The Cathwalk

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Schlagwort: Josef Jung

Religion und Moderne (Teil 3): Warum die Religion verliert und wie sie gewinnen kann

Ob man sich als religiös bezeichnet oder nicht, unabhängig von der eigenen Zuschreibung ist kaum bestreitbar, dass Religion einen massiven Bedeutungsverlust erfährt. Besonders seit den letzten Jahrzehnten findet ein stetiger Rückgang statt. Doch dieser hat seine Gründe. Warum verliert und die Religion und wie kann sie wieder gewinnen?

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von Josef Jung

Religion verliert, wo sie im Gegensatz zur Moderne steht

Was ist Moderne? Für den Bereich den Bereich der Religion kann man sagen: Religion wird als eine Angelegenheit der individuellen Sinn- und Bedürfnisorientierung betrachtet. Verschwunden sind weitgehend objektive Kriterien, Disziplin und Vergesellschaftung. Damit einher geht, dass Fragen nach Moral und Glaubensführung nicht mehr von außen vorgegeben werden können. Wenn Religion mit Lebens- und Moralansprüchen herantritt, die dem widersprechen, was eigene Bedürfnissen und Vorstellungen sind, wird Religion mit dem Argument der „Heteronomie“, also der Fremdbestimmung, zurückgewiesen. Modern hingegen heißt von „Autonomie“ zu sprechen, vom „moralischen Gesetz in mir“, wie es Kant nennt.

Nun bietet das 21. Jahrhundert eine Fülle an Entfaltungsmöglichkeiten, die zwar von traditionellen religiösen Normen abweichen – in Bereichen der Sexualität, Familie, Lebensführung, Identiät usw. – aber dennoch gesellschaftlich vollkommen akzeptiert werden. Dies ist so, weil sich die abweichenden Positionen auf eine Art „säkulares Naturrecht“  berufen, nämlich auf die  „Autonomie“ oder auf etwas wie die „conditio humana“ und diese gelten als unaufgebbare Errungenschaften. Es geht um die Selbstwerdung nach dem, was im Inneren als das Ureigene, das eigentliche Selbst wahrgenommen wird. Hier verbittet man sich einen Verweis auf Gott, Kirche usw. da dies als unberechtiger, fremder Eingriff gegen die eigene Entfaltung, das eigene Glück gesehen wird.

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Evangelisieren durch Schönheit

Wer Schönheit erfährt, wird von ihr fasziniert. Sie zieht an, lässt stauen und erheitert. Das zeigt sich schon im sinnlichen Bereich, wenn Männer sich in Frauen verlieben, weil sie sie schön finden. Schönheit hat etwas Lebensbejahendes, etwas Schöpferisches. Echte Schönheit weist über sie selbst auf etwas Göttliches hinaus, daher ist sie auch ein Mittel zur Evangelisation.

von Josef Jung

Erotische Schönheit: „Schön bist du, meine Freundin, / ja, du bist schön“

Das Hohelied der Liebe Salomos zeigt die ganze Kraft der Schönheit, die hier in der Erotik missionarisch wirkt. Weil er seine Freundin schön findet, umgarnt er sie und macht ihr den Hof. Menschen suchen Schönheit und fühlen sich, wenn sie diese wahrnehmen, wohl. Sie strahlt etwas aus, das gute Gefühle auslöst. Im erotischen Bereich der Schönheit steht das Lebendige und Schöpferische im Mittelpunkt. Die wahrgenommene Schönheit treibt dazu an zu werben, zu loben, zu dichten und zu lieben.

