The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Peter Seewald

„Immer ein modern denkender Mensch gewesen“

ZENIT-Interview mit Peter Seewald über Papst Benedikt XVI.

(C) Sung-Hee Seewald

Am heutigen Ostersonntag wird Papst emeritus Benedikt XVI. 90 Jahre alt. Der Band „Letzte Gespräche“ mit dem Journalisten Peter Seewald stellt eine Bilanz seiner Amtszeit dar: Die darin verarbeiteten Interviews wurden kurz vor und nach Benedikts Rücktritt für die Arbeit an einer Biografie geführt. Im Gespräch mit ZENIT-Korrespondentin Michaela Koller zeichnet Peter Seewald das Bild eines modernen Wahrheitssuchers und „Knotenlösers mit Kopf und Herz“, das er sich in vielen intensiven Begegnungen von ihm machen konnte.

Herr Seewald, Papst Benedikt XVI. wird am Sonntag 90 Jahre alt; er hat, was wohl nur wenige in der Geschichte von sich behaupten konnten, sein eigenes Pontifikat überlebt. Was wissen Sie aus eigener Anschauung, wie es ihm aktuell geht?

Seewald: Ich habe ihn im Dezember das letzte Mal gesehen und besuche ihn jetzt im Mai. Ich weiß, dass es ihm gut geht, natürlich dem Alter von 90 Jahren entsprechend. Er ist in allem etwas langsamer geworden. Er hat mit dem Gehen Probleme, spricht langsamer und hört auch schlechter. Natürlich leidet er auch unter der gewaltigen Glaubenskrise, die selbst viele Verantwortliche in der Kirche noch nicht richtig erkannt haben. Er ist ja kein Pensionist, der sich zum Rosenzüchten zurückgezogen hat. Er hat bei seinem Rücktritt erklärt, dass er die Last dieser Kirche im Gebet mitträgt. Auch als Papa emeritus nimmt er regen Anteil daran, was in der Kirche und in der Welt passiert. Ansonsten freut er sich darüber, dass er in der Ruhe seines Klosters sonnige Tage mit Freunden erleben kann.

Öffentlich wurden mehrfach sehr unterschiedliche Bilder vom Menschen Joseph Ratzinger gezeichnet. Sie kennen ihn aus drei Lebensphasen persönlich, als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, als Papst und schließlich als „Papa emerito“. Was zeichnet ihn denn wirklich aus?

Seewald: Ich habe ihn jetzt ein Vierteljahrhundert als Journalist begleitet und habe unter seinen vielen Wegbegleitern, die ich gesprochen habe, außer Hans Küng noch niemanden getroffen, der das Bild des finsteren, machtbeflissenen, harten, einsamen und rückwärtsgewandten Mannes, das ja von Ratzinger in manchen Medien noch immer gepflegt wird, teilen würde. Ich habe ihn als wirklichen Mann Gottes, als beispiellosen Intellektuellen kennengelernt, der durch seine brillanten Analysen, durch die Nachhaltigkeit seiner Prognosen besticht, und als Theologen des Volkes, der nie vergessen hat, woher er gekommen ist, der immer bemüht war, den Glauben vor allem auch den einfachen Menschen zu vermitteln.

In der persönlichen Begegnung ist er ein sehr herzlicher Mensch, mit dem man auch viel lachen kann, mit dem es immer spannend ist, und der es einem leicht macht, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er ist alles andere als kontaktscheu und besticht durch seine Demut. Ich habe mich immer um journalistische Distanz bemüht, und natürlich ist auch ein Joseph Ratzinger nicht frei von Fehlern. Aber es ist eigentlich unmöglich, wenn man sich mit Person und Werk beschäftigt, nicht auch Sympathie für diese Person und dieses Werk zu empfinden.

