„Spiegel des Wahnsinns“

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Immer rasender dreht sich die Welt, jede Sekunde rauschen unzählige Meldungen, Zahlen, Kurioses, Spektakuläres und Nebensächliches an uns vorbei. Peter und Jakob John Seewald machen den Irrsinn unserer Zeit sichtbar: Mit genauem und kritischem Blick zeigen sie Zusammenhänge auf, die uns in der Flut der täglichen Nachrichten verborgen bleiben. Ergänzt durch kluge Essays zu den drängenden Fragen unserer Zeit entsteht so ein faszinierendes Protokoll einer sich rasant verändernden Welt, ein Spiegel des Wahnsinns, der den Planeten an den Rand des Abgrunds bringt. Ein Augenöffner, ein aufrüttelnder Appell, sich um eine humanere Welt zu bemühen.

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The Cathwalk traf Jakob John Seewald zum traditionellen bayrischen Weißwurstfrühstück.

Herr Seewald, Sie haben gerade zusammen mit ihrem Vater Peter Seewald das Buch „Welt auf der Kippe“ veröffentlicht. Der Titel klingt ja ziemlich dramatisch. Steht es wirklich so schlecht um uns?

In vielen Bereichen ist tatsächlich ein point of no return erreicht. Nehmen wir den Bereich der Ökologie. Gerade findet in Paris die UN-Klimakonferenz statt. Regierungen diskutieren, wie wir unseren Planeten retten können. Um das Antlitz der Natur zu bewahren, kommen wir allerdings ein bisschen zu spät.

Wir richten uns selbst. Durch unser Verhalten. Durch unseren Mangel an Achtsamkeit – letztlich auch durch unser Denken, also unseren Glauben. Mögen wir ihn theistisch definieren oder atheistisch? Wir akzeptieren die Ausbeutung dieser Erde, die Verrohung unserer Kultur und den Schmutz, dem die Kinder heute ständig ausgesetzt sind. Der Ehrliche ist heute der Dumme, der Betrüger der Hero und der Skandalist das Vorbild. Die Schamlosen diktieren den way of live.

Für wen sind Ihre Zeilen bestimmt und was wollen sie mit dem Buch erreichen?

Es darf sich jeder angesprochen fühlen. Denn es geht ums Ganze!

Unsere Welt dreht sich immer rasender, jede Sekunde rauschen unzählige Meldungen, Zahlen, Kurioses, Spektakuläres und Nebensächliches an uns vorbei. Unser Buch soll den Irrsinn unserer Zeit sichtbar machen.

Dabei wollen wir mit einem genauen und kritischen Blick Zusammenhänge aufzeigen, die ansonsten in der tosenden Flut der täglichen Nachrichten verborgen bleiben. Aber keine Angst, das Buch erhebt keinen Zeigefinger – wir alle sind mit verantwortlich, für das was passiert.

Aber, wir können einiges reparieren, nicht nur was die Umwelt angeht. Wir müssen im Ganzen schädliche Prozesse stoppen und Ausstiegstrategien finden – für einen Einstieg in eine lebbare Zukunft. Wir sollten Widerstand leisten gegenüber Dingen, die uns nicht guttun. Eine neue Kultur der Achtsamkeit ist von Nöten – Wir müssen Ressourcen zurückgewinnen, die für ein humaneres Leben unverzichtbar sind.

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Jakob John Seewald und Peter Seewald

Seewald & Seewald jun., zwei Generationen – bedeutet das auch zwei unterschiedliche Meinungen?

Nicht zwingend. Ich würde eher behaupten, dass mein Vater und ich uns gut ergänzt haben. Natürlich ist manchmal für den Einen etwas wichtiger als für den Anderen. Für einen jungen Menschen stellen sich andere Problematiken als für die ältere Generation. In der Einschätzung der aktuellen Lage herrscht aber definitiv Konsens.

Sie sind jung: was würden Sie der Jugend mit auf den Weg geben?

Ich glaube, die heutige Jugend lebt bewusster als es scheint. Neben den vielfach und auch zurecht gescholtenen Smartphone-süchtigen Teens gibt es überall junge Menschen, die sehr sensibel darauf reagieren, was mit dieser Welt geschieht. Die Jugend muss immer kritisch bleiben, das halte ich für enorm wichtig. Auch wenn sie dabei manchmal über das Ziel hinaus schießt.

Cover

Was ist das Besondere an „Welt auf der Kippe“?

Es ist die Mischung, würde ich sagen. Die Fülle der Meldungen macht einem tatsächlich Angst und Bange, aber jede einzelne Meldung ist spannend, überraschend, erhellend – und von Katharina Bitzl zauberhaft illustriert. Die Essays sorgen im Feuerwerk des Wahnsinn zwischendurch immer wieder für Ruhe und Besinnung. Wir verstehen „Welt auf der Kippe“ als Protokoll einer sich rasant verändernden Welt, einen Spiegel des Wahnsinns, der den Planeten an den Rand des Abgrunds bringt. Es ist ein Appell an uns alle, sich um eine humanere Welt zu bemühen.

Danke für dieses Gespräch!

12334237_10206612388802108_838657276_oJakob John Seewald, 1988 in München geboren, lebt und arbeitet als freier Journalist in München und Paris. Der Literaturwissenschaftler und Fernsehjournalist studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Bayerischen Akademie für Fernsehen und an der Université Paris-Sorbonne.