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Im erotischen Bereich der Schönheit steht das Lebendige und Schöpferische im Mittelpunkt. Die wahrgenommene Schönheit treibt dazu an zu werben, zu loben, zu dichten und zu lieben. – Diana nach dem Bade, 1742 (François Boucher)

Schönheit als Ästhetik

Neben der erotischen Schönheit kann man auch allgemeiner von Ästhetik sprechen, wenn es um Architektur, Natur oder Kunst geht. Dabei wird sehr deutlich, ob und wie ein Bezug zum Göttlichen gewollt ist. In der Architektur galt lange Zeit, dass sie auch ein Mittel und Zeichen ist, das auf eine andere Größe hinweist. Entweder sollte sie die Herrlichkeit Gottes, wie in Kirchen oder die eines Reiches, wie im Säkularen, widerspiegeln. Daher mussten die Bauten schön sein, um dies entsprechend darzustellen. Diese Sicht ist heute meist einem Pragmatismus gewichen. Gebäude sollen vor allem nützlich sein, ihre Schönheit ist weniger von Belang. Dies klammert jedoch die transzendente Ausrichtung des Menschen aus und lässt ihn in emotional kälter werden.

Wird Schönheit in der Natur wahrgenommen, sehen viele darin einen Verweis auf einen guten Schöpfer. Insofern kann die Natur zu einem Gottglauben missionieren, wenngleich der notwendige Bereich der Offenbarung damit noch nicht mitgeteilt wird.

Mit der Kunst verhält es sich ähnlich wie mit der Architektur. Wie sie ist, ist eine Frage ihrer Ausrichtung und Idee. Nach der Romantik folgten auch hier eher pragmatischere Stilrichtungen, die weniger verklärend und eher darstellend sein wollten. Die Alltagsempirie rückte in den Vordergrund. Naturalismus wurde hier neben anderen Stilrichtungen immer wichtiger. Dabei wurde oft bewust jeder Bezug zum Göttlichen als illusionär gebrandmarkt und ausgeklammert. Dem steht zum Beispiel radikal die Kunst in den vatikanischen Museen entgegen, die gerade durch ihre Schönheit die Wirklichkeit und Wahrheit Gottes verkündigen will.

Schönheit in der Verkündigung

In der Bibel wird die Schönheit Gottes verkündet. Eine wörtliche Übersetzung von Pslam 104,1 macht dies deutlich: „Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt“. So macht die Offenbarung klar, dass Schönheit ein Mittel zum Evangelisieren ist, da sie ja letztlich auf Gott selber verweist und auf ihn zurückgeht. Was schönt ist, preist damit in irgendeiner Weise auch Gott. Schönheit in der Verkündigung bedeutet, dass Schönheit zum Lob und zur Ehre Gottes dienen soll, ihn bekannt machen soll. Wenn man den Glauben als schön darstellt, hat man damit eine sinnliche Wirklichkeit im Menschen angesprochen, die keine Worte braucht, sondern einfach wirken kann. Schönheit macht froh, Schönheit zieht an. Wir sollten sie daher auch in den Glauben hineinlassen.

 

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Religion und Moderne (Teil 1): Konflikte und Aufbrüche

Der katholischen Kirche galten und gelten gewisse Ausprägungen moderner Theologie und Philosophie als „Modernismus“ und damit als „Sammelbecken aller Häresien“. Ähnliche Ausprägungen gab und gibt es in den evangelischen Kirchen. Was fanatisch klingen mag ist aber eine Analyse von Religionsverständnissen, die tatsächlich für traditionelle Formen des Christentums vernichtende Auswirkungen haben können. Die Moderne bringt neben naturwissenschaftlichen Erkenntnissen auch eine neue Interpretation von Mensch, Religion und Gott mit sich. Die Frage, die sich seit dem durch die Geschichte zieht lautet: Sind Moderne und Religion vereinbar oder hat man als moderner Mensch keine andere Möglichkeit als der Religion abzusagen?

von Josef Jung

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Der Begriff Modernismus als Phänomen der Moderne

Der Begriff Modernismus ist eine Zuspitzung von theologischen Ansätzen, die vormals als „liberal“ gescholten worden. Erstmals fassen kann man den Begriff beim belgischen Laien und Nationalökonomen Charles Périn. Er verwendete ihn in seinem Aufsatz Le modernisme dans l’église d’après les lettres inédites de La Mennais“. Dort verstand Périn Modernismus als Begriff für die Versöhnungsversuche liberaler Katholiken mit den Ideen der Französischen Revolution und der Demokratie, weiterhin als das Eindringen humanitärer Tendenzen aus der säkularen Gesellschaft in die Kirche. Der von Périn geschaffene Neologismus Modernismuswar ganz auf der Linie des damaligen päpstlichen Katholizismus.

