The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Beethoven

Das große Missverständnis der Romantik

von Marco F. Gallina

Mendelssohn_BartholdyWollte man die romantische Lyrik des beginnenden 19. Jahrhunderts zusammenfassen und ihr ein Gesicht geben, dann käme der junge Mendelssohn-Bartholdy dem recht nahe. Goethe lernte den Jungen bereits früh kennen, und glaubte darin ein neues Wunderkind vom Schlage Mozarts kennenzulernen. Bereits mit 15 Jahren (!) komponierte Mendelssohn seine erste Sinfonie, die in ihrer Vitalität, ihrem Ungestüm und purer Energie so einiges davonfegt, was man sonst aus der Romantik kennt. Da braust und stürmt ein Wind durch, wie man ihn vorher nur von Beethoven kannte, vereint mit mozartesquer Leichtigkeit und Heiterkeit.

Schon in den frühen Werken wird jener stürmische Geist deutlich, der sich in ihrer Ruhelosigkeit in Richtung Romantik aufmacht, und dasselbe rastlose Suchen aufweist wie die Sinfonien Beethovens, in denen man stets das Verlangen und den Kampf des Komponisten selbst fühlt; aber Mendelssohn kämpft nicht mit den Noten, er ringt nicht mit der Musik, sondern sie fließt ihm leicht aus der Feder auf das Papier, eben in jener Leichtigkeit, die Mozart auszeichnete. Mendelssohn steht damit einerseits an der Schwelle zwischen den beiden großen musikalischen Epochen, schafft einen individuellen Klang, und ist doch wieder ganz Sinnbild jener deutschen Romantik, mit der man den Vormärz, den Rhein, den deutschen Wald, Eichendorff und die Sehnsucht nach der Natur verbindet. Denn neben dieser aufbrausenden Romantik stehen auch die lyrischen, langsamen, besinnlichen – und rein-heiteren Momente (ohne Schwermut!), die man bei der späteren deutschen Romantik vergeblich sucht. Das Violinkonzert greift diese Elemente auf und vereint sie.

weiterlesen

Einsamkeit im kommunikativen Gebrabbel

Alle sind wir vernetzt, alle sind wir immer erreichbar, und alle haben jemanden zum reden. Wieso aber fühlen sich dann manche einsamer denn je? Ein Lob des Schweigens und der Liebe.

von Marco F. Gallina

Mir liegt nun nicht viel daran, den hundertsten Sermon über die digitale Kultur und ihre Ausläufer kundzutun; dennoch kann ich als jemand, der nicht einmal ein Smartphone besitzt, mit gewissen Erkenntnissen nicht hinter dem Berg bleiben. Wohl nicht zuletzt deswegen, weil mir beim Spaziergang kein Display vor der Nase sitzt.

Aber gemach. Mir gehen bereits seit einiger Zeit Gedanken durch den Kopf, die mal wieder um das Thema „Kommunikation“ kreisen. An erster Stelle steht dabei eine männliche Tugend, die immer mehr in Vergessenheit gerät – und im Zuge der Einführung gleich mehrerer neuer Geschlechter wohl bald völlig vergessen sein wird. Eine Kunst, für die es (zu meinem völligen Unverständnis) bisher keinerlei Diplom; kein Studium; nicht einmal einer Lehre oder eines Schulbesuches bedarf, aber die es allein durch die Weisheit des gemeinen Volkes zu Berühmtheit und Ehre schaffte.

Ich spreche von der erhabenen Kunst des Schweigens. Auf Dieter Nuhrisch: Fresse halten.

weiterlesen

Beim Schneiden der Tomaten

Warum Küche, Kunst und Kultur als Teil unserer Identität zusammenhängen

Tomatenschneiden gilt mit Sicherheit nicht als eine der unterhaltsamsten Beschäftigungen. Aber muss alles, was gut und schön ist, zugleich unterhaltsam sein? Ist Caravaggios Ungläubiger Thomas unterhaltsam? Beethovens 7. Sinfonie ist es mit Sicherheit. Aber Michelangelos Pietà?

von Marco F. Gallina

Paul-Lacroix-Still-Life-with-Asparagus-and-Tomatoes-S

„Stillleben mit Spargel und Tomaten“ von Paul LaCroix

Irgendwie erscheint heute alles, was keinen „Spaß“ macht, grundsätzlich weniger wertvoll. Ich habe mir sagen lassen, dass mittlerweile Tomatenschneidemaschinen existieren oder andere, die Arbeit erheblich verkürzende Mittel. Und mit Recht wird man die Frage stellen, weshalb ich eine solch redundante Zweckarbeit wie das Tomatenschneiden auf eine Stelle mit Meisterwerken der europäischen Zivilisation stelle.Die Frage kann nur jemand stellen, der entweder nicht aus dem romanischen Kulturkreis stammt, oder – noch schlimmer – aus dem romanischen Kulturkreis stammt und keinerlei Bezug zu seinen Wurzeln hat. Vielleicht kann sie auch bei einem Nicht-Romanen vorkommen, der überdies seine Wurzeln verloren hat.

Die Antwort ist simpel: Kochen ist eine Kunst und so ein immanenter Teil jeder Kultur, sodass Tomatenschneiden dieselbe Bedeutung besitzt, wie für einen Maler das Mischen seiner Farben, bevor er den Pinsel auf der Leinwand ansetzt.

Unsere traditionelle Kochkultur ist ein offensichtliches Bindeglied zur Geschichte unserer Vorfahren und mit deren Leben. Wir stehen damit in Kontinuität zu unseren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, wenn wir ihr Erbe forttragen – und mag es nur ein Rezept sein, das sich in Familienbesitz befindet. Auf der nächsten Ebene folgt die Kultur, ob nun regional oder national; und wer einen Sinn hat für das eigene Sein, das auf dieser Ebene besteht, der kocht prinzipiell anders als die Veggie-Lifestyle-Fraktion.

weiterlesen

The Cathwalk ist eine Marke der Cathwalk-Mediengruppe

%d Bloggern gefällt das: