The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Nationalsozialismus

Robert Spaemann zum Neunzigsten

Eine Hommage von Hannes Kirmse

Der Philosoph und bekennende Katholik Robert Spaemann feiert am 5. Mai seinen 90. Geburtstag – Bild: Jörg Noller, Wikipedia

Robert Spaemann hatte eine Wendung vollzogen. Er verstand sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst selbst als Marxist-Leninist, die Ideen des Humanismus und der hegelianischen Dialektik hatten ihn beflügelt und ließen in ihm die Bereitschaft auch zu direkter politischer Betätigung aufkeimen. Die Chimäre einer propagierten Menschheitsbefreiung begann sich aufzulösen, der Schleier des Idealismus zu lüften, als der junge Student der Philosophie, Geschichte und Theologie von dem uferlosen Kommunismus in Rußland erfuhr. Im Dienste einer aus betuchten Elternhäusern stammenden Söhnen entwickelten Weltidee, zementiert durch eine vermeintliche Notwendigkeit aus dem postulierten linearen Verlauf der Geschichte wurden Millionen von Menschenleben geopfert. Der junge Spaemann muß erkannt haben, daß aus der innerweltlichen Heilsverheißung mit ihrem Anspruch, einen neuen Menschentypus zu kreieren, die dunkelste Dystopie geworden ist, die man sich nur vorstellen kann. Das Ideal wurde zum Trugbild, die ehemals schöpferische Kraft des Geistes zur Zersetzung auf allen Ebenen, der verkündete Sinn des Verlaufs der Geschichte zur absoluten Sinnlosigkeit in der Gegenwart.

Von der Ideologie eines Kulturmarxismus wandte sich Spaemann folglich mit Entschiedenheit ab, um dann aber nicht Kompensation bei einer erneuten, irgendwie andersgearteten Ideologie zu suchen, wie es etwa Horst Mahler getan hat, der als ehemaliges SDS- und RAF-Mitglied zum Rechtsextremen wurde. Nein, Spaemann behielt bei seiner Wendung Maß und ist auch bis heute ein Denker des Maßes geblieben. Seinen für das Denken notwendigen Raum fand er gerade dadurch, daß er fortan zu allen innerweltlichen Verheißungen und Versuchungen den gebotenen Abstand hielt. Dem Revolutionären setzt er das Evolutionäre, das mit Bedacht Gewordene entgegen. – „Wichtig ist, was immer ist.“ – So brachte er es selbst einmal in einem Interview auf den Punkt. Ihm wird es daran gelegen sein, die anthropologische Grundkonstante freizulegen, die uns nicht auf das Aufgehen im Diesseits weist, sondern auf das Jenseits. Im Menschen ist immer mehr angelegt, als er in der ihm gegebenen Lebensspanne zu verwirklichen imstande wäre. Es ist etwas, das über ihn hinausweist und das die Theologie mit dem Begriff der Gottesebenbildlichkeit beschreibt. In dem Bewußtsein der Notwendigkeit von gewissen Grundkonstanten wurde dann so aus dem einstigen Befürworter der Liturgiereform innerhalb der katholischen Kirche ein Spaemann, der einer vorschnell verordneten Reformierung nunmehr mit Skepsis gegenübersteht und dadurch Martin Mosebach zum Verfassen der bis heute kontrovers diskutierten Schrift „Häresie der Formlosigkeit“ inspirierte. Darüber hinaus wurde er zu einem Apologeten der bis 1996 verbindlichen Rechtschreibung und Sprachregelungen, die einer politischen Korrektheit dienlich sein sollen erteilte er eine klare Absage. Die Sprache gerät, so stellt Spaemann fest, in einen infiniten Regress, wenn sie Unsagbarkeiten und alleingültige Begrifflichkeiten definieren will, die sich dann abnützten, um wiederum als solche unsagbar zu werden. Ihm geht es auch hierbei vielmehr um das rechte Maß, mit dem wir den Dingen in der Welt begegnen sollten. Durch vorschnelle Eingriffe droht unser vor allem Denken nicht nur sich zu dekontextualisieren, sondern gibt sich einer Banalisierung und Profanierung preis. Was der Philosoph folglich an der heutigen Gesellschaft beklagt, ist ihr Hang zum Aufgehen im Konsumrausch, den Theodor W. Adorno als „Kulturindustrie“ zusammen mit Nationalsozialismus und Kommunismus als weltliche Hölle bezeichnete.

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Katholizität in Extremsituationen: Die erstaunliche Geschichte des Soldaten Aloys Pappert

Bewegendes Zeitzeugnis, wie ein katholischer Soldat der Wehrmacht mit der Hilfe Gottes die Reise in das Herz der Finsternis überlebte

Aloysius Pappert während des Zweiten Weltkriegs (nach der Rückkehr aus Frankreich)

Aloysius Pappert während des Zweiten Weltkriegs (nach der Rückkehr aus Frankreich).

Der 1924 geborene und aus Hünfeld im Landkreis Fulda stammende Aloysius Pappert wuchs in einer katholischen, das Nazi-Regime ablehnenden Familie auf. Von jung auf praktizierender Katholik, wurde er 1942 gegen seinen Willen in die Wehrmacht eingezogen. An verschiedenen Kriegsschauplätzen in Einsatz (u.a. in Italien bei der Schlacht um Monte Cassino), half ihm sein Glaube, den er auch an seine Kameraden weitergab, in mehreren lebensgefährlichen Situationen. Nach Kriegsende geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und musste in den Kohleminen der Donbass-Region unter schwersten, häufig menschenunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten. Auch während der Zeit der Lagerhaft, die vielen seiner Kameraden das Leben kostete, erlaubte ihm sein unerschütterlicher Glaube das Durchhalten.

von Michel Lemay, ins Deutsche übersetzt von Dr. Thomas Stauder

Obwohl er aus einer katholischen und das Nazi-Regime ablehnenden Familie stammte, musste Aloys Pappert 1942, erst siebzehnjährig, seine Angehörigen verlassen, um sich der Wehrmacht anzuschließen. Am Tag des Abschieds machte seine Mutter mit Weihwasser das Kreuzzeichen über ihn und überreichte ihm eine Medaille der Heiligen Jungfrau sowie ein Kreuz, die er beide ständig mit sich tragen sollte. Dann fügte sie hinzu: „Möge die Jungfrau Maria dich beschützen und wohlbehalten zu uns zurückbringen.“ Diese Bitte wurde erhört, denn der junge Mann konnte mehrfach dem Tod entgehen, sowohl als Soldat an der Front wie auch als Kriegsgefangener in der Sowjetunion. Diesmal hören wir die Schilderung des heute 92jährigen, der mittlerweile zusammen mit seiner Gattin Isabelle in Monaco lebt, von seiner schrecklichen Zugreise, die ihn von der Stadt Brünn in der Tschechoslowakei bis in das Kohlerevier des Donbass brachte, eine an der Grenze zwischen der Ukraine und Russland gelegene Region. Die Art des Transports erinnert, wie wir gleich sehen werden, an die Züge, in denen die Juden in die für sie bestimmten Vernichtungslager gebracht wurden.