PÉRIN beschrieb die Essenz des Modernismus als den Versuch, Gott durch denMenschen zu ersetzen. Perins Definition lautet:

L’essence du modernisme, c’est la prétention d’éliminer Dieu de toute vie sociale. L’homme, suivant l’idée moderne, étant à lui-même son dieu et le maître souverain du monde, il faut que dans la société tout se fasse par lui et par la seule autorité de la loi qu’il porte.“ (Perin, 1881, S. 5)

Übersetzung: „Die Essenz des Modernismus beansprucht Gott aus dem ganzen sozialen Leben zu beseitigen. Da nach der modernen Idee der Mensch sich selbst sein eigener Gott und der souveräne Herr der Welt ist, muss in der Gesellschaft alles durch ihn und die alleinige Autorität des Gesetzes, die er trägt, gemacht werden.“

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J.R.R. Tolkien: „Die Versuchung zum ‚Unglauben‘ ist immer in uns“

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Quelle: giantbomb.com

J.R.R. Tolkien oder ausgeschrieben: John Ronald Reuel Tolkien ist den meisten bekannt als Autor von Der Herr der Ringe und Der Hobbit. Unbekannt ist den meisten jedoch, dass er neben seiner Passion für Fantasy-Geschichten noch eine andere Identität hatte: Tolkien war ein tiefreligiöser Katholik. Eine Auseinandersetzung mit seinem Glauben, seinen Zweifeln und Ratschlägen in seinen Briefen.

von Josef Jung

Tolkiens traditionelle katholische Frömmigkeit

Traditionelle Vorstellungen von Kirche und Gesellschaft ziehen sich durch die gesamten veröffentlichten Briefe Tolkiens. Tolkien war ein Freund der Natur und des konservativen Lebensstils. Im kirchlichen Bereich lobte er Papst Pius X., der vor allem durch seinen Kampf gegen moderne theologische Ansätze bekannt ist und einen Eid gegen den „Modernismus“ einführte:

„Ich denke, die größte Reform unserer Zeit war die, die vom hl. Pius X. ausgeführt wurde. Sie überbietet alles, was das Zweite Vatikanische Konzil, mag es auch nötig sein, erreichen wird.“ (Brief an seinen Sohn Michael, Nr. 250, 1963)

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Camus‘ Roman als Motivation zur Mensc

Rupert Neudeck: „’Die Pest‘ war für uns eine Art Bibel für die humanitäre Arbeit“

Albert Camus – Romancier, Philosoph und Gewinner des Literaturnobelpreises. Aber noch mehr als das war er eine Art Inspirationsfigur für einen neuen säkularen Humanismus. Dem Atheismus wird oft vorgeworfen, er habe keine überzeugenden Argumente, um zum aufopfernden Handeln zu motivieren. Camus scheint jedoch der große Sprung gelungen zu sein, am Atheismus festzuhalten und dennoch zum Humanismus zu motivieren. Eine Spurensuche nach den humanistischen Motivationsquellen.

von Josef Jung

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Foto: Riccardo Cuppini / flickr.com. Lizenz: CC-BY-NC-ND 2.0

Rupert Neudeck: Camus statt Gott motiviert zum Humanismus

Rupert Neudeck studierte in Münster Theologie und Philosophie, bevor er 1961 in den Jesuitenorden eintrat. Nach seinem Austritt aus dem Orden promovierte er in Philosophie mit der Arbeit: „Die politische Ethik bei Jean-Paul Sartre und Albert Camus“ (1975). Am Titel der Arbeit wird bereits erkenntlich: Es sind dezidiert atheistische Philosophen, denen er seine Aufmerksamkeit in Fragen des rechten Handelns zuwandte. In einer Dokumentation auf Arte mit dem Titel „Albert Camus, Lektüre fürs Leben“ von Joël Calmettes (2013) sagte Neudeck:

