem Glauben der Kirche nicht einfach sinnlos oder ein ständig zu leistender Kampf, sondern ein Geschenk Gottes. Zu diesem Geschenk gehört auch die Sexualität. Die Kirche geht nun davon aus, dass diese nicht nur eine triebhafte Anlage ist, die es einfach auszuleben gilt, sondern dass in der Sexualität Sinn, Ziel, Schönheit und Verantwortung liegen. Sie geht sogar so weit, wie Paul VI. in Humanae vitae von 1968 lehrt, dass sie darin das menschliche Leben in seinem Kern berührt sieht: „Die überaus ernste Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben, durch die die Gatten freie und bewußte Mitarbeiter des Schöpfergottes sind, erfüllt sie immer mit großer Freude; doch ist die Freude vielfach mit nicht geringen Schwierigkeiten und Bedrängnissen verbunden.“

Der Mensch ist als sexuelles Wesen vor die Aufgabe gestellt, egal in welchem Stand oder welcher Situation er ist, mit seiner Sexualität umgehen. Dies betrifft Zölibatäre wie Verheiratete, Singles oder Paare ohne Treueversprechen. Da die Sexualität ein starker Trieb ist, hat sie die Macht – so liest man bereits bei den Wüstenvätern – gleichsam vom Menschen Besitz zu ergreifen und rein hedonistisch-egozentrisch zu wirken. Versteht man Sexualität vor allem in einer hedonistisch-egozentrischen Version, dann ist die andere Person vor allem Objekt meiner Lustbefriedigung, sie dient meinen Bedürfnissen. Aber die volle personale Würde der Person wird dann nicht beachtet. Die andere Person wird gleichsam auf einen „Fleischklumpen“ reduziert, der der eigenen Lust unterworfen wird. Man stumpft ab und füttert den Egoismus.

Sexualität als Ausdruck echter Liebe

Der hedonistisch-egozentrischen Version der Sexualität stellt die katholische Kirche nun ihre Vision entgegen. Verbunden damit ist die Glaubenswahrheit, dass wir nicht zur Sklaverei unter die Triebe, sondern zur Freiheit berufen sind. Sie sieht Sexualität vielmehr als Gottesgeschenk, in dem die Menschen „Mitarbeiter des Schöpfergottes sind“. Sie sind daran beteiligt neues Leben zu schaffen, indem sie sich einander in Liebe ganz hingeben. Man kann dies eine kommunikativ-personale Version der Sexualität nennen, in der nicht die Lust, sondern die andere Person im Zentrum steht. Um die sexuelle Vereinigung in ihrer tiefsten Wahrheit und Schönheit zu leben, ist es nach der Lehre der Kirche nötig, dass Mann und Frau ganz Ja zueinander sagen – und zwar für ihr ganzes Leben. Denn dann steht die Liebe, von der Augustinus sagt, sie bedeutet „Ich will, dass du bist“, im Mittelpunkt.

Jede Form der Sexualität außerhalb der Ehe kann nach katholischer Auffassung nur defizitär sein, da die volle Bajahung und Annahme der anderen Person fehlt. Ohne diese Annahme ist die Möglichkeit der Ganzhingabe und der tiefsten Liebe eingeschränkt. Die Kirche geht davon aus, dass Liebe bis zum Tod möglich ist und Sexualität diese Liebe ausdrücken soll und dazu geschaffen ist. Die Kirche glaubt, dass der Mensch zu solcher Liebe berufen und fähig ist und sie der menschlichen Würde am meisten entspricht. Sie weiß um die Schwäche und das Versagen des Menschen, aber sie vertraut auf die Gnade Gottes, die jede Schwäche überwinden kann.

Siehe auch Teil 1:

Unsere Welt ist gesättigt mit Sex, aber bleibt hungernd nach Liebe

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