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Papst Benedikt: Letzte Gespräche

Neues Buch von Benedikt XVI.: Die letzten Gespräche des deutschen Papstes – Erstmals in der Geschichte des Christentums: Ein Papst zieht die Bilanz seiner Amtszeit

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In den Gesprächen, die Papst Benedikt XVI. mit dem Journalisten Peter Seewald kurz vor und nach seinem Rücktritt geführt hat, blicken sie auf das Pontifikat des deutschen Papstes zurück. Nie zuvor hat Benedikt XVI. so offen über die Hintergründe seiner überraschenden Demission und die Erneuerung des Glaubens als das große Thema seines Pontifikats gesprochen, aber auch über kontroverse Themen seiner Amtszeit, etwa das Verhältnis zu Juden und Muslimen/Islam, Vatileaks oder die Affäre um die Piusbruderschaft. Und nie zuvor hat dieser Papst so persönlich über seinen Zugang zum Glauben, die gegenwärtigen Herausforderungen für das Christentum und die Zukunft der Kirche Auskunft gegeben. Seine Erinnerungen an die Familie, an wichtige Weggefährten und prägende Ereignisse seines Lebens unterstreichen den besonderen Charakter dieses Buches. Nach den Interviewbüchern „Salz der Erde“, „Gott und die Welt“ und „Licht der Welt“, die Benedikt XVI./Joseph Ratzinger und Peter Seewald veröffentlicht haben und die allesamt Bestseller waren, sind die „Letzten Gespräche“ das Vermächtnis des deutschen Papstes, einem der bedeutendsten Denker und Theologen unserer Zeit. Er hat acht Jahre lang die Geschicke des Vatikan geleitet und als Pontifex Maximus an der Spitze der katholischen Kirche mit ihren 1,3 Milliarden Mitgliedern bedeutende Wegmarkierungen gesetzt und wichtige Impulse für die Kirche des 3. Jahrtausends gegeben.

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Mehr Glauben wagen

Der Passauer Bischof Stefan Oster im Gespräch mit Peter Seewald

von Dr. Bergund Fuchs

bildschirmfoto-2016-06-01-um-14-59-16Löst sich der Glaube heute in Luft auf? Schenkt man den jüngsten Umfragen von Meinungsforschungsinstituten glauben, tragen sich derzeit 20 Millionen Menschen mit dem Gedanken, die Kirche zu verlassen. Bischof Stefan Oster und Peter Seewald fragen in ihrem gemeinsamen Buch nach den Ursachen für diese Entwicklung und suchen nach möglichen Auswegen aus der Glaubenskrise unseres Landes.
Nicht Gott habe sich von uns entfernt, nein, wir haben uns von Gott entfernt. Es genügt heute nicht, dass Kirche „da“ ist… Beide Gesprächspartner stimmen darin überein, dass sich die Kirche wieder zeigen muss. Als Institution und auch in jedem ihrer Gläubigen.

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Als der Blitz einschlug: Gänswein über den „Jahrtausendschritt“ von Papst Benedikt

Sehr offen und persönlich hat Georg Gänswein gestern über Papst Benedikt XVI und sein Pontifikat gesprochen.

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Bildquelle: http://www.bistumspresse-zentralredaktion.de

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„Spiegel des Wahnsinns“

Immer rasender dreht sich die Welt, jede Sekunde rauschen unzählige Meldungen, Zahlen, Kurioses, Spektakuläres und Nebensächliches an uns vorbei. Peter und Jakob John Seewald machen den Irrsinn unserer Zeit sichtbar: Mit genauem und kritischem Blick zeigen sie Zusammenhänge auf, die uns in der Flut der täglichen Nachrichten verborgen bleiben. Ergänzt durch kluge Essays zu den drängenden Fragen unserer Zeit entsteht so ein faszinierendes Protokoll einer sich rasant verändernden Welt, ein Spiegel des Wahnsinns, der den Planeten an den Rand des Abgrunds bringt. Ein Augenöffner, ein aufrüttelnder Appell, sich um eine humanere Welt zu bemühen.

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The Cathwalk traf Jakob John Seewald zum traditionellen bayrischen Weißwurstfrühstück.

Herr Seewald, Sie haben gerade zusammen mit ihrem Vater Peter Seewald das Buch „Welt auf der Kippe“ veröffentlicht. Der Titel klingt ja ziemlich dramatisch. Steht es wirklich so schlecht um uns?

In vielen Bereichen ist tatsächlich ein point of no return erreicht. Nehmen wir den Bereich der Ökologie. Gerade findet in Paris die UN-Klimakonferenz statt. Regierungen diskutieren, wie wir unseren Planeten retten können. Um das Antlitz der Natur zu bewahren, kommen wir allerdings ein bisschen zu spät.