„Ich denke, dass Camus einer der ganz wenigen ist, die Hoffnung möglich sein lassen, ohne dass man eine transzendente Quelle hat. Es gibt die Möglichkeit diese Hoffnung möglich zu machen, die darin besteht, dass man mit anderen für andere etwas von seinem Glück abgibt und sich nicht mehr schämen muss, alleine glücklich zu sein.“ – Rupert Neudeck

Die Stelle, auf die sich Neudeck bezieht, ist ein Dialog im Roman „Die Pest“ zwischen dem fiktiven Arzt Dr. Rieux und dem Journalisten Rambert. Die Beulenpest ist in der fiktiven nordafrikanischen Stadt „Oran“ bereits voll ausgebrochen. Die Situation spitzt sich zu und Rambert sagt zu Dr. Rieux: „ich gehe nicht weg, ich will bei Ihnen bleiben.“ Rambert würde sich schämen, ginge er weg.  Dr. Rieux entgegnet daraufhin, dass man sich nicht zu schämen brauche, das Glück vorzuziehen. Rambert entgegnet darauf: „Aber man kann sich schämen, wenn man ganz allein glücklich ist.“ Diese Entgegnung Ramberts ist für Neudeck die zentrale humanitäre Motivationsquelle – „über diesen Satz hinaus brauche ich nichts mehr“.

Weiterhin nennt Neudeck in derselben Dokumentation Camus Roman “Die Pest“ „eine Art Bibel für die humanitäre Arbeit“. Das ist interessant und verwunderlich zugleich, zum einen weil „Die Pest“ wohl keine „Bibel“ sein will und auf der anderen Seite zu fragen ist, ob „Die Pest“ wirklich eine moralische Motivationsquelle sein kann.

Camus Roman hält am Absurden fest und will dennoch zum Humanismus motivieren

Zwar hat „Die Pest“ Camus‘ nicht mehr die Anziehung vergangener Jahrzehnte, aber es strahlt dennoch als ein literarisches Hauptwerk mit Anklängen an die existenzialistische Philosophie. Für den Arzt Dr. Rieux bleibt die Pest im Gegensatz zu seinem religiösen Pendant, dem Jesuitenpater Paneloux stets absurd. Sie ist keine Strafe Gottes, sondern einfach nur grausam. Der Mensch muss nach Rieux handeln, weil Gott schweigt. Angesichts des grausamen Todes kleiner Kinder wird die Revolte „gegen die Weltordnung“, „gegen die Schöpfung, so wie sie ist“ und gegen Gott zur Handlungsmotivation. Rieux hilft, weil er muss; er ist Arzt und Humanist. Die Pest bedeutet für ihn „eine Niederlage ohne Ende“. Als seinen großen Lehrmeister sieht er „das Elend“.

Aber es gibt auch noch was Anderes, das leise und ohne Empörung daherkommt, etwas, das einfach nur aus Menschlichkeit Motivation zieht: „Nach einem Schweigen richtete sich der Arzt etwas auf und fragte, ob Tarrou eine Vorstellung von dem Weg habe, den man einschlagen müsse, um zum Frieden zu kommen. ‚Ja, Mitgefühl.‘“.

Das Absurde bleibt immer bestehen

Letztlich kann Camus das Absurde nicht auflösen und sieht in der Revolte „gegen die Weltordnung“ einen moralischen Imperativ. Ob dies „Hoffnung möglich sein [lässt]“, wie Neudeck postuliert? Sicherlich gibt es keine Hoffnung im Sinne einer göttlichen Gerechtigkeit, im Sinne einer leiblichen Auferstehung in der alle Tränen getrocknet und Leid in Freude gewandelt wird. Die religiöse Hoffnungsdimension lehnt Camus ab. Man ist radikal aufs Diesseits zurückgeworfen, so wie Nietzsche – von dem Camus stark beeinflusst war – es sich für den Übermenschen vorstellt: „In alle Abgründe trage ich da noch mein segnendes Ja-sagen.“ – Ja zum Leben sagen, trotz aller angenommenen letzten Absurdität.

