The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Theologie des Leibes (Seite 1 von 2)

Theologie des Leibes

Liebst du schon – oder gebrauchst du noch?

 

Eine durchaus provokante Frage – wer stellt diese, und noch viel spannender, wie soll man darauf antworten? Fragen zur Liebe, zur persönlichen Sexualität sind meistens „heiße Eisen“. Aber warum ist das heute noch heiß, wenn wir doch so aufgeklärt sind wie noch nie in der Geschichte der Menschheit!?

von Christian Schallauer

Liebst du schon – oder gebrauchst du noch? | Quelle: Pixabay, CC0 Creative Commons

Sex – what else?

Dieses Thema ist so alt wie die Menschheit selbst. Kaum ein Begriff wird von Medien, Kultur und Wirtschaft mehr verwendet und benutzt als Sex. Es braucht heutzutage fast eine Anstrengung, ja, eine bewusste Entscheidung, um durch einen „normalen Wochentag“ zu kommen, ohne nicht in irgendeiner Form mit dem Thema in Berührung zu kommen, um nicht zu sagen, davon vereinnahmt zu werden!

Beispiel gefällig? Ich bin nach einem 13-Stunden-Arbeitstag endlich Zuhause. Nach der ersehnten Dusche bekämpfe ich meinen „Unterhopfen“ mit einem Bierchen. Zur Entspannung will ich mir noch die Zusammenfassung der tagsüber gefahrenen „Tour de France“-Etappe ansehen. Um 22.15 Uhr, beim ersten Werbeblock lädt mich eine sehr spärlich bekleidete, vollbusige Dame zu einem erotischen Abenteuer ein, denn dadurch würden meine Träume wahr! Ich bräuchte dafür nur die eingeblendete Webseite aufrufen. Nichts für mich. Denn erstens wollte ich nur ein paar verrückte Typen am Rennrad sehen, zweitens finden meine erotischen Abenteuer mit der Ehefrau im Ehebett real statt und drittens: Warum um alles in der Welt soll unser 170-m2-Einfamilienhaus mit Keller, Hobbyraum, Wintergarten, Kachelofen, Doppelgarage und Garten inklusive Naturschwimmteich auf einem Sexportal zu finden sein?

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Die katholische Liebeslehre

Die katholische Vision der sexuellen Liebe (Teil 2)

„Wer der päpstlichen Botschaft die Aufmerksamkeit schenkt, die sie verdient, wird entdecken, dass die katholische Kirche − trotz der angeblichen anti-Sex-Stimmung − eine Vision der sexuellen Liebe hat, die weit ruhmreicher ist als alles, wovon Sigmund Freud, Hugh Hefner, Britney Spears oder Howard Stern träumen oder was sie sich vorstellen könnten.“. (Christopher West)

CC BY-SA 3.0 Dr. Meierhofer

Hoffnung auf ein Leben in Fülle

Das Eingangszitat ist eine Übersetzung aus dem Buch „The Love That Satisfies“ von Christopher West. West, ein US-amerikanischer Theologe und Vertreter der „Theologie des Leibes“ sieht die katholische Liebeslehre jenseits von Prüderie und Ausschweifung als wahrhaft menschlich an. Daher verkündet er selbstbewusst, dass die katholische Vision ruhmreicher als alles sei, wovon die Vertreter säkularerhedonistischer Sexualmoral nur träumen könnten. Denn die katholische Vision schenkt nach West die wahre Erfüllung.

Die katholische Sichtweise ist mit der Hoffnung verbunden, dass ein Leben in Fülle möglich ist, wenn man auf Gott vertraut. Denn die Kirche lehrt, dass Gott Anfang und Ziel aller Menschen ist und als solcher mit der natürlichen Vernunft erkannt werden kann. Dies steht im Zentrum, wenn man die Frage stellt, warum die Kirche eine Vision hat und nicht nur die empirische Realität rezipiert.