Wir richten uns selbst. Durch unser Verhalten. Durch unseren Mangel an Achtsamkeit – letztlich auch durch unser Denken, also unseren Glauben. Mögen wir ihn theistisch definieren oder atheistisch? Wir akzeptieren die Ausbeutung dieser Erde, die Verrohung unserer Kultur und den Schmutz, dem die Kinder heute ständig ausgesetzt sind. Der Ehrliche ist heute der Dumme, der Betrüger der Hero und der Skandalist das Vorbild. Die Schamlosen diktieren den way of live.

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Buchvorschau: „Welt auf der Kippe“

Mit freundlicher Genehmigung des Autors Jakob John Seewald, mit dem The Cathwalk ein Interview führte, welches Morgen (10. Dezember) hier veröffentlicht wird, dürfen wir eine Buchvorschau von "Welt auf der Kippe" publizieren. Dieses Buch legt den Finger in viele offene Wunden der aktuellen globalen Entwicklung der Menschheit und zeigt vielfältige Probleme, Missstände und Fehlentwicklungen in zahlreichen Bereichen auf. Im hier veröffentlichen Prolog werden die umfassenden Probleme und Herausforderungen, der sich jeder einzelne Bürger, aber auch die gesamte Weltbevölkerung in einer globalisierten Welt ausgesetzt sieht kurz umrissen und skizziert.

PROLOG

»Ändere die Welt, sie braucht es. Ändere sie auch, wenn alle dich drängen zu glauben, dies sei unmöglich.« BERT BRECHT

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Mobile Telefone lassen uns heute an jedem Ort Nachrichten empfangen. Dass sie eine höhere Rechnerleistung haben als die Computer der NASA bei der Mondlandung, nehmen wir als selbstverständlich hin. Intelligente Technik navigiert uns im Auto bequem durch die Stadt und macht im Keller die Heizung an. Ganze Branchen erfinden sich neu und bieten Dienstleistungen an, die früher Kaiser und Königen vorbehalten waren.

Und das ist erst der Anfang. Mit Google und Facebook, Apple und Amazon sind Mächte von unvorstellbarer Größe entstanden. Sie werden mit riesigen Clouds und dem Internet der Dinge dem Karussell noch einmal richtig Schwung geben. Ingenieure für künstliche Intelligenz treiben die Verschmelzung von Mensch und Maschine voran. Genome Engineering soll nicht nur Gene manipulieren, sondern in die Keimbahn des Lebens eingreifen, die seit Beginn der Menschheitsgeschichte niemals verändert wurde.

Vieles ist nicht nur einfacher, sondern auch besser geworden. Wir können nahezu unbeschränkt reisen. Medizinischer Fortschritt schenkt uns ein längeres Leben. Wir sind wacher geworden gegenüber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Gleichzeitig aber sehen wir, dass viele Dinge eine Qualität bekommen, die uns Sorgen bereiten muss. Sie lassen uns die Zukunft weniger in ihren positiven Möglichkeiten sehen, sondern als Raum drohender Katastrophen.

Schon heute erreichen uns jeden Tag Fluten beunruhigender Nachrichten. Sie jagen einander in einer Geschwindigkeit, dass wir morgen nicht mehr wissen, was uns gestern noch schockiert hat. Ein Turbokapitalismus macht aus der Welt ein Spielkasino und verzockt riesige Vermögen. Es gibt neue Gefahren für unsere Sicherheit, für das friedliche Miteinander der Kulturen und Nationen. Unzählige Terrorakte vertreiben Millionen von Menschen aus ihrer Heimat. Alleine von Januar bis August 2015 kamen 300 000 Menschen über das Mittelmeer, 2500 kamen dabei ums Leben. »Es ist wie ein dritter Weltkrieg«, klagt Papst Franziskus, »der Stück für Stück ausgetragen wird.« Kofi Annan, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, fügt hinzu: »Der Krieg ist überall. Die Welt ist in einem fürchterlichen Zustand. Für viele Menschen fällt diese Welt auseinander.«

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