Ein solches Leben muss sich jedoch immer im Kampf und Widerspruch beweisen. Im Kampf gegen das Absurde und menschlich sein im Widerspruch zur „Schöpfung, so wie sie ist.“ Doch wie soll „eine glückliche Stadt“ möglich werden, wenn das letzte Wort doch dem Absurden vorbehalten bleibt?

Liteatur:

Camus, Albert, Die Pest. Deutsch von Uli Aumüller, Berlin 792012.

 

Der Artikel von Josef Jung erschien auf hinsehen.net und darf mit freundlicher Genehmigung des Autores hier veröffentlicht werden.
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Kleider machen Leute: Denn du bist, was du trägst

Zurzeit wird viel über die Frage diskutiert, ob die Kirche an ihrer Sprache kaputtgehe. Man solle anders auftreten und reden. Als ob Jesus nicht selbst einer gewesen wäre, der unverständlich und schwer zu verstehen war. Jesu Unterweisungen waren fast immer eine Fremdsprache für seine Schüler. Es geht nicht um die Sprache, sondern um die Kleidung. Ein Beispiel der Absonderung ist vor allem die Priesterkleidung. Sie soll die Sonderstellung, die die Weihe verleiht unterstreichen. Bischöfe und Priester sollen sich bewusst nicht wie Kumpel an der Theke geben. Doch passt Absonderung in eine demokratische Gesellschaft?

von Josef Jung

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Die kirchliche Sexualmoral

Keine kalte „Schreibtisch-Moral“ entfalten

Eine Replik auf Georg Dietleins Beitrag über Selbstbefriedigung und Pornographie

von Josef Jung

 MÜNSTER (The Cathwalk am Sonntag). – Die jüngsten Ausführungen über Selbstbefriedigung, Pornographie und Sexualität von Georg Dietlein lassen die Frage aufkommen, was aus dem Ratschlag von Papst Franziskus wurde, Evangelium und Gnade nicht „zu toten Steinen zu machen […] mit denen man die anderen bewerfen kann“. Die Lehre der Kirche ist komplexer als es platte Verurteilungen sind.

Die kirchliche Sexualmoral – Quellen und Entwicklungen

060208_lead_newDie heute gültige katholische Lehre über Sexualität wird vor allem in der Enzyklika „Humanae vitae“ (1968) Pauls VI., der Erklärung der Glaubenskongregation „Persona humane“ (1970) von Ratzingers Vorgänger in der Glaubenskongregation Franjo Kardinal Seper und in dem aktuellen Katechismus der katholischen Kirche entfaltet. Vom Katechismus liegen zwei verschiedene Versionen vor, eine „blaue“ von 1992, und eine „rote“ Neuübersetzung von 1997.

Das erste Mal, dass sich in der Moderne ein Papst in einer Enzyklika intensiv mit der katholischen Sexuallehre auseinandersetze, vor allem über Verhütungsmittel, war in „Casti Connubi“ (1930). Die Enzyklika wurde in der Epoche der neuscholastischen Methode geschrieben. Das heißt, dass der Sexualethik eine Vernunft zugrunde gelegt wird, die aus einer finalistischen Biologie hergeleitet wird. Da Gott der Schöpfer der Welt ist und als solcher, so die Lehre, erkannt werden kann, könne man auch aus der Biologie herleiten, was der Wille Gottes sei. Ziel ist es, möglichst konkrete Aussagen zu treffen. Die Enzyklika trifft in Bezug auf Verhütungsmittel daher die Aussage:

„Was gegen die Natur ist, kann nicht mit der Natur in Übereinstimmung gebracht werden. Da aber der eheliche Akt nach seiner Natur zur Zeugung des Kindes bestimmt ist, handeln diejenigen, welche bei seiner Ausführung absichtlich den Akt seiner natürlichen Kraft und Qualität berauben, gegen die Natur [contra naturam], schimpflich und in sich schlecht.“ (DH 3700–3724, hier 3716)

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