5 KOMMENTARE

  1. Die Wissenschaft darf nicht alles erforschen. Es ist z. B. unter Umständen gefährlich, wenn ein Mensch erforscht, ob er einen freien Willen hat. Es ist denkbar, dass ein Mensch gerade durch die Erforschung der Beschaffenheit des Willens seinen freien Willen verliert. Zudem müssen die Gefahren der Technologie immer weiter verringert werden. Es ist z. B. falsch, Hochgeschwindigkeitszüge zu bauen. Es ist sinnvoll, Faktor-X-Technologien (z. B. 0,3-Liter-Einsitzer-Autos, Linsermethode gegen Krampfadern) zu fördern. Die Verkehrsprobleme werden wesentlich reduziert, wenn fast jeder Mensch mit einem Motorrad o. ä. fährt, anstatt mit einem Viersitzer-Auto. Man sollte in einer Region leben mit wenig Kälte und viel Sonne. Dies hat u. a. den Vorteil, dass man wegen der Sonne weniger Nahrung benötigt. Es ist sinnvoll in einem Mobilheim zu wohnen. Die vorgenannten Maßnahmen gehören zur ersten Stufe. Dann kommt die zweite Stufe, die dritte Stufe usw.

    Es gibt Schnittstellen zwischen christlicher und keltischer Mystik, insbesondere die Mystik Meister Eckharts. Viele religiöse Vorstellungen sind überholt. Zum Beispiel wurde die Welt nicht “erschaffen”, sondern existiert von Natur aus (und seit ewig). Nach jetzigem Stand der Erkenntnis ist das Unbewusste göttlich. Ein Mensch sollte u. a. seine Willenskraft und Liebe vergrößern. Es ist wichtig, gesundheitsbewusst zu leben und sich unegoistisch zu verhalten. Es ist sinnvoll, viel Sport zu machen, berufliche und andere Herausforderungen zu meistern, immer mehr für den Naturschutz zu tun usw. Und dann sollte man Autosuggestion anwenden, Ereignisse (z. B. Träume) deuten und die Halbträume der Aufwachphase beeinflussen. Dies gehört zur ersten Stufe. Dann kommt die zweite Stufe, die dritte Stufe usw. Autosuggestion und andere Techniken können nur Hilfsmittel sein; das Wesentliche ist das Wirken Gottes. Künstliche Bewusstseinsveränderung (z. B. Hypnose), Präkognition usw. sind gefährlich. Bestimmte Yoga-Techniken, luzides Träumen usw. sind schädlich, wenn man die nötige Reife nicht hat.

    • Die Wahrheit kann sich selbst nicht widersprechen.

      Daraus folgt u. a.:

      1. Nicht alle Mittel, die man zum Forschen gebraucht, sind legitim; wo aber Forschung mit legitimen Mitteln erfolgt, *kann* sie zwar nicht alles erkennen, aber sie *darf* alles erkennen, was sie auch erkennen kann.

      Heißt konkret: Da wir sowieso wissen, daß der Mensch einen freien Willen hat, brauchen wir uns an sich vor Forschungen, ob er einen hat, nicht fürchten. (Nur davor, Zwischenergebnisse überzubewerten.)

      2. Wenn Gott einmal etwas geoffenbart hat – z. B. daß Er die Welt aus dem Nichts erschaffen hat – dann kann das nicht „überholt“ und das Gegenteil nicht richtig sein.

      Im übrigen kann ich Christen, die denken, mit der christlichen Moral hat man’s besonders schwer, immer nur empfehlen, sich einmal umzuschauen, was denn die „Moralisten ohne Imprimatur“ von ihnen verlangen würden… (wie eben z. B. auch in Ihrem Beitrag deutlich wird)…

      „Kommt alle her zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten tragt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“

    • @ Nepomuk
      Man kann nicht alles glauben, was in der Bibel steht. Zum Beispiel steht im Alten Testament, dass Gott dazu aufruft, die Heiden zu töten. In Wahrheit hat Gott nie dazu aufgerufen. Im Neuen Testament steht, dass die Frauen sich den Männern unterordnen sollen. Die Bibel ist von dem damaligen Zeitgeist beeinflusst. Es muss im Bereich der Religion genauso Veränderungen geben wie in anderen Bereichen.

    • Und warum „muß“ es das?`Was ist wichtiger, was Gott will oder was die Menschen wollen?

      Davon abgesehen sitzt Du natürlich zwei Fehlinformationen auf.

      >>steht im Alten Testament, dass Gott dazu aufruft, die Heiden zu töten.

      Nö. Das steht da nicht. Worauf Du vermutlich anspielst, ist daß Gott (der Herr über Leben und Tod) anläßlich der Eroberungszüge in Kanaan anordnete, *dabei* die *dortigen* Heiden zu töten.

      >>Im Neuen Testament steht, dass die Frauen sich den Männern unterordnen sollen.

      Auch das steht da nicht. Worauf Du vermutlich anspielst, ist, daß sich laut NT *die Ehefrau* *ihrem jeweiligen Ehemann* unterordnen soll – aber nicht alle Frauen allen Männern.

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