Erfüllte Sexualität

Das Leben ist nach dem Glauben der Kirche nicht einfach sinnlos oder ein ständig zu leistender Kampf, sondern ein Geschenk Gottes. Zu diesem Geschenk gehört auch die Sexualität. Die Kirche geht nun davon aus, dass diese nicht nur eine triebhafte Anlage ist, die es einfach auszuleben gilt, sondern dass in der Sexualität Sinn, Ziel, Schönheit und Verantwortung liegen. Sie geht sogar so weit, wie Paul VI. in Humanae vitae von 1968 lehrt, dass sie darin das menschliche Leben in seinem Kern berührt sieht: „Die überaus ernste Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben, durch die die Gatten freie und bewußte Mitarbeiter des Schöpfergottes sind, erfüllt sie immer mit großer Freude; doch ist die Freude vielfach mit nicht geringen Schwierigkeiten und Bedrängnissen verbunden.“

Der Mensch ist als sexuelles Wesen vor die Aufgabe gestellt, egal in welchem Stand oder welcher Situation er ist, mit seiner Sexualität umgehen. Dies betrifft Zölibatäre wie Verheiratete, Singles oder Paare ohne Treueversprechen. Da die Sexualität ein starker Trieb ist, hat sie die Macht – so liest man bereits bei den Wüstenvätern – gleichsam vom Menschen Besitz zu ergreifen und rein hedonistisch-egozentrisch zu wirken. Versteht man Sexualität vor allem in einer hedonistisch-egozentrischen Version, dann ist die andere Person vor allem Objekt meiner Lustbefriedigung, sie dient meinen Bedürfnissen. Aber die volle personale Würde der Person wird dann nicht beachtet. Die andere Person wird gleichsam auf einen „Fleischklumpen“ reduziert, der der eigenen Lust unterworfen wird. Man stumpft ab und füttert den Egoismus.

Sexualität als Ausdruck echter Liebe

Der hedonistisch-egozentrischen Version der Sexualität stellt die katholische Kirche nun ihre Vision entgegen. Verbunden damit ist die Glaubenswahrheit, dass wir nicht zur Sklaverei unter die Triebe, sondern zur Freiheit berufen sind. Sie sieht Sexualität vielmehr als Gottesgeschenk, in dem die Menschen „Mitarbeiter des Schöpfergottes sind“. Sie sind daran beteiligt neues Leben zu schaffen, indem sie sich einander in Liebe ganz hingeben. Man kann dies eine kommunikativ-personale Version der Sexualität nennen, in der nicht die Lust, sondern die andere Person im Zentrum steht. Um die sexuelle Vereinigung in ihrer tiefsten Wahrheit und Schönheit zu leben, ist es nach der Lehre der Kirche nötig, dass Mann und Frau ganz Ja zueinander sagen – und zwar für ihr ganzes Leben. Denn dann steht die Liebe, von der Augustinus sagt, sie bedeutet „Ich will, dass du bist“, im Mittelpunkt.

Jede Form der Sexualität außerhalb der Ehe kann nach katholischer Auffassung nur defizitär sein, da die volle Bajahung und Annahme der anderen Person fehlt. Ohne diese Annahme ist die Möglichkeit der Ganzhingabe und der tiefsten Liebe eingeschränkt. Die Kirche geht davon aus, dass Liebe bis zum Tod möglich ist und Sexualität diese Liebe ausdrücken soll und dazu geschaffen ist. Die Kirche glaubt, dass der Mensch zu solcher Liebe berufen und fähig ist und sie der menschlichen Würde am meisten entspricht. Sie weiß um die Schwäche und das Versagen des Menschen, aber sie vertraut auf die Gnade Gottes, die jede Schwäche überwinden kann.

Siehe auch Teil 1:

Unsere Welt ist gesättigt mit Sex, aber bleibt hungernd nach Liebe

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Theologie des Leibes

„Unsere Welt ist gesättigt mit Sex, aber bleibt hungernd nach Liebe“ (Teil 1)

Papst Johannes-Paul II (CC BY-SA 3.0 Dr. Meierhofer)

Als die Enzyklika Humanae vitae 1968 veröffentlicht wurde, stieß sie auf großen Widerstand. Neben den Ablehnungen gab und gibt es jedoch auch Unterstützer der katholischen Sexualmoral. Der Nachfolger Pauls VI., Johannes Paul II., versuchte eine Neu-Kommunikation der katholischen Lehre durch das Konzept einer „Theologie des Leibes“. Der Theologe Christopher West will diese Theologie allgemein verständlich machen. Gelingt die Neuvermittlung?