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Neuer Kinofilm über Stefan Zweig

Interview mit Regisseurin und Mit-Drehbuchautorin Maria Schrader zum neuen Film: „Vor der Morgenröte“

Stefan Zweig emigrierte aus Österreich bereits im Februar 1934, nachdem der Einfluss der Nazis auch in Österreich spürbar und Zweigs Haus durchsucht wurde. 1935 wurde er in Deutschland in die Liste der durch die neuen Machthaber verbotenen Autoren aufgenommen. Nachdem sich Stefan Zweig 1938 von seiner ersten Frau Friderike hatte scheiden lassen, heiratete er seine Sekretärin Charlotte (Lotte) Altmann. Dennoch blieb er im freundschaftlichen Kontakt zu seiner ersten Frau. Mit Lotte reiste er von London nach Amerika: Über New York, Argentinien und Paraguay kam Stefan Zweig 1940 in Brasilien an, wo er stürmisch gefeiert wurde. Am 23. Februar 1942 nahm sich Zweig in Petrópolis bei Río de Janeiro das Leben. Lotte folgte ihm in den Tod.

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Mit Bonhoeffer ins neue Jahr

von Rut Müller

Rut

Rut Müller lebt in Berlin und wurde über die Lektüre der „Brautbriefe Zelle 92“ auf den protestantischen Theologen Dietrich Bonhoeffer aufmerksam, der sie als Katholikin überrascht und tief beeindruckt hat.

Am Jahresende schauen wir üblicherweise zurück auf die vergangenen Wochen und Monate, ziehen eine Bilanz. Die meisten Menschen machen daraufhin gute (?) Vorsätze für das neue Jahr. Erstaunlich oft sind diese Vorsätze identisch mit denen des vorjährigen Silvestertages. Sobald wir uns über diese traurige Tatsache klarwerden, denken wir: „Aber im nächsten Jahr schaffe ich das bestimmt! 2016 werde ich mich zweifellos hier und da zum Besseren verändern, meinen Karriereweg konsequenter beschreiten, mich adäquater verhalten und zurückkehren zu manchem, was sich bewährt hat.“

Wir Katholiken hatten übrigens im Dezember schon zweimal Gelegenheit, den Beginn eines neuen Jahres zu feiern: Am ersten Adventssonntag, dem 29. November, begann das neue Kirchenjahr, neun Tage später, am 8. Dezember, ein außerordentliches Heiliges Jahr, welches Papst Franziskus bereits am 12. April ausgerufen und der Barmherzigkeit gewidmet hatte. Ob dieses Heilige Jahr zur wirklichen und wahrhaften Heiligung der Christenheit gereicht und so zu einer nachhaltigen Verbesserung der „Lebenswirklichkeiten“ in den Gesellschaften führen wird… – nun, das entscheidet sich zum einen im Herzen jedes einzelnen Gläubigen, an deren Bereitschaft, Barmherzigkeit dort zu üben, wo sie vonnöten und möglich ist; entscheidet sich aber auch an der Bereitschaft, die angebotene Barmherzigkeit anzunehmen, sich von ihr aufrichten und neu ausrichten zu lassen.

Spätestens seit den Pariser Anschlägen dürfte das unbeschwerte Vertrauen in das neue Jahr nachhaltig erschüttert sein. Hinzu kommt, dass die Flüchtlingsströme, über die rund um die Uhr berichtet wird, zwangsläufig gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen werden. An die Stelle von Zuversicht tritt deshalb wahrscheinlich bei vielen Leserinnen und Lesern eine Beklemmung. Kann Deutschland den Flüchtlingsstrom ohne Europa bewältigen? Wie stark wird sich der Islam aufgrund der demografischen Entwicklung in zehn oder zwanzig Jahren in Deutschland präsentieren, nachdem Hundertausende junge muslimische Flüchtlingsfamilien einer Gesellschaft zugeführt worden sind, die bereits zu 35% konfessionslos ist, in der 90% der Frauen die Erwerbstätigkeit der Kindererziehung vorziehen bzw. aufgrund des Status „Alleinerziehend“ vorziehen müssen, fast 80% der Frauen erst nach der Stabilisierung ihrer beruflichen Karriere Mutter werden möchten und sich zudem durch mehr als ein oder zwei Kinder überfordert fühlen. Von den potentiellen Vätern ganz zu schweigen, die in Kindern häufig nur Spaßbremsen und Kostenfaktoren sehen.

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