The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Kopfbedeckung

Der Mantilla-Wahn (3/3)

Die Mantilla führt zu einer unguten und pseudo-liturgischen Beschäftigung der Frau mit sich selbst

Von Hanna Maria Jüngling

Viele traditionalistische Frauen tragen das Argument vor, Mantillen seien doch so weiblich, so hübsch und so reizvoll. Und so sieht man zunehmend junge Damen in den Heiligen Messen, manche sogar inzwischen in NO-Messen, die die gesamte heilige Messe über an ihrer Mantilla herumnesteln, denn diese billigen, durchsichtigen Polyestertücher verrutschen, weil sie ja nur über den Kopf gelegt werden, ständig auf den eitlen Weibsköpfen, sind natürlich komplett durchsichtig, verdecken also ohnehin gar nichts, sondern betonen das Haar sogar noch. Eine Frau ohne dieses Tuch wird gar nicht beachtet. Wenn eine aber dieses Stück Stoff auf ihr Haupt drapiert, wird sie garantiert von jedem offen oder heimlich begafft. Dieselben Damen zupfen auch sonst auffallend viel an ihren Kleidern herum. Ich muss zugeben , dass mich das sogar stört, wenn eine solche Braut direkt neben mir sitzt und in kurzen Zeitabständen ihr Tuch wieder zurechtrückt, den Pullover herunterzieht, an ihrem Röckchen herumzettelt und ständig an sich selbst hinabschaut. Ich bin auch eine Frau und würde mich so gerne ausschließlich auf das Geschehen am Altar konzentrieren … durch dieses Spitzentuch wäre ich aber gezwungen, ständig über meine Haare nachzudenken, und genau das will ich nicht! Die Mantilla hat uns jedenfalls die vorige Andachtsruhe um ein erhebliches Stück beraubt, und nur einer kann daran Interesse haben. Sein Name ist es nicht wert, ausgesprochen zu werden.

woman-in-church

Oben ohne und dennoch eine gute Andacht? Quelle: http://www.connieclay.com/uncovered-in-the-sanctuary/woman-in-church/

War es das, was man unbedingt wollte? Endlich Aufmerksamkeit für die Frau? Und das während des heiligsten Geschehens?

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Der Mantilla-Wahn (2/3)

Das Decretum Gratiani, die Aberkennung der Gottebenbildlichkeit der Frau und der Schleier

Von Hanna Maria Jüngling

Die postmodernen Schleierfreunde übersehen, dass der Schleier, wenn er propagiert wurde, im Zusammenhang mit der Bestreitung der Gottebenbildlichkeit der Frau geschah:

Gratian (12. Jh) schrieb:

Hec imago Dei est in homine, ut unus factus sit ex quo ceteri oriantur, habens inperium Dei, quasi uicarius eius, quia unius Dei habet imaginem, ideoque mulier non est facta ad Dei imaginem. Sic etenim dicit: „Et fecit Deus hominem; ad imaginem Dei fecit illum.“ Hinc etiam Apostolus: „Vir quidem,“ ait, „non debet uelare caput, quia imago et gloria Dei est; mulier ideo uelat, quia non est gloria aut imago Dei.“

(http://geschichte.digitale-sammlungen.de/decretum-gratiani/kapitel/dc_chapter_3_3661)

Deutsch übersetzt:

Dieses Abbild Gottes ist im Menschen, wie einer dazu ausersehen ist, aus den übrigen sich zu erheben, um das Reich Gottes innezuhaben, gewissermaßen als sein Stellvertreter, weil ja nur ein einziger Abbild Gottes sein kann; deswegen ist die Frau nicht nach dem Abbild Gottes geschaffen. So heißt es nämlich: „Und der Herr schuf den Menschen; zum Bild Gottes schuf er ihn.“ So auch der Apostel: „Der Mann“, sagt er. „Darf sich das Haupt nicht verhüllen, denn er ist Abbild und Glanz Gottes; die Frau dagegen bedecke sich, denn sie ist weder Glanz noch Abbild Gottes.“

woman-in-church

Oben ohne und dennoch eine gute Andacht? Quelle: http://www.connieclay.com/uncovered-in-the-sanctuary/woman-in-church/

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Der Mantilla-Wahn (1/3)

Warum Kopftücher zu einem katholischen Life- und Faithstyle gehören, war im Beitrag "Die Mantilla - Einfach Spitze" zu lesen. Als Debattenmagazin holen wir nun in einer dreiteiligen Serie zum fundierten Gegenschlag aus.

Ist die Frau kein Ebenbild Gottes?

Von Hanna Maria Jüngling

In den letzten Jahren tobt auf dem Traditionalisten-Schlachtfeld der Kampf um einen speziellen Kommunion-Schleier für katholische Frauen, die „Mantilla“.

Ich muss sagen, dass ich, bevor ich mit Traditionalisten in Berührung kam, noch nie von einer „Mantilla“ gehört habe. Dieses Accessoire gab es hierzulande noch niemals, wurde von niemandem verlangt und auch niemals offiziell vorgeschrieben. Ich habe diesbezüglich viele einheimische hochbetagte Katholiken, darunter auch Priester, befragt. Es ist definitiv niemals „Tradition“ gewesen.

woman-in-church

Oben ohne und dennoch eine gute Andacht? Quelle: http://www.connieclay.com/uncovered-in-the-sanctuary/woman-in-church/

Fast alle betagten, keineswegs progressiven Frauen reagierten mit dem Satz „Mantilla – was ist das?“

Und auf die Beschreibung hin, dass es sich um durchsichtiges Spitzentuch handle, das Frauen in der Hl. Messe tragen sollten, um eine besondere Frömmigkeit zur Schau zu stellen, schüttelten sie den Kopf und sagten, davon hätten sie noch nie gehört. Allenfalls könne es sein, dass solche Bräuche in Südeuropa üblich seien und bei Papstmessen vielleicht, aber hier in Deutschland? Eine weit über Achtzigjährige wusste, dass das die „Lefebvristen“ eingeführt hätten, dass man das aber in ihrer Kindheit unter Pius XI. und XII. niemals so gehandhabt hätte.