Papst Johannes Paul II.

Die entscheidenden Aussagen der Enzkylika „Humanae vitae“ Pauls VI. von 1968 zur Bestimmung von Sexualität und Fortpflanzung lauten:

Wenn jemand daher einerseits Gottes Gabe genießt und anderseits – wenn auch nur teilweise – Sinn und Ziel dieser Gabe ausschließt, [Fortpflanzung] handelt er somit im Widerspruch zur Natur des Mannes und der Frau und deren inniger Verbundenheit; er stellt sich damit gegen Gottes Plan und heiligen Willen.

Die Neu-Kommunikation Johannes Pauls II. wird „Theologie des Leibes“ genannt. Als Quelle der sittlichen Normen galten für jungen Wojtyla nicht Willensäußerungen Gottes, sondern das Sein des Menschen. Als junger Dozent hatte Wojtyla einen autoteleologischen Ansatz, der für ihn prägend blieb. Bestimmend für seine Theologie und Philosophie waren vor allem Johannes von Kreuz, Max Scheler, Kant und Thomas von Aquin.

Der Begriff „Theologie des Leibes“ wurde von Johannes Paul II. selbst als Arbeitsthese bei seiner letzten Mittwochskatechese 1984 geprägt. Die Katechesen zur Theologie des Leibes fanden von 1979 bis 1984 in Rom statt und gehen ursprünglich auf die Vorbereitungszeit der Bischofssynode 1980 mit dem Thema: „Über die Aufgaben der christlichen Familie in der heutigen Welt“, zurück. Das Ergebnis der Synode ist das Apostolische Schreiben Familiaris consortio. Insgesamt handelt es sich um 129 Katechesen. Die Theologie des Leibes gründet in biblischer Anthropologie, vor allem in drei Schlüsselstellen: Mt.19,3–9, in der es um die Ehe geht. Mt. 22,24–30, in dem vor allem das Thema Ehebruch vorkommt und die Stellen über die Auferstehung (Mt. 22,24–30; Mk. 12,18–27; Lk. 20,27–40).

Deutlich wird also bei Johannes Paul II., dass es sich um die theologisch-biblischen Grundlagen der katholischen Ethik handelt. Diese bestätigen nach Johannes Paul II. voll und ganz Humanae vitae: „der ganze, als ‚Theologie des Leibes‘ bezeichnete biblische Hintergrund [bietet] wenn auch indirekt, die Bestätigung der Wahrheit der in Humanae vitae enthaltenen moralischen Norm“. Der Grund für das Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung

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Let’s talk about Sex oder warum Papst Franziskus Seelen rettet!

(TheCathwalk.de) Nicht Papst Franziskus, sondern der Hl. Johannes Paul II. war der große Revolutionär, der der Kirche eine neue Sicht auf die Sexualität des Menschen geschenkt hat!
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Papst Johannes Paul II. umarmt den damaligen Kardinal Jorge Mario Bergoglio

Ein Kommentar von Benjamin Kalkum und Friedrich Reusch.

Vieles ist in den letzten Tagen geschrieben worden über Sex-Besessenheit und Moraltheologie, über das ewige Rom und das geistige Wittenberg, über Rigidität und Frigidität. Über was sich die verschiedenen Kommentatoren aber nicht einig waren, das war die Weise, wie wir Sexualität in unseren Diskussionen überhaupt wahrnehmen, definieren, in das Gesamtdasein des Menschen kontextualisieren.

Wir möchten deshalb einen Ausgangspunkt für die theologische Betrachtung in Erinnerung rufen, die aus der Theologie des Leibes des Hl. Johannes Paul II. stammt, der von vielen, die jetzt auf Papst Franziskus einprügeln, auch gerne „der Große“ genannt wird.

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„Tinder“ und der Tod der Romantik

Dating im Digitalen Zeitalter: Wie junge Menschen mit Apps versuchen, echte Liebe zu finden – oder auch nur ein schnelles Abenteuer

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46 Millionen Deutsche nutzten im Januar 2015 ein Smartphone. 2009 waren es gerade mal 6 Millionen. Foto: Tony Hasgill via Flickr (CC-BY SA 2.0)

Junge Singles sind zu sehr damit beschäftigt, nach links und rechts über ihr Handy zu wischen und oberflächliche, vorübergehende Verbindungen aufzubauen, um echte Liebe mit echten Menschen zu finden. Die Romantik sei tot, behauptete die Autorin Nancy Jo Sales.

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Die Zukunft hängt an der Liebe

Leiblichkeit und Sexualität – Teil 1

von Georg Dietlein

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„Betthütermoral“ – „Schlafzimmerkontrolle“ – nicht mehr zeitgemäß – lebensfern und rückschrittlich – all dies sind Vokabeln, die immer wieder mit Blick auf die Sexualmoral der katholischen Kirche fallen.

„Betthütermoral“ – „Schlafzimmerkontrolle“ – nicht mehr zeitgemäß – lebensfern und rückschrittlich – all dies sind Vokabeln, die immer wieder mit Blick auf die Sexualmoral der katholischen Kirche fallen. Menschen in einer zweiten zivilen Ehe („wiederverheiratete Geschiedene“), künstliche Verhütung, Geschlechtsverkehr vor bzw. außerhalb einer zivilen oder kirchlichen Ehe, „alternative“ Sexualpraktiken, offen und ganz bewusst ausgelebte Homosexualität – alles dies sind doch ganz alltägliche und vor allem normale Zustände in Deutschland – so denken viele. Was hat mir da die Kirche mit ihrer „verstaubten“ Sexualmoral zu geben?

Es wäre ziemlich töricht, diese Frage, die der katholischen Kirche ja täglich gestellt wird, mit einer Liste von Ge- und Verboten zu beantworten – oder aber haarscharf abgrenzen zu wollen, was denn nun davon lässliche oder schwere Sünde ist. Aus pastoraler Sicht wäre dies zumindest eine verpasste, wenn nicht die letzte verpasste Chance. So wichtig und wesentlich das Wort „Wahrheit“ ist: Jesus Christus hat seine Kirche nicht dazu berufen, irgendeine abstrakte Wahrheit in die Welt zu rufen, die in Glaubens- und Moralsätzen schriftlich festgehalten wurde. Vielmehr soll die Kirche die persönlichste aller Wahrheiten in die Welt tragen, nämlich Jesus Christus selbst, der Wahrheit in Liebe und Liebe in Wahrheit ist. In erster Linie ist die Kirche daher auch weder Moralapostel noch Moralanstalt. Sie soll den Menschen näher zu Christus bringen, ihn mit Christus bekannt und vertraut machen, ihn in die Freundschaft mit ihm einführen. Alles andere – auch die Moral der Kirche – sind letztlich Konsequenzen dieser Freundschaft mit dem Herrn. Das Handeln folgt aus dem gelebten Glauben: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten“ (Joh 14, 15).

Worum es eigentlich geht

Wie soll die Kirche nun mit Christen umgehen, die die Lehre der Kirche zwar kennen, aber nicht danach leben? – In erster Linie sollte sie Orientierung geben – und dabei auch Sünder nicht verurteilen. Freilich gehört zur Orientierung auch einmal das klare Wort, wie der Umgang Jesu mit der Ehebrecherin zeigt: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh 8, 11) Zunächst geht es aber darum, für echte Werte wie Liebe, Treue, Glück, Partnerschaft, Ehe und Familie zu sensibilisieren. Vom heiligen Franz von Sales stammt der Satz: „Gott sieht nicht so sehr darauf, was geschieht, sondern auf die Art, wie es geschieht.“ Für ihn zählt die wahre, echte und treue Liebe.