Nun wird aber in den letzten beiden Jahren eine so penetrante Propaganda für dieses Tuch gemacht, als sei das eine “Tradition“, die „immer“ und überall gegolten habe und vorgeschrieben gewesen sei und aus „feministischen“ Gründen verweigert werde. Es ist auffallend, dass derselbe Kampf prinzipiell auch im Islam und verschiedenen protestantischen Sekten und evangelikalen Freikirchen tobt. Als Bestätigung für die Richtigkeit dieses Tuchs verweist man auf die orthodoxe Praxis – als ob uns die schismatische Orthodoxie hier etwas zu sagen hätte oder gar der ohnehin aus katholischer Sicht häretische Protestantismus! Ganz zu schweigen vom Islam.

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Die Mantilla – einfach Spitze

Warum Kopftücher zu einem katholischen Life- und Faithstyle gehören

Mantilla2

Die Mantilla schafft den „Spagat“, bei einem Maximum an Prachtentfaltung gleichzeitig maximal „bescheiden“ und „demutsvoll“ zu sein. Ein luxuriöser Stoff, der ein bisschen verrucht, dekadent und ziemlich durchsichtig ist, wird, so in den Dienst Gottes gestellt, zum Zeichen für Würde, Schönheit, Reinheit und Erwählung.

Um es vorweg zu sagen – ich halte Bekleidungsfragen nicht für Marginalien. Andererseits ist das Vermeiden eines Dekolletés sicher nicht heilsnotwendig. Die Intention des Trägers ist wichtiger als die Tiefe des Ausschnitts und ich wundere mich über Menschen, die sich angesichts des Glaubensverfalls, der Christenverfolgung, des Krieges und der eigenen Sündhaftigkeit theologische Streitgespräche über die maximal verantwortbare Rocklänge leisten können. Durchaus soll Kleidung mit Bedacht und dem Anlass gemäß gewählt werden. Sicherlich sollen Mann und Frau gleichermaßen keinen Anstoß geben und auf der anderen Seite diesem auch nicht nachgehen, sollte er einmal erregt werden. Prüderie allerdings erscheint mir keine sonderlich katholische Eigenschaft zu sein und das Einsickern von puritanischer Leibfeindlichkeit ist ebenso ärgerlich wie alle Protestantismen, die innerhalb der letzten Jahrzehnte Eingang in die katholische Kirche gefunden haben.

Nun möchte ich aber eine Lanze brechen für ein zu Unrecht in Vergessenheit geratenes Accessoire: Die Mantilla. Kommen wir gleich zum Kern der Sache: Die Mantilla ist einfach schön und steht jeder Frau. Ein feiner Spitzenstoff, den man sich um Kopf und Schulter winden kann, und man fühlt sich wie eine Prinzessin. Und das ist eine Frau ja auch, oder, wie Johannes Hartl sagt: Ein „Königskind“. Wer sich königlich fühlt, dem fällt es auch leichter, sich königlich zu verhalten – die Mantilla erinnert uns an unsere eigene Berufung und Erwählung zum Gotteskind und sie erinnert uns auch an die Würde dessen, dem wir im Gottesdienst gegenübertreten. Sich zu verhüllen ist seit jeher ein Zeichen für Respekt vor dem Angesicht Gottes. Mose und Eliah haben sich verhüllt, wenn sie Gott gegenübertraten und ich empfinde es als Auszeichnung, dass man als Frau bis heute die Möglichkeit hat, es den Vätern gleichzutun und an diese uralte Frömmigkeitsform anzuknüpfen. Verhüllung ist ein Zeichen der Absonderung von der Welt, ein Zeichen dafür, dass man sich Gott ganz zur Verfügung stellen will. Verhüllung ist auch ein Zeichen der Heiligkeit – Katholiken verhüllen das Allerheiligste mit einem Schleier, Orthodoxe schützen das heilige Geschehen durch die Ikonostase – und machen damit die einmalige Würde des Verhüllten deutlich: Einen sehr schönen Artikel über den Zusammenhang zwischen der Heiligkeit der Frau/Mutterschaft und dem Schleier liefert der Catholic herald.  Und weit kurzweiliger als ich dazu Stellung nehmen könnte, tut es Laura McAlister in ihrem Blog. Natürlich ist der Schleier auch eine Erinnerung daran, dass wir alle auch „Braut“ sind und bräutlich durch dieses Leben gehen in der Erwartung des himmlischen Hochzeitsmahles des Lammes. Verhüllung fördert auch ganz praktisch die Konzentration, hilft, Äußeres auszublenden und sich ganz auf das Gebet zu konzentrieren – soweit die Theorie. Ich weiß nur allzu gut, dass die Mantilla auch Ablenkungsmittel par excellence sein kann: „Sitzt noch alles?“ „Wow, ich sehe gerade bestimmt aus wie die Jungfrau Maria…unwiderstehlich tugendhaft!“ – aber unrechter Gebrauch hebt den rechten Gebrauch nicht auf!

Pope Pius XII, Prince Rainier, and Princess Grace

Von anmutiger Schönheit und zurückhaltender Eleganz: Bis heute gilt Grace Kelly als Stilvorbild und Mode-Ikone. 1957 empfing sie der Heiligen Vater Papst Pius XII.

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

The Cathwalk ist eine Marke der Cathwalk-Mediengruppe