In der Regel kommen junge Menschen von selbst darauf, dass es diese wahre, echte und treue Liebe ist, um die es im Leben geht. Spätestens nach der ersten gescheiterten Beziehung oder nach der ersten betrogenen Liebe stehen beide oder zumindest einer der Partner vor der Frage: Wie finde ich Glück und Erfüllung in meinem Leben? Geht es wirklich nur um Sexualität? Was bedeutet Treue? Lebe ich eigentlich nur mich selbst – oder bin ich bereit, mich „ein für allemal“, ein Leben lang an eine Person zu verschenken? Welche Bedeutung spielen Kinder für mich? Bin ich bereit, meine Liebe fruchtbar werden zu lassen und meine Beziehung für neues Leben zu öffnen?

Die Kirche hat viel zu bieten – gerade jungen Menschen, die Glück und Erfüllung suchen, die auf „die Liebe fürs Leben“ aus sind. Und gerade darum ist die kirchliche Moral nicht negativ und unzeitgemäß, sondern positiv und nach wie vor aktuell – wenn auch durchaus anspruchsvoll. Die Kirche mutet dem Menschen viel zu, weil sie ihm viel zutraut. Und sie traut ihm viel zu, weil Gott ihm viel zutraut, der ihn als sein Abbild erschaffen hat. Der Mensch ist dazu fähig, sich einmal nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern sich ein Leben lang treu an eine Person zu verschenken und mit ihr das „Abenteuer Leben“ zu wagen – in jeder Hinsicht. Wenn junge Menschen diesen positiven Blick der Kirche auf die menschliche Geschlechtlichkeit verstanden haben, bedarf das sechste Gebot gar keiner Erläuterung mehr. Dann geschieht alles aus reiner Liebe und nichts aus Zwang.

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Sühnenacht-Hopper, biedermeierliche Götzen und der Nerz der Nachbarin

Dr. Jörg Müller erläutert das „Cathwalk-Syndrom“, Teil 1

Die Nachbarin geht doch nur in die Kirche, um ihren neuen Mantel zu zeigen“, dies ist laut dem Psycho-Pater Jörg Müller „ein einfaches, aber typisches Beispiel für eine Unterstellung, die vielleicht den Wunsch des so Redenden offenbart, selber einen solchen Mantel zu besitzen und zu zeigen.“

Eine Cathwalk-Rezension in zwei Teilen von Friedrich Reusch

Um die Auseinandersetzungen um das Onlinemagazin thecathwalk.de zu verstehen, genügt es nicht, rein theologische Deutungsmuster zu bemühen. Zu verschroben und psychotisch war da so manches in den Kommentaren, was speziell im Zusammenhang mit den Beiträgen von Dr. Maximilian Krah und Kristina Ballova in den Netz-Äther gepumpt wurde. Warum wirkt gerade ein Portal, welches nichts anderem als der gesellschaftlichen Emanzipation der Katholiken dienen will, so provokant, dass es dermaßen sauer aufstößt, sodass sich nicht etwa ein abgeklärtes „Ihr-seid-eben-hip-ich-bin-eben-uncool“, sondern geradezu ein hasserfüllter Groll entlädt gegen jene, die im katholischen Glauben eine ganzheitlich-lebensbejahende Realität sehen?

Jörg Müller ist nicht nur Pallotinerpater in Freising, sondern auch Psychotherapeut. In seinem Buch „Gott ist anders – Das Leiden an falschen Gottesvorstellungen. Wege zur Heilung“ macht er Schluss mit falschen Gottesbildern und räumt mit so manch krudem Frömmigkeitswahn auf, der der Cathwalk-Redaktion auch leidvoll vertraut ist.

Der christlich sozialisierte Mensch befindet sich laut Müller oftmals in einem Dilemma: „Je puritanischer das Milieu ist, in dem er aufwächst, desto enger fallen die Reglementierungen und sozialen Verhaltensmuster aus. Leider hat die christliche Erziehung all zulange mit übertriebenen moralischen Forderungen die Psyche des Menschen eingeengt und ihrer natürlichen Expansion (Originalität, Kreativität) beraubt.“ Und tatsächlich: Die Zeiten, in denen ein Michelangelo oder ein Sandro Botticelli Zeitloses schufen, waren unbestreitbar katholisch, aber dennoch erstaunlich libertär.

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